Donnerstag, 31. August 2006

12:6 im "Head-to-Head" von SPÖ und ÖVP: Rote bei bisher 18 NR-Wahlen erfolgreicher

  • Drei ÖVP-Kanzler ohne Stimmenstärkster zu sein
  • 2002 brachte ähnliches Kräfteverhältnis wie 1949

Zwei Drittel der bisher 18 Nationalratswahlen der Zweiten Republik konnte die SPÖ für sich entscheiden: Sie lag im Stimmenanteil zwölf Mal auf dem ersten Platz, die ÖVP sechs Mal. Etwas anders sieht es bei den Mandats-Mehrheiten aus: 1953 und 1959 bekam die SPÖ zwar einige Stimmen mehr, die ÖVP aber dank des Wahlrechts ein Mandat mehr - und stellte damit auch den Bundeskanzler. Anders als die SPÖ musste sich die ÖVP einmal, 1999, auch mit dem dritten Rang knapp hinter der FPÖ zufrieden geben.

Das bedeutete auch den einzigen zweiten Platz, den die FPÖ seit ihrer Gründung schaffte. Bei den 16 anderen Wahlen, an denen sie oder ihre Vorläuferpartei teilnahm, wurde sie konstant drittstärkste Kraft. Die Grünen haben es bei ihren bisher sechs Wahlen nie über den vierten Platz hinaus geschafft. Einmal, 1995, waren sie sogar nur fünfte hinter dem LIF.

Nur der SPÖ ist es bisher bei Nationalratswahlen gelungen, österreichweit mehr als 50 Prozent der Stimmen - also die Absolute auch im Stimmenanteil - zu erreichen: Unter Bruno Kreisky schaffte sie das 1971, 1975 und 1979. Das beste Ergebnis der Volkspartei war das der ersten Wahl im Jahr 1945, 49,8 Prozent. Annähernd gut schnitt sie nur mehr ein Mal, 1966 ab, mit 48,4 Prozent - was damals aber für die absolute Mehrheit in Mandaten und somit die Alleinregierung reichte.

SP-Absolute ab 1971
Danach folgte - ab 1971 - die Zeit der SPÖ-Absoluten. 1983 fand sie ein Ende. Die 80er- und 90er-Jahre waren dann vom Einbruch der Großparteien gekennzeichnet - weil die FPÖ unter ihrem Chef Jörg Haider von Wahl zu Wahl enorm zulegte, bis zum Spitzenwert von 26,9 Prozent bei der Wahl 1999.

Mit der nachfolgenden Regierungsbeteiligung der FPÖ in der Koalition mit der ÖVP wendete sich das Blatt: Die FPÖ erlebte einen massiven Einbruch. Bei der - wegen FPÖ-interner Streitereien vorgezogenen - Neuwahl 2002 kam sie nur mehr auf zehn Prozent, etwas mehr als in der ersten Wahl unter Haider.

Stetiges Wachstum der Grünen
Die Grünen sind in den vergangenen 20 Jahren langsam, aber konstant gewachsen - und lagen 2002 mit ihrem Höchstwert von 9,5 Prozent schon nahe an der FPÖ. Nur ein Zwischenspiel im Nationalrat gab das LIF, das sich 1993 von der FPÖ abgespalten hatte: 1994 schafften die Liberalen den Einzug, 1995 konnten sie die Grünen sogar überholen - und 1999 flogen sie wieder raus.

Ebenfalls Nationalratspartei war die KPÖ - allerdings nur in den ersten 14 Jahren der Zweiten Republik, bis zur Wahl 1959. Andere Kleinparteien oder Bürgerlisten haben es nie ins Hohe Haus geschafft.

An die Anfangsjahre der Zweiten Republik - genau die Wahl des Jahres 1949 - erinnert das Ergebnis der vorigen Wahl 2002: ÖVP, SPÖ und FPÖ kamen auf ähnliche Werte wie damals, allerdings etwas höhere, weil die Grünen damals noch (lange) nicht im Parlament vertreten waren.
(apa)

31.8.2006 09:56