Nach Anschlag mit mindestens drei Toten: Weiteren Anschlag in der Türkei verhindert
- Verdächtiger verhaftet: Fahndung nach weiteren
- Kurdische Extremisten bekennen sich zu Anschlag
·Nächster Anschlag: Explosion in Antalya
3 Tote und 18 Verletzte in
türkischer Touristenstadt
·Über 20 Verletzte bei Anschlag auf Urlauber
Türkei: Mehrere Bomben in Marmaris detoniert
Nach der Serie von Bombenattentaten haben die türkischen Behörden offensichtlich einen weiteren Terroranschlag verhindert. In der westtürkischen Hafenstadt Izmir wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolou bei einer Razzia ein Mitglied der verbotene Kurdischen Arbeiterpartei PKK festgenommen. Er habe einen Anschlag in Izmir geplant. Wie der britische Fernsehsender BBC unter Berufung auf türkische Medienangaben weiter berichtete, sollen auch Komplizen des Mannes inhaftiert worden sein. Bei der Polizeiaktion sei Plastiksprengstoff sichergestellt worden. Unterdessen konnte ein Verdächtiger verhaftet werden. Er wird derzeit verhört.
Eine Serie von Bombenanschlägen hat seit Sonntag Abend Tourismusgebiete an der türkischen Mittelmeerküste und die Großstadt Istanbul erschüttert: Dabei wurden innerhalb von 24 Stunden drei Menschen getötet und Dutzende verletzt, darunter zehn britische Touristen im Urlaubsort Marmaris. Ein weiterer Anschlag in Izmir, der drittgrößten Stadt der Türkei, konnte nach Angaben von türkischen Behörden verhindert werden.
Nach dem Anschlag in Antalya nahm die Polizei nach Fernsehberichten einen Verdächtigen fest. Zu dem Anschlag vom Montag bekannten sich derweil kurdische Extremisten. In einer am Dienstag im Internet veröffentlichten Erklärung übernahm ein PKK-Ableger namens "Freiheitsfalken Kurdistans" (TAK) die Verantwortung für das Attentat.
Wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolou Ajansi und der britische TV-Sender BBC berichteten, wurden zudem am Montag in Izmir mehrere Mitglieder der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) bei einer Polizeirazzia festgenommen. Dabei wurde 2,5 Kilogramm Plastiksprengstoff sicher gestellt. Die mutmaßlichen Terroristen hatten laut türkischen Behörden einen Anschlag auf Izmir geplant, der parallel zu den Bombenanschlägen von Antalya, Marmaris und Istanbul erfolgen sollte.
Kurz davor war es in der südtürkischen Touristenstadt Antalya, die auch von österreichischen und deutschen Urlaubsgästen bevorzugt frequentiert wird, bereits zu einem Bombenanschlag gekommen: Dabei gab es drei Todesopfer und zwanzig Verletzte. Die Bombe war zwischen parkenden Motorrädern im belebten Zentrum der Stadt deponiert worden. Die Toten, zwei junge Türken und ein Polizist im Ruhestand, konnten auf Grund der Verbrennungen erst nach Stunden identifiziert werden. Unter den Verletzten sollen laut türkischen Medien vier israelische und drei deutsche Touristen sein. Sie wurden leicht verletzt. Nach Angaben des Außenministeriums kamen keine Österreicher zu Schaden.
Bereits am Sonntag hatte es auch in Istanbul und im südwesttürkischen Badeort Marmaris insgesamt vier Anschläge gegeben. Dabei waren 27 Menschen verletzt worden, darunter auch zehn britische Urlauber, von denen einige auf der Intensivstation des Krankenhauses von Marmaris behandelt werden mussten. Alle vier Anschläge ereigneten sich innerhalb einer dreiviertel Stunde am Sonntagabend. Marmaris an der südwesttürkischen Mittelmeerküste wird bevorzugt von britischen und russischen Urlauben frequentiert. Die Bomben waren in zwei Abfallbehältern nahe des Hafens und unter den Fahrersitz eines Kleinbusses deponiert worden, der auf einer der Hauptstraßen Marmaris' unterwegs war. Beim Anschlag in Istanbul handelte es sich um eine Paketbombe, die sechs türkische Verletzte forderte.
Bei allen Anschlägen wird von einer Täterschaft mit kurdisch-militantem Hintergrund ausgegangen: Inzwischen sind für alle drei Anschlägen Bekennerschreiben der Organisation "Kurdische Freiheitsfalken" (TAK), einer Untergruppe der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK, bei den türkischen Behörden eingelangt. Die PKK kämpft seit 1984 für die Unabhängigkeit Kurdistan in südöstlichen Anatolien. Seitdem die separatistische Kurdenorganisation im Jahr 2003 den Waffenstillstand mit der türkischen Armee aufkündigte und den kurdisch dominierten Nordirak nach der US-amerikanischen Invasion vom selben Jahr als Rückzugsgebiet zu verwenden begann, hat sich der Kampf radikalisiert. Die türkischen Behörden haben über die betroffenen Badeorte massive Sicherheitsvorkehrungen verhängt, unter anderem wurden Polizei-Checkpoints eingerichtet und alle Mülleimer aus der Stadt Marmaris entfernt.
Allgemein werden katastrophale Auswirkungen der Bombenanschläge auf die türkische Tourismuswirtschaft, die für die Volkswirtschaft des Mittelmeerlandes von großer Bedeutung ist, befürchtet: Mehrere europäische Reiseveranstalter bieten bereits kostenlose Umbuchungsmöglichkeiten an. Das österreichische Außenministerium hat eine "erhöhte Sicherheitsgefährdung" bei Reisen in die Türkei verhängt und rät von einem Besuch Südostanatoliens ab.
(apa/red)
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