Donnerstag, 31. August 2006

Mutmaßlicher Todesschütze von Hallein gefasst: Dagestaner gesteht sechs Schüsse

  • Will aus Notwehr Tschetschenen erschossen haben
  • Treffen am Tag vor der blutigen Auseinandersetzung

Nach dem Blutbad zwischen Dagestanern und Tschetschenen in der Nacht zum 18. August in einer Halleiner Wohnung hat die Polizei nun den mutmaßlichen Todesschützen ausgeforscht und verhaftet. Der 30-jährige Dagestaner habe gestanden, sechs Schüsse abgefeuert zu haben, allerdings aus Notwehr, weil mehrere Tschetschenen mit Messern und Fleischer-Beilen auf sie losgegangen seien, schilderte Christian Voggenberger vom Landeskriminalamt.

Mit dem vom Verdächtigen genannten Motiv wollen sich die Kriminalisten aber nicht ganz zufrieden geben. Demnach sei dieser am 13. August stark betrunken in der Stadt Salzburg von fünf Tschetschenen gesehen worden, woraufhin er von diesen zur Rede gestellt worden sei, weil er durch die Trunkenheit die Ehre Allahs in den Dreck ziehe. Danach dürften sie ihn niedergeschlagen und beraubt haben.

Schütze könnte auch in Drogengeschäfte verwickelt sein
Mit Sicherheit haben sich aber einzelne Mitglieder der beiden Gruppen schon vorher gekannt. Laut Christian Voggenberger vom Landeskriminalamt gibt es auch nicht bestätigte Hinweise, dass der mutmaßliche Schütze sowie der Getötete in Suchtgiftgeschäfte verwickelt gewesen seien.

Jedenfalls gab es ein weiteres Treffen am Tag vor der blutigen Auseinandersetzung im Salzburger Stadtteil Itzling. Einige der Beteiligten sagten aus, dass es in der Nacht zum 18. August Verhandlungen geben sollte, andere sagten, die Gruppe habe die Wohnung gestürmt.

Ausgeforscht werden konnte der 30-Jährige auf Grund mehrerer belastender Aussagen. "Besonders stutzig gemacht hat uns, dass acht Personen diesen Mann verleugnet haben und sagten, sie kennen ihn gar nicht", so Voggenberger.

Die vermutliche Tatwaffe wurde sichergestellt. Es handelt sich um eine belgische Pistole aus dem Zweiten Weltkrieg, Kaliber 7,65 FN. Kriminaltechnische Untersuchungen sollen nun klären, ob es tatsächlich die Tatwaffe war. Der Verdächtige gab an, die Pistole einige Wochen davor unter einem Gebüsch gefunden zu haben, was laut Voggenberger möglich sei, weil sie Rostspuren aufwies.

Insgesamt waren in die Auseinandersetzung mindestens 20 Personen verwickelt. Mindestens neun haben die Wohnung in der Winklerstraße mit Messern und Beilen bewaffnet aufgesucht, nach einem Komplizen wird noch gesucht. Vor dem Gemetzel sollen sich elf Männer in der Wohnung aufgehalten haben, zwei dürften kurz davor hinausgegangen sein.

Alle sieben Verletzten konnten inzwischen das Spital wieder verlassen. Drei Personen befinden sich in Haft, der mutmaßliche Todesschütze sowie zwei Tschetschenen, die wegen Beihilfe zur schweren Körperverletzung angezeigt wurden. (APA/red)

31.8.2006 14:05