Freitag, 25. August 2006

Verkehrsleitsystem warnt künftig vor Stau: Asfinag nahm neue Anlage in Wien in Betrieb

  • System soll bis 2010 in ganz Österreich installiert sein
  • Erhofft werden weniger Unfälle und kürzere Reisezeit

Ein neues Verkehrsleitsystem soll Autofahrer künftig vor Staus auf der Südosttangente warnen und sie rechtzeitig auf die neue S1 umdirigieren. Auch werden die Autobahnauffahrten künftig bei Staus besser geregelt. Durch die neuen Verkehrsbeeinflussungs-anlagen sollen die Unfallzahlen gesenkt und die Reisezeiten verkürzt werden.

In Wien hat die Asfinag ein neues Verkehrsleitsystem für die Autobahn in Betrieb genommen. Ist die Südost-Tangente verstopft, werden die Autos auf der Südautobahn (A2) jetzt durch dreizeilige Hinweistafeln im Vorfeld durch elektronische "Stau-Warnsignale" und Pfeile auf die neue Südostumfahrung (S1) umdirigiert. Außerdem gibt es schon vor der Stadteinfahrt dynamische Geschwindigkeitsanzeigen. Staut es im Stadtbereich, wird der Verkehr schon Kilometer zuvor verlangsamt und so der nachdrängende Verkehr eingedämmt.

Ampeln an Auffahrten
In einer dritten Ausbaustufe, die etwa auf der S1 bereits umgesetzt ist, wird es auf der Autobahn dann auch Spurwechselpfeile und Ampeln an den Auffahrten geben. Stockt der Verkehr und ein Einreihen wird unmöglich, schaltet die Ampel, die direkt am Beginn des Beschleunigungsstreifens steht, auf rot. Der Verkehr wird mit den Spurwechselpfeilen auf die zweite Spur umgeleitet und erst danach der von der Auffahrt nachströmende Verkehr eingelassen.

Weniger Unfälle
Durch diese Verkehrsbeeinflussungsanlagen würden die Reisezeiten um ein Viertel und die Unfallzahlen sogar um die Hälfte gesenkt, sagte Verkehrsstaatssekretär Eduard Mainoni (B) bei den Technologiegesprächen des Europäischen Forums Alpbach. In Tirol, wo es ein solches System schon seit 2005 gibt, habe es seither keinen tödlichen Unfall auf den entsprechenden Strecken mehr gegeben, berichtete der neue Asfinag-Vorstand und frühere Verkehrsminister Matthias Reichhold (B). Auch die häufigen Unfälle in Folge von Staus seien durch die Vorwarnsysteme völlig vermieden worden.

Messsensoren
Außerdem enthält das System in der letzten Ausbauphase wie etwa bereits seit 2005 in Tirol auch Lärm- und Schadstoffmesssensoren. Werden die entsprechenden Grenzwerte überschritten, drosseln die Geschwindigkeitsanzeigen den Verkehr dann ebenfalls auf 100 km/h herunter. Dadurch soll auch die Umweltbelastung um ein Viertel reduziert werden. Bis 2010 will die Autobahngesellschaft für 380 Mio. Euro die neuen Leitsysteme - je nach Verkehrsaufkommen in unterschiedlichem Umfang - auf ganz Österreich ausdehnen. Insgesamt wird es dann landesweit 800 Infotafeln und 1.300 Verkehrssensoren geben.

Verkehrsinfos aufs Handy
Gemeinsam mit dem ORF will die Asfinag die Verkehrsinformationen über Radiosignale auf Handy und ins Auto senden. Erste Tests in Tirol laufen auch dafür schon. Womöglich könnte es wie in Frankreich und Italien in Zukunft auch in Österreich ein eigenes Verkehrsinformationsradio geben. "Das kann noch ausarten", sagte Reichhold. Wie die Asfinag an eine der knappen Rundfunkfrequenzen kommen kann, ist aber noch unklar.

Die Asfinag selbst erhöht mit den neuen Technologien die Kapazitäten der Autobahn um bis zu 15 Prozent. Wo bisher 30.000 Fahrzeuge pro Tag durchgerollt sind, sollen es in Zukunft 35.000 sein. Dadurch kann sie auch den weiteren Ausbau der Autobahn nach hinten verschieben. In Salzburg etwa, wo das System ebenso wie in Graz und Klagenfurt bald starten soll, wird man den Bau einer dritten Spur um bis zu fünf Jahre nach hinten verschieben können. Auch die EU-Auflagen für Tunnelsicherheit könne man damit womöglich in manchen Fällen erfüllen, ohne eine zweite Tunnelröhre errichten zu müssen. Das Motto laute "informieren statt betonieren" und "Steuerung statt Stillstand", sagte Reichhold.
(APA/red)

25.8.2006 11:08