Trauer um Gerhard Amanshauser: Literat im Alter von 78 Jahren in Salzburg gestorben
- Schriftsteller galt als großer, aber sperriger Stilist
- Außenseiter der Generation um Artmann & Bernhard

Der Schriftsteller Gerhard Amanshauser ist tot. Er ist am Samstagnachmittag in seinem Haus in Salzburg verstorben, teilte der Residenz Verlag unter Berufung auf Amanshausers Sohn Martin mit. Amanshauser, geboren am 2. Jänner 1928 in Salzburg, galt als großer, wenngleich sperriger Stilist und als Meister der kleinen wie der großen Form.
Amanshauser galt als Außenseiter der Schriftsteller-Generation von H.C. Artmann und Thomas Bernhard, mit denen er befreundet war, wobei er seine Rolle selbst gewählt hatte. Er wurde als "bekannteste unbekannte Größe" unter den österreichischen Gegenwartsautoren bezeichnet, und hat sich in den vergangenen Jahren noch weiter aus dem gesellschaftlichen Leben zurückgezogen. Zuletzt stand er im Mittelpunkt des Dokumentarfilms "Reisen im eigenen Zimmer", der dieses Jahr bei der Diagonale in Graz eine "lobende Erwähnung" bekam.
Mit Artmann und Bernhard verband Amanshauser die Skepsis und Radikalität in der Betrachtung der Gesellschaft. Selbst war er noch als 17-jähriger in den Krieg geschickt worden, später betrachtete er alle politischen Systeme mit Vorbehalten, und seiner Elterngeneration verzieh er den Nationalsozialismus nie. Er beschloss, für jene Menschen, die so etwas getan hatten, "keinen Finger zu rühren" und verweigerte sich konsequent der Mitarbeit am darauf folgenden Wirtschaftswunder.
Gerhard Amanshauser studierte Technik, Germanistik und Anglistik in Wien und Marburg an der Lahn, seit 1955 arbeitete er in Salzburg als freiberuflicher Schriftsteller. In den siebziger Jahren wurde er durch Bücher wie "Schloss mit späten Gästen", Roman (1975, Residenz Verlag) bekannt. Er verließ den Residenz Verlag ein halbes Jahrzehnt später wegen Unstimmigkeiten, ehe man ihn 2001 wieder zurückholte.
Amanshausers Texte bewegen sich zwischen den Formen von Traktat, Satire und Essay, Lyrik und Aphorismus und führen Traditionen österreichischer Sprachkultur wie die geschliffene Pointe und das Sprachspiel weiter. Mit gesellschaftskritischen Erzählungen, Essays und Parodien, in denen er sich spöttisch mit der österreichischen Kulturszene seiner Zeit auseinander setzte und die Mechanismen des Kultur- wie des Wissenschaftsbetriebes entlarvte, machte er auf sich aufmerksam.
Außenseitertum, Zerstörung und Zerfall ziehen sich als Themen durch Amanshausers Erzählungen. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören "Aus dem Leben der Quaden. Eine Satire" (1968), "Der Deserteur" (1970), "Ärgernisse eines Zauberers. Satiren und Marginalien" (1973), der 1981 verfilmte Roman "Schloß mit späten Gästen" (1975), "Aufzeichnungen einer Sonde. Parodien" (1979), "Das Erschlagen von Stechmücken. Verstiegene Geschichten" (1993) und "Gegen-Sätze. Ein Lesebuch" (1993).
Amanshauser erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Georg Trakl-Anerkennungspreis für Lyrik (1952), den Rauriser Literaturpreis des Landes Salzburg (1973) und den Alma-Johanna-Koenig-Preis für Lyrik und Kurzprosa (1987). 1994 wurde der Dr. h.c. mit dem Literatur-Würdigungspreis des Bundes für die Vielfältigkeit und Konsequenz in seinen Veröffentlichungen ausgezeichnet.
"Mit Gerhard Amanshauser hat nicht nur ein wichtiger Schriftsteller diese Welt verlassen, sondern auch ein Mensch, der über sich selbst scherzen konnte", würdigte der Residenz Verlag den Verstorbenen. "Es soll bereits vorgekommen sein, dass ein Dichter verschwindet", schrieb der Dichter 2003 im "Fransenbuch". "Wenn das der Fall ist, bleiben oft Texte übrig, die man nicht exakt einordnen kann. Sie werden als 'Fransen' bezeichnet." Darauf ergab sich eine seiner grundsätzlichen Fragen: "Soll man arbeiten für eine Welt, die ohnehin zerfranst?"
Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören "Aus dem Leben der Quaden. Eine Satire" (1968), "Der Deserteur" (1970), "Ärgernisse eines Zauberers. Satiren und Marginalien" (1973), der 1981 verfilmte Roman "Schloß mit späten Gästen" (1975), "Aufzeichnungen einer Sonde. Parodien" (1979), "Das Erschlagen von Stechmücken. Verstiegene Geschichten" (1993) und "Gegen-Sätze. Ein Lesebuch" (1993).
(apa/red)
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