Ein scheues Liebespaar

Ein Mann, ein Männerwort: Über mein Privatleben rede ich sicher nie wieder mit euch, bläut Austro-Rocker Wolfgang Ambros, ewig fitte 55, der Journaille regelmäßig ein, bald mit sanfter, bald mit stürmischer Vehemenz: Ich will nur mehr mit Musik für Schlagzeilen sorgen! Sonst werd ich grantig.
Aber das Reden haben andere für ihn übernommen: Am vergangenen Sonntag begrüßte Didi Mehringer, Vorstand des Golfclubs Böhmerwald, seinen Ehrengast mit geschwellter Brust und vor 250 Besuchern in einem festlich geschmückten Partyzelt: Der auch als Charakter nicht zu verwüstende Altmeister stand im Mittelpunkt des Wolfgang Ambros Charity Golfturniers in Aigen im Mühlkreis, als passionierter Golfspieler und als musikalischer Tonangeber der nächtlichen Abschlussveranstaltung. Alles für den guten Zweck, versteht sich: 15.000 Euro konnten so für das von Ambros unterstütze Kwale Health Project in Kenia gesammelt werden.
Ein bewegender Anlass, in der Tat. Eine andere Herzenssache hingegen erfreute die noble Gäste- und Fotografenschar fast noch ein wenig mehr: Nicht nur der Meister selbst, sondern auch seine hübsche, blonde Begleitung im sportlichen Taubenblau wurden vom Golfclub-Vorstand aufs Herzlichste und namentlich begrüßt: Willkommen und Dankeschön an Wolfgang Ambros und seine charmante Begleiterin Anne.
Womit ein wohlgehütetes Geheimnis, das ohnehin keines mehr ist, elegant unterspielt und coram publico gelüftet wurde: Wolfgang Ambros entspricht nicht mehr ganz dem Bild des einsamen Raubeins, das er gern an die öffentli-
chen Projektionsflächen wirft: Wolfgang Ambros ist verliebt.
Stilles, sportliches Glück. Wer ist nun die geheimnisvolle Anne, die von ihrem Lebensgefährten vor öffentlichen Zugriffen beherzt beschützt wird? Sie entspricht dem Klischee der Rockerbraut so wenig wie dem des herzigen, aber oftmals unterbelichteten Vorzeigeweibs an der Seite des Herrn im besten Alter. Anne ist wohl eher das, was sich jeder Mann heimlich wünscht: Frau und Freund zugleich, patent, unprätentiös, intelligent, abenteuerlustig, herzlich und nicht auf den Mund gefallen.
Doch statt gemeinsam Pferde zu stehlen, freuen sich die dreißigjährige Sozialpädagogin aus Bayern und der Sänger anderer, minder riskanter Hobbys: Er brachte ihr die freudvollen Details des Golfspiels näher, mit Erfolg, wie Golflehrer Manfred Knaus beim Auffrischungskurs im Böhmerwald attestierte: Sie ist ein Naturtalent. Auch wenn sie noch zu viel Kraft in ihre Schläge legt.
Auch beim Bogenschießen, eine der liebsten Ambrosschen Ausgleichssportarten, hält sie mit. Sie ist eine Frohnatur, wissen gemeinsame Bekannte: Anne ist selbständig und äußerst freiheitsliebend. Und sie hat nicht im Geringsten ein Interesse daran, in der Öffentlichkeit zu stehen.
Entsprechend dezent verlaufen auch öffentliche Auftritte des ungleichen und doch harmonischen Paars. Wilde Umhalsungen und juvenile Zärtlichkeitsbekundungen werden dem Auditorium vorenthalten. Hier waltet offenbar das wortlose Zusammengehörigkeitsgefühl eines eingeschworenen, aufeinander abgestimmten Teams. Nur aufmerksame Beobachter registrierten beim Charity-Konzert am vergangenen Sonntag die kleinen, vertrauensvollen Gesten des Verstehens. Beim Dinner (statt zum damengängigen Prosecco griff Anne dort lieber zu einem frischen Bier) legt sie ihren Kopf an seine Schulter, während seines Bühnenauftrittes leuchten ihre Augen. Und er sucht nach getaner Arbeit sofort wieder ihre Nähe.
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