Neue Erkenntnisse zu den Kofferbomben: Anschläge ursprünglich während WM geplant
- Attentäter schreckten vor hohem Risiko zurück
- Mohammed-Karikaturen Motiv der Bahnbomber
Falscher Alarm: Wieder deutscher Intercity gestoppt
·D: Terroranschläge während WM geplant!
Attentäter schreckten vor hohem Risiko zurück
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·GRAFIK: Vereitelte Terroranschläge
Verheerende Pläne seit 11. September-Attentaten
Die missglückten Anschläge mit Kofferbomben auf deutsche Züge sollten nach einem Zeitungsbericht ursprünglich während der Fußball-Weltmeisterschaft verübt werden. Das habe sich bei der Vernehmung der Tatverdächtigen herausgestellt, berichtete die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) unter Berufung auf Kreise der Sicherheitsbehörden. Unterdessen wurde in Bayern wieder ein Intercity gestoppt, nachdem ein Zugbegleiter einen verdächtigen Gegenstand gefunden hatte.
Dass der Plan schließlich verschoben wurde, hätten die Festgenommenen damit begründet, dass ihnen Bedenken über die Risiken und Auswirkungen gekommen seien. Nach einem Bericht von "Focus Online" will der Libanon keine Verdächtigen nach Deutschland ausliefern.
Die Vernehmungen hätten den Eindruck bestätigt, dass es sich bei den Tätern um eine neue Generation gewaltbereiter Extremisten handelt, meldete die "WAZ" weiter. Anders als die Attentäter vom 11. September 2001 seien die mutmaßlichen Kofferbomben-Attentäter nicht in islamistischen Ausbildungslagern geschult und von dort aus gesteuert worden. Die neue Generation der Extremisten finde sich kurzfristig zu kleinen Zellen zusammen.
Seit der Entdeckung von zwei Kofferbomben Ende Juli in Zügen in Dortmund und Koblenz haben deutsche und libanesische Behörden insgesamt fünf Männer festgenommen: Als erster Tatverdächtiger wurde Mitte August der 21-jährige Libanese Youssef Mohamad E.H. in Kiel gefasst. Vergangene Woche stellte sich im Libanon zudem der zweite dringend Tatverdächtige Jihad Hamad den Behörden. Der 20-jährige Student soll gestanden haben, eine der beiden Kofferbomben platziert zu haben. Am Freitag vor einer Woche wurde in Konstanz der 23-jährige Syrer Fahdi A.S. als dritter Verdächtiger festgenommen. Am selben Tag nahmen Ermittler im Libanon zudem einen 24-jährigen Mann mit den Initialen K.H.D. fest. Am vergangenen Montag wurde ein weiterer Verdächtiger im Libanon festgenommen.
Mohammed-Karikaturen als Motiv
Die Ermittler haben auch neue Erkenntnisse über die Motive der mutmaßlichen Attentäter gewonnen. Der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, sagte dem Nachrichtenmagazin "Focus", die "Initialzündung" für die Kofferbomber sei die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in deutschen Zeitungen gewesen. "Der in Kiel gefasste Youssef el Hajdib interpretierte dies als Angriff der westlichen Welt auf den Islam."
Ein weiteres Motiv sei der Tod des Top-Terroristen Abu Mussab al Zarqawi am 7. Juni im Irak gewesen. "Die beiden Hauptverdächtigen glaubten, dass der internationale Terrorismus einen seiner wichtigsten Köpfe verloren hatte", erklärte Ziercke. Der BKA-Chef bezog sich dabei auf Aussagen des im Libanon inhaftierten mutmaßlichen Mittäters Jihad Hamad.
Libanon: Keine Auslieferung
Die Internet-Ausgabe des "Focus" berichtete, Hamad und ein weiterer Komplize sollten nicht nach Deutschland ausgeliefert werden. "Es sind libanesische Staatsbürger, ihnen muss hier der Prozess gemacht werden, und sie müssen hier ihre gerechte Strafe absitzen", sagte Generalstaatsanwalt Said Mirza "Focus Online". Der Generalstaatsanwalt habe auch die Auslieferung der beiden in Deutschland inhaftierten Verdächtigen an den Libanon gefordert.
"Das Ermittlungsverfahren gegen Jihad Hamad und den anderen Tatverdächtigen ist so gut wie abgeschlossen", sagte Generalstaatsanwalt Mirza nach dem Bericht. Danach ginge der Fall zum Ermittlungsrichter. Den Beschuldigten drohten nach Angaben Mirzas bei einer Verurteilung im Libanon Haftstrafen bis maximal 25 Jahren.
Intercity gestoppt
Eine verdächtige Tasche, wegen der ein IC in Otting-Weilheim im deutschen Bundesland Bayern geräumt worden war, hat sich als Bombenattrappe erwiesen. Ein Sprecher des bayrischen Landeskriminalamts sagte in München, Untersuchungen durch Chemiker und Sprengstoffexperten in der Nacht hätten ergeben, dass der Gegenstand keinen Sprengstoff enthalten habe.
Die Bombenattrappe aus einem mit weißem Pulver gefüllten Rohr, Drähten und elektronischen Bauteilen war am Freitagnachmittag von einem Zugbegleiter im IC 328 von Mittenwald nach Dortmund entdeckt worden. Die alarmierte Bundespolizei ließ den Zug räumen.
Der Polizeisprecher kündigte an, Experten würden nun Parallelen zu ähnlichen Vorfällen in München und Aschaffenburg von vor einer Woche untersuchen. Auch die Bänder von Überwachungskameras des Bahnhofs seien sichergestellt worden. (apa/red)
