Republik neu erfinden: Sarkozy positioniert sich für Rennen um Präsidentschafts-Wahl
- Frankreichs Innenminister hält Rede vor Anhängern
- Will Arbeitslosenrate unter fünf Prozent drücken
Mit einer Rede vor tausenden Anhängern hat sich Innenminister Nicolas Sarkozy für das Rennen um die französische Präsidentschaft positioniert. "Eine Zäsur ist notwendig", rief der 51-Jährige den Delegierten der Sommeruniversität der regierenden UMP in Marseille zu. Der UMP-Chef stellte sein Programm in den Bereichen Wirtschaft, Soziales, Bildung, Umwelt und Kultur vor. Umfragen zufolge hat der UMP-Chef die besten Chancen, in seiner Partei im kommenden Jahr als Nachfolger für Staatspräsident Jacques Chirac aufgestellt zu werden.
Sein Ziel sei es, die Arbeitslosenrate auf fünf Prozent in den kommenden fünf Jahren zu senken, sagte Sarkozy in seiner Rede zum Abschluss der dreitägigen Veranstaltung in Südfrankreich. Das sei sein "größter Ehrgeiz". Derzeit beträgt die Arbeitslosenrate in Frankreich 8,9 Prozent. Arbeit müsse wieder ein Wert an sich werden, forderte Sarkozy und warf den Sozialisten vor, mit der Einführung der 35-Stunden-Woche eine "Abhängigkeits- und Wohlfahrtsstaatmentalität" gefördert zu haben.
Neben vielen anderen Vorschlägen sprach sich Sarkozy auch für einen obligatorischen Zivildienst von sechs Monaten für alle Franzosen im Alter von 18 bis 30 Jahren aus. Die Aufgabe könne in Frankreich oder im Ausland erfüllt werden und müsse dem Interesse der Allgemeinheit dienen. Diese Forderung, die sich auch die Sozialisten und die Zentrumsliberalen unter Francois Bayrou (UDF) auf die Fahnen geschrieben haben, hatte Chirac bereits nach den Vorstadt-Unruhen im Herbst vergangenen Jahres erhoben.
Republik "neu erfinden"
Die Republik müsse "neu erfunden" werden, forderte Sarkozy unter dem Applaus der jungen UMP-Anhänger, die Partei-T-Shirts trugen und die französische Flagge schwenkten. "Ihr seid die Kinder der Krise", rief er den rund 7000 Delegierten zu. Die jungen Leute müssten heute die Rechnung für die Ideale der 68er zahlen, die Werte und politische Korrektheit umgekehrt hätten. An dem Kongress nahmen auch der alternde Sänger Johnny Hallyday sowie der Rapper Doc Gyneco teil, der Sarkozy am Samstag als "Freund und eine Art Mentor" bezeichnet hatte.
Sarkozy gilt als aussichtsreichster Kandidat im innerparteilichen Rennen um die Nachfolge Chiracs. In einer Umfrage in der Zeitung "Le Journal du Dimanche" lag Sarkozy mit 45 Prozent in der Gunst der Befragten vorne, Premier Dominique de Villepin landete mit nur acht Prozent weit abgeschlagen auf Platz zwei. Front-National-Chef Jean-Marie Le Pen kritisierte die Rede Sarkozys als "absolut demagogisch".Sakozy führe eine "Hollywood-Kampagne", sagte der führende französische Rechtsextreme vor rund 600 Anhängern bei einer Veranstaltung seiner Partei in Saint-Martin de Crau. (apa)
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