Freitag, 25. August 2006

FORMAT über silbernen Höhenflug: Silber- preis seit Jahresbeginn um 36% gestiegen!

  • Sammler nutzen Hausse um Vorräte zu verkaufen
  • Anleger kaufen, das sie mit steigenden Preis rechnen

Der Silberpreis ist seit Jahresbeginn um 36 Prozent gestiegen. Sammler nutzen die Silberhausse und verkaufen ihre Silbervorräte. Industrielle Anleger hingegen kaufen Silber, da sie mit weiter steigenden Preisen rechnen.

In der Wiener Filiale des Schoeller Münzhandels ist normalerweise nicht gerade die Hölle los. Die Numismatik ist ja für gewöhnlich ein eher ruhiges Geschäft. Doch seit kurzem stürmen Münzsammler von jung bis alt das Geschäft. Nicht um sich dort mit neuen Münzen einzudecken, sondern um Altbestände zu verkaufen. Elmar Schmid, Geschäftsführer von Schoeller Münzhandel, einer 100-Prozent-Tochter der Münze Österreich, ist bass erstaunt: "Normalerweise besuchen uns rund zwanzig Kunden pro Woche. Aber allein in der vergangenen Woche hatten wir mehr als tausend Kunden. So etwas habe ich noch nicht erlebt."

Aufgrund des Massenandrangs befinden sich jetzt zigtausend Silbermünzen, großteils aus der Schilling-Ära, im Tresorraum von Schoeller. Allein von der einst so beliebten 500-Schilling-Münze wurden in der Vorwoche 12.000 Stück verkauft. Bei der 100-Schilling-Münze waren es 3.500 Stück. Schmid: "Zum Glück haben wir vor zwei Jahren im Tresorraum einen neuen Estrich gelegt. Der alte Boden wäre unter dieser Münzenlast zusammengebrochen."

Ursache der Verkaufshysterie ist der gegenwärtig sehr hohe Silberpreis. Jahrelang dümpelte der Preis für eine Unze Argentum (lateinisch für Silber) zwischen vier und acht Dollar. Doch seit Beginn dieses Jahres ist die Silberwährung rasant gestiegen. Im Jänner musste man für eine Unze des grauen Edelmetalls noch neun Dollar bezahlen. Jetzt kostet der Ausflug in die Welt des silbernen Rohstoffs bereits 12,40 Dollar. Das entspricht einer Steigerung von knapp 36 Prozent.

Den Höchstpreis seit dreißig Jahren erzielte Silber allerdings schon im Mai dieses Jahres mit 15 Dollar. Mit einiger Verspätung hat die Silberhausse auch die österreichischen Silbersammler erreicht, die sich jetzt von ihren Schätzen trennen und diese zu Geld machen. Doch in vielen Fällen macht der hastige Silberverkauf wenig Sinn. Oft bekommt man nur den Nennwert. So bringt die 100-Schilling-Münze beim Umtausch in der Nationalbank umgerechnet 7,23 Euro, der Silberwert beträgt aber lediglich 4,35 Euro. Beim 500er ist die Sache noch deutlicher: 6,29 Euro Silberwert bei einem Nennwert von 36,34 Euro. Solange diese Münzen von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zum Nominale zurückgenommen werden, ist ein Umtausch nur wegen des Silberpreises nicht zu empfehlen.

Ein echtes Geschäft sind Silbermünzen mit kleinem Nennwert. Für den alten Silberzehner bekommt man bei Schoeller Münzhandel einen Euro (also 38 Prozent mehr als das umgerechnete Nominale von 0,72 Euro).

Münzen und Barren für Investoren
Komplett anders stellt sich die Situation bei den Euro-Münzen dar. Schoeller-Chef Schmid: "Als Gegenbewegung zu den Schilling-Verkäufen gibt es viele Private, die neue Euro-Silbermünzen kaufen." Wegen des hohen Silberanteils hat die 10-Euro-Münze allerdings bereits einen Preis von rund 18,50 Euro. Die Crux: Dazu kommen noch zehn Prozent Mehrwertsteuer. Silbermünzen sind nämlich - anders als Goldmünzen - umsatzsteuerpflichtig.

Außerdem können Anleger auch Silberbarren kaufen. Beim Kauf von Silberbarren (gegenwärtiger Kaufpreis rund 430 Euro) werden allerdings beim Kauf sogar 20 Prozent Mehrwertsteuer verlangt. Dieser Nachteil muss erst wieder aufgeholt werden, was ein Investment nur zur Renditeerzielung praktisch sinnlos macht.

Heute stehen dem wachsenden Angebot der Privaten, die ihre Münzen auf den Markt werfen, zahlreiche kapitalstarke Abnehmer gegenüber. Heraeus-Mann Wrzesniok-Roßbach: "Viele Großanleger decken sich gerade mit enormen Silber-vorräten ein, da sie an einen weiter steigenden Silberpreis glauben. Ich rechne damit, dass der Silberpreis bald bei 20 Dollar je Unze liegen wird."

Die gesamte Story lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT!

25.8.2006 10:19