Benedikt XVI. auf Kurzbesuch: Papst
auf Pilgerfahrt in Manoppello bejubelt
- Gläubige sollen stets das "Antlitz Christi" suchen
Tausende von Menschen haben am Freitag dem Papst zugejubelt, der zu einem Kurzbesuch in dem Abruzzen-Dorf Manoppello eingetroffen ist, wo er vor einer der kostbarsten Reliquien der Christenheit gebetet hat. Weiße und gelbe Fahnen, die Farben des Vatikans, wehten zur Begrüßung von Benedikt XVI., der mit einem Hubschrauber in der 6.000-Seelen-Gemeinde in Mittelitalien landete. Schärfte Sicherheitsvorkehrungen wurden in der Bergortschaft ergriffen.
Der Papst wurde vom Bischof der Diözese der Stadt Chieti, Bischof Bruno Forte, begrüßt, der ihn zum Privatbesuch nach Manoppello eingeladen hatte. Der aus Neapel stammende Erzbischof gilt als einer der bedeutendsten Theologen der Gegenwart. In der kleinen Kirche des Ortes, wo sich das Heiligtum befindet, betete Joseph Ratzinger zirka zehn Minuten lang vor dem hauchdünnen Tuch aus Muschelseide mit dem "Volto Santo" - dem heiligen Antlitz Christi. Im Anschluss daran besuchte er den Konvent der Kapuziner, die das Heiligtum betreuen. Dort fand auch eine Begegnung mit Pater Heinrich Pfeiffer und der deutschen Klosterfrau Blandina Schlomer statt, die als große Experten der Reliquie gelten.
Benedikt XVI. traf auch den Leiter des Wallfahrtsortes von Manoppello. Anlass des Besuches war die 500-Jahr-Feier des Wallfahrtsortes, in dessen Kirche die geheimnisvolle Abbildung des "Heiligen Antlitzes Jesu" aufbewahrt wird. Nach Meinung einiger Forscher könnte es sich bei dem 17 mal 24 Zentimeter großen Muschelseidentuch um das im Evangelium erwähnte Schweißtuch handeln, das nach der Grablegung Jesu auf sein Gesicht gelegt wurde. Muschelseide gehört zu den kostbarsten Materialien der Antike.
Andere Experten gehen davon aus, dass sich das Original dieses "Veronika-Tuchs" weiterhin im Petersdom in Rom befindet, wo es seit Jahrhunderten verehrt wird; in Manoppello handle es sich um eine Kopie. Es gibt keine kirchenoffizielle Äußerung zur Echtheit. Benedikt XVI. ist der erste Papst, der Manoppello besucht.
Der Heilige Vater rief alle Gläubigen auf, stets das "Antlitz Christi" zu suchen. "Wir müssen gemeinsam das Antlitz des Herren suchen. Damit können wir den richtigen Weg in unserem Leben finden", sagte der Papst. Er bezeichnete seinen Besuch als "private Pilgerreise". Auf die Diskussion um die Echtheit des Tuches ging er nicht ein. Um "das Antlitz des Herrn zu erkennen" brauche es "unschuldige Hände und reine Herzen", so der Papst.
Nach dem Besuch in Manoppello kehrte der Papst mit dem Hubschrauber in seine Sommerresidenz in Castel Gandolfo zurück. Dort begrüßte er dann seine ehemaligen Theologie-Studenten. Der Papst nimmt bis Sonntag an einem Treffen seiner ehemaligen Studenten teil, bei dem das Thema der Evolution nach Darwins Theorien und die Schöpfung diskutiert wird. Organisiert wird das Treffen von Stephan Otto Horn, Theologieprofessor an der Universität von Passau und Leiter des "Schülerkreises Joseph Ratzinger". Erwartet wird auch der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn.
(apa/red)
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