Dienstag, 29. August 2006

An Händen gefesselt und Augen verbunden:
24 Leichen in Iraks Hauptstadt gefunden

  • PLUS: Pipeline explodiert - 36 Manschen gestorben
  • Rumsfeld: USA könnten weiteren Krieg verkraften

Die irakische Polizei hat in der Hauptstadt Bagdad die Leichen von 24 Menschen entdeckt. Die Opfer seien offenbar gefoltert und dann erschossen worden. Elf Leichen lagen in dem überwiegend von Schiiten bewohnten Stadtteil Maalif in der Nähe einer Schule. Sie waren an Händen und Füßen gefesselt. Weitere 13 Leichen wurden hinter einer schiitischen Moschee im Viertel Turath gefunden. Sie trugen nach Polizeiangaben Handschellen und wiesen Spuren von Folter und Kopfschüsse auf. Bei einer Explosion an einer Erdöl-Pipeline sind am Dienstag 36 Menschen ums Leben gekommen.

In Diwaniya südlich von Bagdad hatten sich am Montag irakische Soldaten heftige Gefechte mit schiitischen Milizionären der "Mahdi-Armee" des radikalen Predigers Muktada al-Sadr geliefert. Der Gouverneur der Provinz, Khalil Hamza, sagte am Dienstag vor der Presse, er habe eine Einigung mit Sadr erzielt. In Diwaniya seien nun keine Kämpfer mehr auf den Straßen zu sehen. Bei den Gefechten waren nach inoffiziellen Angaben etwa 30 Iraker getötet und 40 weitere verletzt worden. Die meisten Opfer waren irakische Soldaten. Die irakischen Truppen hatten, weil sie sich gegen die angreifenden Sadr-Milizionäre offensichtlich nicht durchzusetzen vermochten, Unterstützung durch amerikanische und polnische Soldaten erhalten.

Bei der Pipeline-Explosion nahe Diwaniya sind am Dienstag mindestens 36 Menschen getötet worden. Sechs Tote seien ins Krankenhaus eingeliefert worden, mehr als 30 weitere Leichen lägen noch am Explosionsort, sagte ein örtlicher Vertreter der Gesundheitsbehörden. Ein Lokalpolitiker machte Saboteure für die Explosion verantwortlich. Die Pipeline verläuft von der zweitgrößten Stadt Basra nach Diwaniya 180 Kilometer südlich von Bagdad.

Neben dem intensiven Engagement im Irak und in Afghanistan könnten die US-Streitkräfte nach Einschätzung von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld auch einen Einsatz gegen den Iran verkraften. "Wir sind in der Lage, notfalls auch mit anderen Problemen fertig zu werden", entgegnete Rumsfeld am Montag (Ortszeit) bei einem Truppenbesuch im US-Staat Nevada auf die Frage nach einem möglichen Einsatz gegen den Iran. "Es wäre unglücklich, wenn andere Länder davon ausgingen, dass wir unser Land nicht verteidigen können, nur weil wir 136.000 Soldaten im Irak stehen haben."

Die Einschätzung vieler Experten, wonach die US-Armee wegen der Beanspruchung durch die Einsätze im Irak und in Afghanistan derzeit keinen weiteren Krieg führen könnte, sei "nicht korrekt", sagte Rumsfeld. Er verwies darauf, dass die US-Armee eine große aktive Streitmacht sowie eine große Zahl von Reservisten zur Verfügung habe. Wegen des großen Bedarfs an Soldaten hatte das US-Verteidigungsministerium kürzlich die Einsatzzeiten der Soldaten im Irak verlängert sowie verstärkt Reservisten zur Marineinfanterie einberufen. Neben den 136.000 Soldaten im Irak sind derzeit etwa 20.000 US-Soldaten in Afghanistan im Einsatz.
(apa)

29.8.2006 14:40