Dienstag, 29. August 2006

Elf Jahre nach Kriegsende in Bosnien: Noch immer werden 15.000 Menschen vermisst

  • Bosnien einziges Land mit einem Vermisstengesetz
  • In gesamten Ex-Jugoslawien 19.000 Leute abgängig

Elf Jahre nach dem Bosnien-Krieg (1992-1995) gelten in Bosnien-Herzegowina weiterhin 15.000 Personen als vermisst. Im Raum Ex-Jugoslawiens wird die Vermisstenzahl nach den Kriegen der neunziger Jahre auf rund 19.000 geschätzt. Vertreter aller in Bosnien tätigen Verbände von Familienangehörigen der Vermissten forderten anlässlich des Internationalen Vermisstentages die zentralen Behörden in Sarajevo auf, ein vor zwei Jahren erlassenes Vermisstengesetz schneller umzusetzen und die Fahndung nach Vermissten nicht zu politischen Zwecken zu nutzen.

Bosnien-Herzegowina sei das einzige Land, das ein Vermisstengesetz erlassen habe. Allerdings habe die Mehrheit derjenigen, die es umsetzten sollten, keine Ahnung davon, wird Milijana Bojic, die Leiterin einer Dachorganisation der Vermisstenverbände im kleineren bosnischen Landesteil, der Serbischen Republik (Republika Srpska), von der Tageszeitung "Nezavisne novine" zitiert. Auch ein im Gesetz vorgesehenes Vermissteninstitut hat seine Arbeit noch nicht aufgenommen.

In Bosnien-Herzegowina gibt es landesweit laut Bojic noch Hunderte Massengräber, die erst untersucht werden sollen. Rund 7.000 bereits ausgegrabene Leichen müssen identifiziert werden. (apa)

29.8.2006 14:26