Warum Buhmann Pröll das Zeug zum Öko-Helden hat
Josef Votzi: Mit seiner Forderung nach einem Fernreise-Verzicht der Österreicher hat Umweltminister Josef Pröll die laue Klimaschutz-Debatte endlich heiß gemacht.
Montagabend in einer Runde von Managern, Anwälten, Künstlern und Journalisten. Das einzige politisch relevante Gesprächsthema, das quer durch die Reihen heftig bewegt: der Appell des Umweltministers an die Österreicher, für den Klimaschutz künftig auf Fernreisen zu verzichten. Einhelliger Tenor im Kreis der Vielgereisten, die allesamt öfters ihre Vielfliegerkarte als ihre ÖBB-Vorteilscard zücken: Josef Prölls Vorstoß, eine Kabarettnummer. Und zudem blanker Populismus, der bald mit dem gleichen dumpfen Knall platzen wird wie Alfred Gusenbauers Plan, als Nachhilflehrer der Nation zu punkten. Dienstagmittag hatten wir in der NEWS-Redaktion die neue große market-Umfrage auf dem Tisch. Das wunschgemäß einzige Thema: Was halten die Österreicher vom Vorstoß des Umweltministers? Und wie viel sind sie bereit, an Verzicht und Geld in den Klimaschutz zu investieren? Einhelliger Tenor der Österreicher: Eine klare Mehrheit plädiert für Prölls Fernreise-Verzicht und ist auch bereit, bis zu 500 Euro beim Autokauf für Umweltschutz-Extras auf den Tisch zu legen. Der junge Instinktpolitiker hat mit seiner Umweltmoral-Predigt offenbar eine populistische Punktlandung hingelegt.
Denn am Anfang jedes umweltpolitischen Meilensteins stand immer ein einsamer moralischer Appell. Das beweist eine garantiert schadstofffreie Fernreise in die jüngste politische Vergangenheit: Als in den 80er-Jahren die geliebten Benzin-Boliden als Verursacher des Waldsterbens schwer in Verruf kamen, nahmen die eben entschlüpften ersten Grün-Politiker die Autofahrer als Umweltsünder Nummer 1 ins Visier. Es hagelte Appelle der wohlmeinenden Jutesäcke an die bösen Bleifüße: sich aufs gesunde Fahrrad schwingen, statt mit den Dreckschleudern ins Büro zu düsen. Verkehrsreduktion via Fahrgemeinschaften statt einsamer Herrenfahrer. Selbst der autofreie Tag eine Erfindung von Bruno Kreisky als Abwehrwaffe gegen die Ölkrise kam wieder in Mode. Das hässliche Wort Verzicht wurde tagtäglich lebhafter schöngeredet. Die heftige Moraldebatte versandete bald ergebnislos. Sie bereitete aber erst den Boden für eine tragfähige politische Antwort: Das Parlament verordnete strengere Abgaswerte für Pkws, die Jahre zuvor am Widerstand der Autofahrt-Lobbys krachend gescheitert wären. Nur noch die Autoindustrie drehte eine lautstarke Ehrenrunde des Protests und rief den Untergang des Autoparadieses aus. Heute gibt es nur Gewinner: Kein Auto fährt mehr ohne Katalysator, der Neuwagen ein wenig mehr kosten lässt, aber der Umwelt viel an Entlastung bringt.
Am Ende eines verdächtig warmen Winters ist nun offenbar erstmals der Boden für einen neuen Meilenstein in der Umweltpolitik aufbereitet. Auf der Agenda 2007 stehen nicht Parteien-Polemik und Katastrophen-Paranoia, sondern schlicht politisches Handwerk. Die Österreicher wünschen sich von ihren Repräsentanten nachvollziehbare Maßnahmen gegen den unbestreitbar drohenden Klimakollaps. Da war der treffsicher gesetzte moralische Appell des Josef Pröll erst ein zarter Anfang. Denn weltweit wird der Klimawandel längst nicht mehr nur so gemütlich wie hierzulande diskutiert. Der Klimawandel ist so gefährlich wie ein Krieg malte jüngst der neue UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon den Teufel total undiplomatisch an die Wand. In Österreich ist seit dieser Woche erst der Krieg der Worte eröffnet. Starke politische Antworten zur Befriedung der verrückt gemachten Natur sind ab sofort gefragt.
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