Mittwoch, 30. August 2006

Fernseh-Wahlkampf: Erstes TV-Duell
lautet Grasser gegen Van der Bellen

  • Schüssel nur bei Kanzler-Duell & "Elefantenrunde"
  • Grüne sticheln gegen Schüssel: "Kanzler kneift"

Die ÖVP wird bei den ORF-TV-Konfrontationen zur Nationalratswahl neben Bundeskanzler Wolfgang Schüssel auch den einen oder anderen Fachminister ins Rennen schicken. Für das TV-Duell der ÖVP gegen die Grünen am kommenden Dienstag wurde demnach Finanzminister Karl Heinz Grasser - "als Unabhängiger im Team Schüssel" - nominiert. Auf der anderen Seite tritt Grünen-Chef Alexander Van der Bellen an.

Die Finanz- und Wirtschaftspolitik werde in den nächsten Jahren eines der wichtigsten Themen sein, begründete Glück die Entscheidung für Grasser. Man wolle die "Breite der Kompetenzpalette an Persönlichkeiten" zeigen. Grasser gegen Van der Bellen verspreche eine "interessante Paarung". Auch bei anderen Konfrontationen würden Fachminister der ÖVP zum Einsatz kommen. Wen gegen wen, wollte Glück noch nicht verraten. Schüssel selbst will seine Auftritte auf das Kanzlerduell mit SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer am 21. September sowie auf die "Elefantenrunde" mit den Spitzenkandidaten aller Parlamentsparteien am 28. September reduzieren. Dabei würde es dann auch zum Aufeinandertreffen mit dem Grünen Bundessprecher Van der Bellen kommen.

Van der Bellen-Sprecher Lothar Lockl zeigte sich am Dienstag in einer ersten Reaktion "überrascht, dass der Kanzler kneift". Schüssel brüskiere damit jene "Zuseher und Wähler, die sich ein Bild über die aktuellen Probleme und die Lösungskonzepte der Parteichefs machen wollen". Für die Grünen bleibe es jedenfalls dabei, dass Van der Bellen, der in der Vergangenheit für den Fall einer grünen Regierungsbeteiligung Interesse am Posten des Finanzministers signalisiert hatte, im TV-Duell antritt. "Offensichtlich glaubt der Kanzler, mit Schweigen dem Pflege- und Bildungsnotstand begegnen zu können", meinte Lockl.

Grüne Empörung über Nicht-Antreten Schüssels
Die erste ORF-TV-Konfrontation zwischen ÖVP und Grünen sorgt für Aufregung. Dass die ÖVP Finanzminister Karl-Heinz Grasser gegen Alexander Van der Bellen ins Rennen schickt, empört die Grünen. So fragt sich deren stellvertretende Bundessprecherin Eva Glawischnig, warum Bundeskanzler und VP-Chef Wolfgang Schüssel nicht selbst in den Ring steigen werde. Als "überheblich, arrogant und abgehoben" bezeichnete sie dessen Entscheidung.

"Hochmut kommt vor dem Fall", sieht Glawischnig nun ein Omen für die kommende Nationalratswahl, offenbar sei Schüssel nervös und auf Tauchstation. "Wir diskutieren gerne mit Grasser", trotzdem sei die Entscheidung der ÖVP eine Brüskierung von einer Million Fernsehzuschauern. Außerdem brüste sich der Finanzminister damit, nicht ÖVP-Mitglied zu sein, so Glawischnig weiter, bis jetzt sei er auch auf keiner Liste für die Wahl zu finden. In Richtung Schüssel meinte sie: "Das ist wie Mikado: Der erste, der sich bewegt, hat verloren."

Cap: "Schüssel versucht sich zu drücken"
Und auch die SPÖ ließ die Kanzler-Absage in Sachen TV-Duell nicht kalt, "Schüssel versucht, sich wo es geht vor öffentlichen Auftritten und Konfrontationen mit politisch Andersdenkenden zu drücken", meinte der geschäftsführende SPÖ-Klubobmann Josef Cap in einer Aussendung. In der ÖVP sei sogar der völlige Verzicht Schüssels auf jede TV-Konfrontation diskutiert worden, um den Obmann aus der Schusslinie zu nehmen.

Insgesamt 12 Duelle
Insgesamt stehen bis 1. Oktober zehn Wahl-Duelle - jeder gegen jeden - sowie eine abschließende Diskussionsrunde der nicht im Parlament vertretenen Parteien (KPÖ und Liste Martin) und eine Elefantenrunde mit den Parlamentsparteien (ÖVP, SPÖ, Grüne, BZÖ, FPÖ) auf dem Programm. (apa/red)

30.8.2006 14:08