Bald mehr Staat in AUA: Wien und Nieder- österreich steigen angeblich bei Airline ein
- 300-400 Mio. Euro sollen dabei aufgetrieben werden
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Die österreichische Fluglinie AUA braucht frisches Geld. Ende Mai hatte der neue AUA-Boss Alfred Ötsch zwar noch erklärt, dass die Airline ausreichend Liquidität habe und für das laufende Geschäft und Investitionen kein frisches Geld brauche. Doch nun scheint Ötsch seine Meinung geändert zu haben. Eine Geldspritze scheint nun so gut wie fix. Sie solle noch heuer über die Bühne gehen und werde mit 300 bis 400 Mio. Euro deutlich höher ausfallen als geplant. Einen Teil der jungen Aktien sollen die Länder Wien und Niederösterreich zeichnen.
Zur Zeit hat die AUA ein Grundkapital von 247 Mio. Euro. Es ist in 34 Millionen Aktien aufgeteilt. Die Marktkapitalisierung beläuft sich nach aktuellen Kursen auf knapp 220 Mio. Euro.
Beschlossene Sache ist laut "Presse", dass die AUA-Hauptaktionäre ÖIAG (39,7 Prozent) und das Österreich-Syndikat aus Raiffeisen, BAWAG, BA-CA und Wiener Städtische (zusammen 10,3 Prozent) zumindest 50 Prozent der Kapitalerhöhung zeichnen werden. Damit bleibt die AUA im nationalen Mehrheitseigentum.
Mehrheitseigentum wird ausgeweitet
Dieses rot-weiß-rote Mehrheitseigentum wird nach "Presse"-Informationen sogar noch ausgeweitet. Die Austrian Airlines stehe nämlich vor einer "Verländerung". Einen Teil der Kapitalerhöhung sollen die Länder Wien und Niederösterreich zeichnen, schreibt das Blatt unter Berufung auf Finanzkreise. Eine Quote wird in dem Bericht nicht genannt.
Die Länder sind Hauptaktionäre des Flughafen Wien. Ihnen ist der Erhalt einer starken und selbstständigen AUA wichtig. Sie garantiert die Position des Flughafens als West-Ost-Drehscheibe, die bei einem Einstieg der Lufthansa bei der AUA gefährdet wäre. Schließlich würde die Lufthansa, die ihr eigenes "Drehkreuz Süd" in München hat, Wien als weiteres Drehkreuz nicht ausbauen. Nach einem Einstieg eines Ausländers, so fürchten die Flughafen-Aktionäre, könnten wichtige Transfer-Kunden verloren gehen.
Diese "Österreich-Lösung" ist nicht neu. Schon vor mehr als einem Jahr wurden solche Pläne gewälzt, aber stets dementiert, heißt es. Nun dürfte die mehr als angespannte Finanzlage der AUA - 130 Mio. Euro Verlust im Vorjahr plus 72 Mio. Euro Verlust im ersten Halbjahr 2006 - zu einem Umdenken führen. Niederösterreich soll die notwendigen Mittel schon auf die Seite gelegt haben, heißt es in dem Bericht.
Die "Verländerung" würde der "Presse" zufolge auch den Vorsatz von Ötsch unterstützen, die Eigenständigkeit der AUA zu erhalten. Der AUA-Boss will zur Kapitalerhöhung nichts sagen: "Spekulationen und Gerüchte kommentiere ich nicht". Die offizielle Stellungnahme der AUA: Man prüfe laufend Alternativen, die geeignet sein können, die Eigenkapitalverfassung und Finanzierungsseite der AUA weiter zu optimieren. Man sei rechtlich verpflichtet, diesbezügliche Entscheidungen rechtzeitig bekannt zu geben.
Kapitalerhöhung über technischen "Trick"
Die Kapitalerhöhung - sie soll dem Bericht zufolge von Merrill Lynch und CA IB gemanagt werden - soll über einen technischen "Trick" erfolgen. Da der AUA-Aktienkurs seit Monaten unter dem Nominale von 7,26 Euro liegt - ohne Aussicht auf Aufschwung - und daher laut Aktiengesetz eine Kapitalerhöhung nicht möglich ist, würde zuerst das Kapital herabgesetzt. Die Aktionäre erhielten eine Sonderdividende. Dann würde das Kapital erhöht.
In einer außerordentlichen Hauptversammlung müsste der am 22. Mai gefasste Beschluss, das Grundkapital durch Ausgabe von 17 Mio. junger Aktien um 125 Mio. Euro zu erhöhen, geändert werden.
Zusammen mit den Ländern könnte bei der Kapitalerhöhung natürlich auch ein strategischer Partner die Gelegenheit nutzen, günstigst bei der AUA einzusteigen, schreibt die "Presse" weiter. Aus heutiger Sicht gebe es zumindest zwei Varianten: 1. Lufthansa: Der Partner der AUA in der Star Alliance gilt nicht erst seit der Übernahme der Swiss als möglicher Retter der AUA. Allerdings räumen Experten ein, dass die Lufthansa die AUA nicht kaufen muss, es existiert eine enge Partnerschaft. Viele Osteuropa-Routen werden von der Lufthansa selbst bedient. Lufthansa-Chef Mayrhuber würde sich _ so wie jeder andere Airline-Chef - aber nicht mit 10 Prozent begnügen. 2. Air France/KLM: Das Interesse der Franzosen an der AUA sei nie erkaltet. Air France, die bereits 1,5 Prozent an der AUA besitzt, würde die AUA dem bisherigen Ost-Partner CSA vorziehen, heißt es. Dass sie Partnern Luft zum Atmen lasse, zeige KLM.
Lauda Air vor Aus?
Wie der "Kurier" berichtet, hält der Airlinebesitzer und Ex-Rennfahrer Niki Lauda die AUA als eigenständiges Unternehmen grundsätzlich für überlebensfähig. Eine endgültige Klärung der Überlebensfrage wird es seiner Ansicht nach im nächsten Frühjahr geben.
Die AUA will wie berichtet bis Herbst entscheiden, ob sie die Marke "Lauda Air" einstellt. Niki Lauda, der heute unter der Marke "NIKI" seine eigenen Wege geht, meinte in der Zeitung, "wäre ich die AUA, würde ich die Marke Lauda Air einstellen. Dafür brauche ich keine Studie. Denn sie wird nach wie vor mit mir assoziiert". Die Passagiere sehen jedoch, dass bei Lauda Air zwar Lauda draufstehe, aber nicht Lauda drin sei. "Natürlich ist die Marke eine Werbung für mich und für NIKI." (apa/red)

