Weltweites Uni-Ranking: Universitat Wien stürzt von Platz 85 auf Ränge 151 - 200 ab
- Grund dürfte in Ausgliederung der Medizin-Uni liegen
- US-Universität Harvard vor Cambridge und Stanford

Wien ist in dem von der Shanghai Jiao Tong University jährlich erstellten weltweiten Uni-Ranking abgestürzt. Rangierte die größte Uni Österreichs im Vorjahr noch auf Platz 85, liegt sie im nun veröffentlichten Ranking 2006 in der Gruppe zwischen Rang 151 bis 200. Grund für den Absturz dürfte die Ausgliederung der Medizin sein. Unverändert sind die weltbesten zehn Unis, die von der US-Universität Harvard angeführt werden, gefolgt von den Unis Cambridge (Großbritannien) und Stanford (USA).
Der Grund für das deutliche Absacken der Uni Wien dürfte in der erstmaligen Wertung der Medizin-Uni Wien in dem Ranking liegen. Bisher kam die mit Anfang 2004 aus der Uni Wien ausgegliederte Medizin-Uni Wien nicht vor - im Gegensatz zu jenen in Graz und Innsbruck, die bereits in der Wertung des Vorjahrs aufschienen. Die für Nobelpreisträger und häufig zitierte wissenschaftliche Publikationen vergebenen Punkte gingen daher vollständig von der Uni Wien an die Medizin-Uni über.
Für ihre Zusammenstellung hat die Shanghai Jiao Tong University primär forschungsorientierte Indikatoren wie die Anzahl der Nobelpreisträger, die Größe der Institution, die Anzahl der in wissenschaftlichen Publikationen häufig zitierten Forscher in verschiedenen Disziplinen, die Anzahl der in den Zeitschriften "Nature" und "Science" publizierten Artikel und die Zahl der Forscher verwendet.
Unter Top 20 liegen 17 US-Unis
Ungebrochen ist bei dem Ranking nach diesen Kriterien die Vormachtstellung der US-Unis: Unter den ersten 20 Plätzen sind 17 US-Unis. Durchbrochen wird diese Phalanx nur durch die beiden britischen Universitäten Cambridge (Platz zwei) und Oxford (Platz zehn) und die Tokyo University (Platz 19). Von den besten 50 Unis kommen 37 aus den USA.
Unverändert ist die Reihenfolge der Top-Ten: Nach Harvard, Cambridge und Stanford liegen Berkeley, das Massachusetts Institute of Technology (MIT), Cal Tech, Columbia, Princeton, die University Chicago und die Universität Oxford.
Die beste kontinentaleuropäische und gleichzeitig beste deutschsprachige Universität ist weiterhin die Eidgenössisch Technische Hochschule (ETH) Zürich auf Platz 27. Im deutschen Sprachraum folgen die Universität München (51), die Technische Universität (TU) München (54) und die Universität Zürich (58).
Nur sieben der 15 österreichischen Unis unter Top 500
Aus Österreich sind nur sieben der 15 wissenschaftlichen Unis in der Top-500-Liste vertreten - allerdings weit abgeschlagen: Nach der Uni Wien in der Gruppe zwischen dem 151. und 200. Platz finden sich die Uni Innsbruck und die Medizin-Uni Wien in der Gruppe zwischen Rang 201 und 300 (ab Platz 101 wird in 50er Gruppen, ab Platz 201 nur noch in 100er-Gruppen gereiht). Die Uni Graz und die TU Wien rangieren zwischen 301 und 400, die Medizin-Unis Graz und Innsbruck zwischen 401 und 500. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich - mit Ausnahme der Uni Wien und dem Neueinstieg der Medizin-Uni Wien - die Platzierungen der österreichischen Universitäten nicht verändert.
In einer eigenen Europa-Auswertung nehmen Cambridge, Oxford, das Imperial College London, das University College London (alle Großbritannien), die ETH Zürich, die Universität Utrecht (Niederlande), die Universität Paris, das Karolinska Institut Stockholm (Schweden), die University Manchester (Großbritannien) und die Universität München die ersten zehn Plätze ein. Auch hier rutschte die Universität Wien gegenüber 2005 von Rang 27 in die Gruppe zwischen den Rängen 57 bis 78. Die Universität Innsbruck und die Medizin-Uni Wien liegen zwischen dem 79. und 122. Platz.
Das Ranking der Shanghai Jiao Tong University ist nicht unumstritten. Die Österreichische Qualitätssicherungsagentur (AQA), die gemeinsam mit deutschen und Schweizer Einrichtungen ein eigenes Uni-Ranking für den deutschsprachigen Raum erstellt, kritisiert vor allem die Methodik. So würden gesamte Universitäten ungeachtet ihrer Größe und fachlichen Ausrichtung miteinander verglichen und die Indikatoren willkürlich gewichtet.
Rektoren: US-Unis haben mehr Geld zur Verfügung
Die Ergebnisse wundern die Österreichische Rektorenkonferenz nicht. Dass auf den vordersten Plätzen US-Unis dominieren, führen die Rektoren auf die im Vergleich mit Europa viel höheren Ressourcen zurück. So habe die erstplatzierte Universität Harvard mit etwa 20.000 Studierenden ein Budget von rund 2,8 Milliarden Dollar. Das heißt, dass eine große US-Forschungsuniversität in etwa das Budget habe, das dem gesamten österreichischen Universitätssystem zur Verfügung stehe, heißt es am Dienstag in einer Aussendung der ÖRK.
Die Rektoren verweisen auch auf die "nicht unumstrittene" Methodik des Rankings hin. Auswahl und Gewichtung der Indikatoren würden relativ willkürlich erfolgen, die Größe einer Einrichtung zum bestimmenden Merkmal von Exzellenz gemacht.
Die Universität Wien, die in dem Ranking von Platz 85 im Vorjahr in die Gruppe zwischen Rang 151 bis 200 abgestürzt ist, sieht die Ursache für die Veränderung in der erstmalig getrennten Wertung der Medizinischen Universität Wien und der Universität Wien. "Die Begründung des Ergebnisses liegt nicht in der Veränderung der Qualität der wissenschaftlichen Leistungen der Universität Wien, sondern in der erstmaligen Wertung der Medizinischen Universität Wien", heißt es in einer Aussendung der Uni Wien. Die bisherigen Leistungen der Uni Wien seien nur auf zwei Universitäten aufgeteilt worden.
SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal will das Ranking "nicht auf die Goldwaage legen", das Abschneiden der österreichischen Universitäten zeigt für ihn aber klar: "In der Ära (Bildungsministerin Elisabeth, Anm.) Gehrer ist der Weg zur viel beschworenen Weltklasse nicht kürzer sondern länger geworden".
In den kommenden Jahren sei rund eine halbe Milliarde Euro mehr Geld nötig ist, als derzeit geplant, damit die Unis international konkurrenzfähig werden könnten. In Regierungsverantwortung würde die SPÖ deshalb ein Sofortprogramm für die Universitäten unter dem Titel "Mehr Geld, mehr Frauen, mehr Freiheit" umsetzen.
(apa)
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