Terrorspur von London nach Wien

Enthüllt. Die Verbindung der London-Attentäter zu einer erst unlängst zerschlagenen Austro-Terrorzelle.
Die Spur der verhinderten Flüssigsprengstoff-Attentäter von London führt auch nach Österreich. Das geht aus geheimen Verschlussakten des heimischen Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) hervor.
Schon im Dezember des Vorjahres unmittelbar vor Beginn der sicherheitstechnisch überaus heiklen österreichischen EU-Präsidentschaft lief eine der größten Operationen in der Geschichte der heimischen Staatsschützer an.
Auslöser waren Informationen des US-Geheimdienstes CIA, wonach eine islamistische Terrorzelle von Wien aus die Kommunikation eines international agierenden Terrornetzes abwickelt. Mehr als 250 Beamte leisteten daraufhin innerhalb weniger Monate weit mehr als 10.000 Überstunden, 15 Personen mit radikalislamischem Background wurden de facto rund um die Uhr überwacht. Im Großraum Wien fanden unter Beteiligung der Spezialisten von der Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (WEGA) eine Reihe von Hausdurchsuchungen statt, der Entminungsdienst (EMD) richtete einen 24-Stunden-Journaldienst ein und war auch bei Hausdurchsuchungen vor Ort, die Justiz genehmigte zahlreiche Rufdatenrückerfassungen und Telefonüberwachungen, und selbst das Bundeskriminalamt (BKA) wurde beigezogen.
Das Ergebnis der Ermittlungen: Eine Terrorzelle, die im Kern fünf pakistanischstämmige Personen mit österreichischer Staatsbürgerschaft umfasste, konnte erfolgreich zerschlagen werden. Maßgeblich verantwortlich für diesen Erfolg war die von Österreichs Heeresdiensten misstrauisch beäugte Einrichtung eines Threat Response Centers (TRC) beim BVT. Beim TRC liefen sämtliche relevanten Informationen europäischer Polizei-, Sicherheits- und Nachrichtendienste zusammen.
Terrorzellen aus pakistanischem Spektrum. Behörden-intern lief das Megaprojekt unter dem Titel Operation Charly nachdem erste Teiloperationen via NEWS an die Öffentlichkeit kamen, wurde die Aktion umbenannt. Heute ist auch klar, wie jenes TRC-Geheimdokument zu bewerten ist, das NEWS im Februar veröffentlicht hat. Dort hieß es, dass eine vom Ausland ausgehende Anschlagsplanung aufgrund der Existenz von mobilen Terrorzellen aus dem pakistanischen Spektrum als mögliches Szenario bewertet werden kann.
Heute ist klar: Im TRC wusste man schon im Februar genau, mit wem man es zu tun hat und dass eine gefährliche mobile Terrorzelle mit pakistanischem Background längst in Wien aktiv war. Denn jetzt ist auch klar, dass diese Austro-zelle über Deutschland auch Kontakt zu den gescheiterten Flugzeugattentätern von London hatte.
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