Mittwoch, 23. August 2006

Einstimmig beschlossen: Kulterer zieht im Oktober in Hypo-Alpe-Adria-Aufsichtsrat ein

  • Finanzmarktaufsichts-Verfahren damit eingestellt
  • Neuerlich Kritik der SPÖ an Personalrochade

Nun ist es auch formal fix: Der Vorstandsvorsitzende der Hypo Alpe-Adria-Bank (HAAB), Wolfgang Kulterer, zieht am 1. Oktober in den Aufsichtsrat der Bank ein. Dies wurde bei der Hauptversammlung der Bank am Mittwoch einstimmig so beschlossen. Geklärt wurde auch die Frage, wer künftig die Bank prüfen soll, es wird wie bisher Deloitte sein, der ursprüngliche Plan, einen zweiten Prüfer zu beauftragen, wurde fallen gelassen.

Dem Wunsch der Eigentümer entsprechend, habe man den Beschluss gefasst, Kulterer in den Aufsichtsrat zu entsenden, sagte der Vorstand der Kärntner Landesholding, Reinhard Zechner, auf Anfrage der APA. Der 52-jährige Kulterer war 1992 in den Vorstand der Hypo gekommen, nach Bekanntwerden von 328 Mio. Euro Spekulationsverlusten, die im Herbst 2004 angehäuft wurden, kündigte der Vorstandschef Ende Juli seinen Rücktritt an.

Das von der Finanzmarktaufsicht (FMA) gegen ihn angestrengte Amtsenthebungsverfahren wurde damit eingestellt, die gerichtlichen Erhebungen wegen Verstoßes gegen Paragraf 255 des Bankwesengesetzes (BWG) laufen jedoch weiter. Dabei geht es nicht um die Verluste, sondern um deren Bilanzierung. Die HAAB wollte die Verluste über einen Zeitraum von zehn Jahren in den Bilanzen unterbringen und soll die Summe zudem den Wirtschaftsprüfern verschwiegen haben. Als diese im Frühjahr dieses Jahres beim Erstellen der Bilanz 2005 auffiel, zogen sie ihre Testate für die Bilanz 2004 zurück und informierten die FMA.

SPÖ-Budgetsprecher Christoph Matznetter übte am Mittwoch in einer Aussendung neuerlich scharfe Kritik an der Personalrochade in der Hypo. Er erklärte, die FMA müsse den Wechsel Kulterers in den Aufsichtsrat genehmigt haben. Deren Sprecher Klaus Grubelnik hatte allerdings bereits am Dienstag festgehalten, dass die FMA nur die Einhaltung des Bankwesengesetzes bei Satzungsänderungen prüfen und bei Verstößen Einspruch erheben könne. Die Streichung freiwilliger Verpflichtungen wie jene der dreijährigen "Abkühlungsphase" für Bankvorstände vor einem Job im Kontrollgremium gehöre nicht dazu.

Matznetter forderte trotzdem erneut Finanzminister Karl-Heinz Grasser dazu auf, zur Causa Kulterer Stellung zu nehmen. Es stelle sich die Frage, "was Kulterer überhaupt zu diesem Aufstieg qualifiziert, nachdem er der Bank nach allen vorliegenden Fakten nicht mehr als Vorstand zur Verfügung stehen kann". Es müsse wohl die enge Freundschaft zum Kärntner Landeshauptmann ausschlaggebend gewesen sein, mutmaßte Matznetter.
(apa)

23.8.2006 15:30