BAWAG-Verkauf: Erste Bank und Wiener Städtische werden keine Angebote abgeben
- Sehen sich gegen Bieter aus Ausland benachteiligt
- Städtische galt als Wunschpartner der Gewerkschaft
Der Wunschpartner des ÖGB für die BAWAG ist abgesprungen: Die Wiener Städtische Versicherung legt kein Übernahmeangebot für die angeschlagene Gewerkschaftsbank. Auch die Erste Bank, die in dieser Österreich-Lösung für die BAWAG Partner der Städtischen gewesen wäre, sagt ab. Zum Grund heißt es: Den amerikanischen Refco-Gläubigern wurde beim BAWAG-Verkauf viel zu viel Mitsprache zugesagt. Befürchtet wird sogar ein Preisdiktat aus USA. Erste und Städtische sehen Österreicher hier im Nachteil. Ihr Ausstieg aus dem Bieterverfahren kommt freilich wenig überraschend. Der Erste-Aktie tat es gut, sie legte zu. Auch die Städtische-Aktie notiert leicht höher.
Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die viertgrößte Bank Österreichs ab 2007 einer ausländischen Gruppe gehören wird. Als einer der aussichtsreicheren Kandidaten gilt in Finanzkreisen dabei der frühere Miteigentümer der BAWAG, die bayerische Landesbank (BayernLB).
Montag Abend hatte BAWAG-Chef Ewald Nowotny in Alpbach von "erfreulich großem" Interesse für die BAWAG berichtet. Darunter seien auch Versicherungen, die sich eine Bank zulegen wollten. "Man muss ja nicht gleich die ganze Bank kaufen". Die bisherigen Interessenten sind laut Nowotny eine gute Mischung von in- und ausländischen Anbietern, darunter beste Adressen.
Angebote bis 8. September
Bis 8. September können Kaufwillige unverbindliche Übernahmeangebote für die BAWAG P.S.K, abgeben, die nach den milliardenschweren Spekulationsverlusten aus dem Refco- und Karibikskandal dringend einen kapitalstarken Käufer braucht. Der Bankverkauf muss auch den ÖGB vor der Pleite retten. Bis Ende September wird auf 4 bis 5 Kandidaten eingeschränkt, die im Oktober ein verbindliches Offert legen sollen. Dann folgt die Auktion.
Für Städtische-Chef Günter Geyer ist das Thema BAWAG erledigt, wie er heute zur APA sagte. Er bedauert die Entwicklung. Damit wurde die Chance einer österreichischen Lösung mit diesem Konsortium vertan. Gleich nach der gestrigen Vorstands-Entscheidung hat er den Gewerkschaftsbund davon informiert. Der nahm zur Kenntnis: Städtische und Erste Bank scheiden als große österreichische Bieter für die Gewerkschaftsbank endgültig aus. Dabei war man schon mitten in den Prüfungen: "Wir haben die Verkaufsunterlagen studiert, Gespräche geführt", schilderte Geyer. Dann aber erfuhr er Unerfreuliches aus den USA. Eine Einflussnahme der Refco-Gläubiger auf die BAWAG-Preisfestsetzung ist laut Geyer "unangebracht".
In der Wiener Städtischen Versicherung wird auch bezweifelt, dass der in Finanznöten steckende ÖGB eine andere Wahl haben wird als einen Höchstbieter für die BAWAG zum neuen Eigentümer zu machen. Für andere Konzepte gebe es da wohl keinen Raum.
Was den Preis für die BAWAG betrifft, so sieht der Vergleich mit den Amerikanern in der Insolvenzcausa Refco wie berichtet vor, dass 30 Prozent des 1,8 Mrd. Euro übersteigenden Verkaufserlöses an die Vergleichspartner zu zahlen sind. Dieser Betrag ist mit maximal 200 Mio. Dollar gedeckelt.
Sollte, wie es in US-Medien hieß, die BAWAG an eine österreichische Bank, Versicherung oder an ein mit der Regierung in Verbindung stehendes Unternehmen verkauft werden, so könnten die Refco-Gläubiger eine unabhängige Bewertung der Transaktion verlangen. Ergäbe die Überprüfung eine Bevorteilung eines inländischen Käufers, so könne der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) als Eigentümer vom US-Konkursgericht zur Zahlung von Kompensationen an die Refco-Gläubiger aufgefordert werden, führte die Dow Jones vorige Woche unter Berufung auf US-Anwälte aus. Das erzürnte die Österreicher.
Ärger über absehbares "Diktat" aus den USA äußerte auch die Erste Bank: Selbst wenn Erste Bank/Städtische Bestbieter geworden wären, wäre man gegenüber ausländischen Interessenten schlechter gestellt worden, mutmaßt eine Erste-Bank-Sprecherin. Klar, dass es im ÖGB finanzielle Engpässe gebe. "Wir wollen deshalb aber nicht Liebhaberpreise für die BAWAG zahlen". Freilich hatte sich schon zuvor Erste Bank-Generaldirektor Andreas Treichl wiederholt reserviert gezeigt: Im April prognostizierte er, dass es für die BAWAG wohl zu keiner Bieterschlacht kommen dürfte. Interessensbekundungen für die BAWAG sah er als vorteilhaft für den Finanzplatz Wien. Und zuletzt: Die Erste Bank schaue sich die BAWAG überhaupt nur auf Wunsch des ÖGB an.
Morgan Stanley: Keine Diskriminierung
Diskriminierungsvorwürfe kann man beim mit dem BAWAG-Verkauf betrauten Investmenthaus Morgan Stanley hingegen nicht nachvollziehen. Natürlich bedauert man, wenn ein Bieter ausfällt, heißt es da zur APA. Am Verkaufsverfahren wird das aber nichts ändern. Bisher hätten sich "sehr reputierliche" Interessenten gemeldet. Für alle gälten die gleichen Bedingungen und Fristen. Auch BAWAG-Generaldirektor Nowotny hat am Montagabend von strikter Gleichbehandlung der Kandidaten gesprochen. Es gebe weder Bevorzugungen noch Benachteiligungen für irgendwelche Käufergruppen.
In Deckung bleiben indes die anderen Großbanken, die sich als Interessenten ins Gespräch gebracht hatten: "Vorsichtig-kritisch" gab sich die Volksbanken AG (ÖVAG). Einen Einfluss der US-Vergleichspartner beim BAWAG-Verkauf sieht auch ÖVAG-Chef Franz Pinkl eher kritisch. Aus bisherigen Äußerungen könne er daraus aber noch keine direkte Benachteiligung ableiten. Übermorgen, Donnerstag, wollen die Volksbanken über das weitere Vorgehen beraten. Finanzkreise haben zuletzt ein singuläres Vollangebot ausgeschlossen.
Raiffeisen nicht überrascht
Wenig überrascht über den Rückzug von Erste und Städtischer ist man bei Raiffeisen. Die RZB selbst hatte mehrfach Grundsatzinteresse zumindest an BAWAG-Teilen geäußert. Die Angelegenheit sei aber nicht einfach, gab sich RZB-Vorstand Manfred Url heute reserviert. Grundsätzlich kann er einer Übernahme der BAWAG durch Raiffeisen durchaus Fantasie abgewinnen. "Möglicherweise trennen wir uns aber dann wieder von manchen Teilen". Die Wahrscheinlichkeit eines künftigen ausländischen Eigentümers für die BAWAG P.S.K. sei höher, "allein schon deshalb, weil es mehr Ausländer gibt". Diese Ansicht wird in der Branche geteilt. Auch die Volksbanken-Gruppe müsste sich für eine solche Übernahme einen ausländischen Partner suchen. Sinn machen könnte auch ein Kauf durch die Generali zusammen mit der italienischen Muttergesellschaft.
Ob die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), die ebenfalls für die BAWAG Interesse signalisiert hatte, als ausländischer oder inländischer Bieter gälte, war vorerst offen. "Wir sehen uns europäisch", so ein Sprecher heute. So befasst sich Mailand die M&A-Abteilung der Mutter UniCredit mit den Verkaufsunterlagen. Als "Interessent" träten demnach die Italiener auf. Als Betreiber einer Tochter namens BAWAG käme aber die "östererreichische" Bank Austria auf den Plan - und mit ihr wohl jede Menge Kartellprobleme. Ob man ein Offert legt, wird noch geprüft, hieß es heute.
Die meisten Angebote werden bis Freitag nächster Woche jedenfalls aus dem Ausland erwartet.
(apa/red)
