"Ich bereue gar nichts!" Kindmutter schildert in WOMAN ihr schweres Schicksal
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Das Zimmer im Mutter-Kind-Heim der Stadt Wien ist groß, hell und freundlich. Eigentlich richtig gemütlich. Da gibt es eine kleine Küchecke, einen Wohn- und Schlafbereich, Schreibtisch und TV-Gerät. Das kleine Reich von Mutter und Tochter. Hier fühlen sich Marie - sie wird im September 15 Jahre alt - und ihre einjähriges Töchterchen Vicky geborgen und glücklich. Etwas, was Marie - sie schaffte heuer den Hauptschulabschluss - vor der Geburt ihres Kindes kaum kannte: "Jetzt habe ich selbt die Verantwortung für einen kleinen Menschen, und ich will, dess es der Vicky immer gut geht. Ich weiß, dass ich es schaffen werde ..."
Obwohl Marie aus einer intakten Familie stammt - "nur mit meinem Adoptivvater habe ich mich nicht so gut verstanden" -, lief sie schon mit zwölf das erste Mal von daheim weg: "Ich lebte wochenlang auf der Straße. Irgendwann ging ich zur Polizei und sagte, dass ich nicht mehr nachhause zurück will. Ich kam zuerst in ein Krisenzentrum, später in eine Wohngemeinschaft. Und dann wurde ich von meinem 17-jährigen Freund schwanger. Es war komisch, aber ich habe mich darüber gefreut ..."
"Ich habe ein Problem."
Zuerst war es der Freund, dem sich Marie anvertraute. "Als ich ihm sagte, dass ich schwanger bin, tat er so, als ob das nur mich was angehen würde. Ich gab ihm den Laufpass." Erst Maries Klassenvorstand war es, der ihr Mut gab: "Als ich im fünften Monat schwanger war und sichergehen konnte, dass es für eine Abtreigung zu spät war, sagte ich ihm, dass ich ein Problem habe. Er reagierte sehr verständnisvoll ..."
"Ich wollte das Kind."
Nachdem sich das Jugendamt eingeschaltet hatte, und Marie von mancher Seite auch angeboten wurde, das Kind zu Pflegeeltern zu geben oder einer Adoption zuzustimmen, lehnte sie sofort ab: "Das war eine Zeit, in der ich oft weinte. Aus Angst, dass sie mir mein Baby wegnehmen könnten. Mit meinen Eltern hatte ich ja kaum Kontakt."
"Bin eine richtige Hausfrau ..."
Einen Monat vor der Geburt ihrer Tochter - "Vicky kam am 19. 8. 2005 zur Welt" - wurde Marie im Mutter-Kind-Heim (MUKI) in Wien-Währing aufgenommen und auf ihre Mutterschaft vorbereitet. "Seit die Vicky da ist, bin ich eine richtige Hausfrau geworden. Ich verwalte mein Budget selbst, gehe einkaufen und koche für uns beide. Nebenbei habe ich noch die Schule besucht, da wurde meine Kleine von einer Tagesmutter betreut. Es geht mir sehr gut, und ich bereue meine Mutterschaft nicht. Vielleicht darf ich noch zwei bis drei Jahre hier bleiben."
"Sind stolz auf Marie!"
Dazu Elisabeth Skricik, 50, sozialpädagogische Leiterin der zwei Mutter-Kind-Einrichtungen in Wien: "Marie ist von den 22 Frauen, die wir betreuen, die jüngste, aber schon eine sehr starke Persönlichkeit. Wir sind sehr stolz, weil sie so liebevoll für ihr Kind sorgt."
Jobsuche
Marie, die jetzt wieder einen Freund hat und von ihm täglich besucht wird, ist derzeit auf Jobsuche: "Das ist wegen dem Kind nicht so einfach. Ich bekomme auf meine Bewerbungsschreiben als Bürokauffrau laufend Absagen. Aber ich gebe nicht auf!" (WOMAN Nr. 17/2006)
