Freitag, 1. September 2006

Über 300 Tote: Gedenkfeiern zum Jahrestag
des blutigen Geiseldramas von Beslan

  • Trauer um Opfer: Unter 332 Toten waren 186 Kinder
  • Tiefer Schmerz: "Uns fehlen Worte und Gefühle"

Am zweiten Jahrestag des Geiseldramas von Beslan haben die trauernden Bewohner der südrussischen Stadt mit Kerzen und Blumen und unter Glockengeläut der mehr als 330 Todesopfer gedacht. An der Ruine der Schule Nr. 1 drängten sich seit Freitag früh hunderte Menschen. Aus der Turnhalle sei das Schluchzen von Müttern der getöteten Kinder zu hören, berichteten Augenzeugen. Die Jugendlichen trugen schwarze T-Shirts mit der Aufschrift "Gegen Terror".

Zum Schuljahresbeginn am 1. September 2004 hatten schwer bewaffnete tschetschenische Terroristen in der Schule mehr als 1100 Schüler und Erwachsene in ihre Gewalt gebracht. Zwei Tage später endete das Drama in einem stundenlangen Feuergefecht zwischen Terroristen und Sicherheitskräften. Mehr als 330 Geiseln und Sicherheitsleute starben, von den mehr als 30 Terroristen überlebte nach offiziellen Angaben nur einer. Der Überlebende wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Als Vertreter der Moskauer Führung legte nur der Präsidentenbevollmächtigte für Südrussland, Dmitri Kosak, zum Jahrestag in Beslan einen Kranz nieder. Die Einwohner von Beslan werfen den Sicherheitsbehörden vor, durch Fehler während des dreitägigen Dramas für die hohe Opferzahl mitverantwortlich zu sein. Außerdem seien die Ereignisse nicht restlos aufgeklärt worden.

Der heute 14 Jahre alte Batras Misikow, der damals mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder zu den Geiseln gehörte, besuchte die Gräber seiner getöteten Klassenkameraden. Alle, die damals während der Einschulungsfeier von den Extremisten drei Tage lang in dem Schulgebäude festgehalten wurden, "sind jetzt andere Menschen", sagte Misikow. "Uns fehlen Worte und Gefühle, in uns ist nur Leere".

Aus Furcht vor Anschlägen stand die Stadt unter massiver Polizeiaufsicht. An vielen Straßen waren vorsorglich Krankenwagen postiert. Die Feierlichkeiten werden - wie das Geiseldrama - erst nach drei Tagen enden. Am Sonntag sollen Schulkinder dann 332 weiße Luftballons fliegen lassen - einen Ballon für jedes Todesopfer.

(apa/red)

1.9.2006 13:54