Freitag, 1. September 2006

Flüchtlingsdrama in Darfur: EU befürchtet eine weitere Eskalation der Krise im Sudan

  • Groß angelegte Militäraktion der Regierung möglich

Die Situation in der sudanesischen Krisenregion Darfur könnte sich nach Ansicht der EU in den kommenden Tagen und Wochen dramatisch verschärfen. Weitere 100.000 bis 200.000 Menschen könnten im Norden der Krisenregion in die Flucht getrieben werden, erklärte der EU-Sondergesandte für den Sudan, Pekka Haavisto, nach seinem Besuch in der Region. "Es könnte eine Frage von Tagen oder Wochen sein, bevor sich der Konflikt zu einer groß angelegten Militäroperation ausweitet."

Er sei sehr besorgt, dass die sudanesische Regierung die Entsendung einer 10.000 Mann starken Truppe nach Darfur plane. Dies sei ein Verstoß gegen das im Mai geschlossene Friedensabkommen. Zuvor hatten sich auch ein ranghoher UN-Beamter und die Menschenrechtsorganisation Amnesty International besorgt über die künftige Entwicklung im Sudan geäußert.

Zuvor hat sich der UN-Sicherheitsrat auf die Entsendung einer Friedenstruppe für die sudanesische Bürgerkriegsregion Darfur geeinigt. Die UN-Resolution sieht den Einsatz von bis zu 22.500 Soldaten und Polizisten vor. Der Sudan lehnte die Stationierung jedoch mit der Begründung ab, sie verstoße gegen das Darfur-Friedensabkommen.

Der Darfur-Konflikt war im Februar 2003 ausgebrochen, als nach dem Aufstand schwarzafrikanischer Rebellen die Regierung arabische Milizen bewaffnete, um die Revolte niederzuschlagen. Den Milizen werden Vergewaltigungen, Plünderungen und Mord vorgeworfen. Bei den anhaltenden Kämpfen in Darfur sind in den vergangenen drei Jahren Zehntausende Menschen ums Leben gekommen, mehr als 2,5 Millionen Einwohner befinden sich auf der Flucht. (apa/red)

1.9.2006 18:35