Freitag, 1. September 2006

Atom-Konflikt vor Eskalation: Iran erfüllt
UN-Auflagen nicht - USA fordern Sanktionen

  • Iran betont: Keine Furcht vor Militärangriff der USA
  • US-Präsident Bush droht Teheran mit Konsequenzen

Der Iran werde sich im Streit um sein Atomprogramm auch durch die Drohung mit einem Militärangriff der USA nicht beeindrucken lassen. Der Iran sei über diese Möglichkeit "in keiner Weise besorgt", sagte Irans Botschafter Ali Ahani in Paris. "Wir sind in der Lage, uns zu verteidigen und uns jeder, wie auch immer gearteten Bedrohung zu stellen." Teheran setze allerdings weiter auf eine Beilegung des Streits "durch Verhandlungen und auf diplomatischem Wege".

US-Präsident George W. Bush hatte dem Iran am Donnerstag nach Ablauf eines UN-Ultimatums zur Einstellung der Uran-Anreicherung mit "Konsequenzen" gedroht. Der Führung in Teheran dürfe nicht erlaubt werden, "eine Atomwaffe zu bauen". Washington dringt jetzt auf Sanktionen gegen Teheran, hat aber auch erkennen lassen, dass es notfalls auch den Rückgriff auf Gewalt nicht ausschließt.

Der Iran werde US-Generalsekretär Kofi Annan bei dessen Besuch am Samstag "seinen Standpunkt und die Gründe, warum wir unsere vollkommen friedlichen Aktivitäten fortführen müssen", erklären, sagte Ahani. Er bezeichnete die UN-Resolution 1696, die einen Stopp der Anreicherung bis Ende August gefordert hatte, als "ungerecht". Sie sei "aus politischen Motiven" zustandegekommen. Ahani versicherte, der Iran werde "die internationalen Regeln respektieren" und verwies darauf, dass Teheran Unterzeichner des Vertrages über die Nichtverbreitung von Atomtechnologie sei.

Mögliche Sanktionen gegen den Iran sollen nicht die Bevölkerung treffen, betonte der amerikanische UNO-Botschafter John Bolton. "Wir haben keinen Streit mit der Bevölkerung im Iran. Wir haben Streit mit der Regierung, die atomare Waffen herstellen will", sagte er vor Journalisten. Mögliche Sanktionen sollten jedoch sehr direkt auf Führungspersönlichkeiten und Personen abzielen, die direkt mit Urananreicherung im Land zu tun hätten.

Über das Ausmaß der Strafe der internationalen Gemeinschaft gegen den Iran, falls es nicht seine Urananreicherung einstelle, werde derzeit noch diskutiert, so der Diplomat. "Es gibt zwei Möglichkeiten von Sanktionen: Relativ milde, die erst mit der Zeit hoch geschraubt werden, wie es die EU vorschlägt. Die andere Möglichkeit sind jedoch harte Sanktionen", so Bolton.

(apa/red)

1.9.2006 20:35