Dienstag, 12. September 2006

Fünf Jahre nach 9/11: USA gedenken des schlimmsten Terror-Anschlags aller Zeiten

  • Insgesamt vier Schweigeminuten in New York
    US-Präsident Bush verteidigt CIA-Gefängnisse
  • BILDER: Gedenkfeiern in New York. PLUS: Alle Infos!

Am fünften Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 hat die Welt der Opfer gedacht. In New York gab es insgesamt vier Schweigeminuten - zu den Zeitpunkten, zu denen damals Passagierflugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Centers einschlugen, sowie zu den Zeiten des Einsturzes dieser Türme. Eine Schweigeminute wurde auch am Verteidigungsministerium (Pentagon) in Washington eingehalten. Dieses wurde vor fünf Jahren von einem dritten entführten Flugzeug getroffen, wodurch 184 Menschen in den Tod gerissen wurden. In einem neuen, vom US-Sender CNN gezeigten Al Kaida-Video drohte Osama bin Ladens Stellvertreter Ayman al Zawahiri mit neuen Anschlägen, speziell in den Golfstaaten und in Israel: "Ihr habt uns jedes Recht und jede Gelegenheit gegeben, euch weiter zu bekämpfen."

In Erinnerung an das schlimmste Attentat auf dem Boden der USA wehten die Flaggen im ganzen Land auf Halbmast. Am Ground Zero, auf dem früher das World Trade Center stand, versammelten sich die Familien der Opfer, um die Namen der 2749 Menschen zu verlesen, die in den Trümmern der Zwillingstürme starben.

Bush: Schweigeminute in Feuerwehrwache
US-Präsident George W. Bush und seine Frau Laura verbrachten die Schweigeminute in einer Feuerwehrwache an der Lower East Side gemeinsam mit Feuerwehrleuten und Rettungshelfern, die vor fünf Jahren 343 Kollegen verloren hatten. Bush reiste anschließend nach Shanksville im US-Bundesstaat Pennsylvania weiter, wo damals 40 Menschen bei dem Flugzeugabsturz ums Leben kamen. Er legte dort einen Kranz nieder, während die Glocken zum Gedenken an die Opfer läuteten.

Vor dem Pentagon nahmen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Vizepräsident Dick Cheney an einer Zeremonie teil. Die Terroranschläge seien "persönlich" gemeint gewesen. "Wir nehmen sie auch weiter persönlich", sagte Cheney. Er nannte den 11. September einen "Tag der nationalen Einheit". Der Ehrgeiz des Feindes kenne keine Grenzen und seine Grausamkeit speise sich aus dem Leid anderer Menschen, sagte Cheney.

Annan: Terrorismus inakzeptabel
Auch Papst Benedikt XVI. und UNO-Generalsekretär Kofi Annan erinnerten an die Opfer. UNO-Generalsekretär Annan nannte den Terrorismus inakzeptabel. Die Anschläge vom September 2001 seien gegen die ganze Menschheit gerichtet gewesen und hätten sie in ihrem Innersten getroffen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Durao Barroso sagte, der Kampf gegen den Terror sei "noch lange nicht gewonnen". Er sagte eine weiterhin enge Zusammenarbeit seiner Behörde im Kampf gegen den Terrorismus zu. "Wir brauchen effektive Politikinstrumente, um den Missbrauch von Sprengstoff vorzubeugen, zivile Infrastrukturen zu schützen und Transportsicherheit zu gewährleisten", fügte Barroso hinzu.

Präsident Bush verteidigte unterdessen noch einmal die geheimen CIA-Gefängnisse im Ausland. Für Menschen, die nicht in den Vereinigten Staaten lebten, sei der 11. September nur ein "schlechter Tag" gewesen. "Bei uns hat sich die ganze Haltung geändert", sagte Bush dem US-Fernsehsender NBC. Seine Sicht der Welt habe sich an diesem Tag dramatisch verändert. Es gebe Menschen, die das geheime CIA-Programm abschaffen wollten, sagte Bush. "Das macht überhaupt keinen Sinn." Man müsse Anschlagspläne vereiteln, bevor sie ausgeführt würden.

Irak-Krieg als "Fehler" in Terrorbekämpfung
Nach Einschätzung des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) ist durch die umstrittene Irak-Politik der USA die Terrorgefahr seit den Anschlägen vom 11. September 2001 gestiegen. "Ich sehe den Irak-Krieg unter dem Gesichtspunkt Terrorbekämpfung schon als einen Fehler", sagte BND-Präsident Ernst Uhrlau dem Sender ZDF. Denn Terroristen habe es vor dem Irak-Krieg in dem Land nicht gegeben.

Die Staats- und Regierungschefs der EU sowie aus 13 asiatischen Ländern erinnerten in Helsinki an die Opfer der Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001. Sie eröffneten den abschließenden Tag ihres Europa-Asien-Gipfels (ASEM) mit einer Schweigeminute.

Die Furcht vor neuen Anschlägen zeigte sich an dem Jahrestag an mehreren Sicherheitsalarmen, die sich als falsch herausstellten. Ein Passagierflugzeug wurde nach Dallas im US-Bundesstaat Texas umgeleitet, nachdem darin ein verdächtiger Rucksack und ein herrenloser Mini-Computer gefunden worden waren. Die Behörden in New York evakuierten die Pennsylvania Station, einen der größten Bahnhöfe der Stadt, nachdem dort ein verdächtiges Gepäckstück gefunden wurde. (apa/red)

12.9.2006 07:22