Samstag, 2. September 2006

NATO-Flugzeug in Afghanistan abgestürzt: 14 britische Soldaten sterben bei Unglück

  • ISAF-Sprecher: Absturz der Maschine war Unfall
  • Schwerste Kämpfe seit Sturz der Taliban im Gang

Bei einem Flugzeugabsturz in Afghanistan sind 14 britische Soldaten ums Leben gekommen. Bei den meisten Todesopfern handle es sich um Angehörige der Luftwaffe, teilte das Verteidigungsministerium in London mit. Die Maschine sei während eines NATO-Einsatzes im Süden des Landes plötzlich vom Radar verschwunden und auf ein offenes Geländes gestürzt, sagte ein Sprecher der internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF.

Anzeichen auf einen gegnerischen Beschuss habe es nicht gegeben, sagte der ISAF-Sprecher, Major Scott Lundy. Bei den Toten handle es sich um Angehörige der Royal Air Force, sowie einen Soldaten der Marine und einen des Heeres.

Der Absturz überschattete den Beginn der bisher größten Offensive der NATO-geführten Schutztruppe ISAF in Südafghanistan. Die Maschine sei wegen eines technischen Defekts im Unruhedistrikt Pandschwayi bei Kandahar verunglückt, teilte ein NATO-Sprecher in Afghanistan mit. Einen Abschuss der Maschine schloss er aus. Im Distrikt Pandschwayi hatten hunderte Soldaten der ISAF und der afghanischen Armee einen Großeinsatz gegen die Taliban-Miliz gestartet, die in der Gegend besonders aktiv ist.

Der Absturz der Militärmaschine war der bisher verlustreichste Vorfall für die britischen Streitkräfte seit Beginn ihres Afghanistan-Einsatzes Ende 2001. Insgesamt starben seither 36 britische Soldaten. Verteidigungsminister Des Brown zeigte sich in London "schockiert" über die Nachricht. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass es sich "um einen schrecklichen Unfall und nicht um das Ergebnis eines feindlichen Einsatzes" handle. Die genauen Ursachen würden untersucht.

Hunderte ISAF-Soldaten hatten in Pandschwayi gemeinsam mit Angehörigen der afghanischen Armee die "Operation Medusa" gestartet. "Unser Ziel ist es, die Gefahr durch die Taliban in Pandschwayi abzuwenden und die Lage zu stabilisieren", sagte ISAF-Sprecher Scott Lundy. Der Einsatz sei seit Tagen vorbereitet worden: Zivilisten in der Region seien aufgefordert worden, die Gegend zu verlassen; Militärmaschinen hätten zudem Flugblätter abgeworfen, in denen die Taliban-Milizionäre zum Aufgeben gedrängt worden seien.

Der Großinsatz sei nötig geworden, weil die Taliban in ihrer Hochburg Pandschwayi in letzter Zeit "ihre Verteidigungsstellungen gestärkt, Gebäude mit Sandsäcken abgesichert und Waffen in die Region gebracht" worden seien, sagte Lundy. Die ISAF habe Belege dafür, dass in Pandschwayi der "harte Kern" der Taliban kämpfe und den "dringend benötigten Wiederaufbau" behindere.

Trotz der gut 40.000 ausländischen Soldaten in Afghanistan haben die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Aktivität deutlich verstärkt. Derzeit kommt es zu den schwersten Kämpfen seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban 2001, hauptsächlich im Süden und Osten des Landes. Rund 2000 Menschen wurden allein in diesem Jahr bereits getötet, die meisten von ihnen Rebellen, aber auch Zivilisten, Helfer und afghanische Soldaten. Auch mehr als 90 ausländische Soldaten starben bei Kämpfen und Gefechten.

(apa/red)

2.9.2006 19:15