Andre Agassi sagt Goodbye: Ein Großer
tritt zum letzten Mal bei den US Open an
- Abgang im Stile von Jimmy Connors & Pete Sampras
- Oldie sehnt sich nach einem geregelten Familienleben
Er ist einer der ganz Großen des Tennissports und das gilt nicht nur für die Gegenwart. Irgendwann im Laufe der zwei Wochen der US Open schlägt Andre Agassi seinen letzten Ball auf der Tour. Der mittlerweile 36-jährige Superstar sagt in Flushing Meadows endgültig Adieu und tritt auch in dieser Hinsicht in die Fußstapfen anderer Allzeit-Tennisgrößen aus den USA wie Jimmy Connors oder Pete Sampras.
Ob dem achtfachen Grand-Slam-Sieger und Ehemann von Steffi Graf ein Abgang wie Connors oder gar Sampras beschieden ist, ist aber trotz der Unberechenbarkeit des Glatzkopfs eher unwahrscheinlich. Aber bei Agassi ist alles möglich, im Vorjahr stürmte er noch einmal ins Endspiel der US Open, und unterlag in diesem erst seinem programmierten Nachfolger, Roger Federer (SUI), in vier Sätzen. Zuvor hatte er in Los Angeles seinen 60. und wohl letzten Einzeltitel geholt.
Ein Connors hatte 1991 im Alter von 39 Jahren (!) einen Hollywood-reifen Run bis ins Halbfinale gezeigt, ein Sampras verabschiedete sich gleich "doppelt" bei den US Open: 2002 mit dem Titel - übrigens einem Finalsieg über Agassi -, 2003 kehrte er, ohne seither gespielt zu haben, noch einmal zurück und gab offiziell seinen Rücktritt bekannt.
Agassi, der in den 90-er Jahren noch mit langen Haaren und Jeans-Shorts für eine Revolution in Sachen Auftreten gesorgt hatte, zählte immer schon zu den größten Publikumsmagneten. Ob es bei den Grand-Slam-Turnieren war, im Daviscup - darunter auch beim unvergesslichen Auftritt gegen Thomas Muster im damaligen Wiener Prater-Stadion - oder auch bei kleineren Turnieren. Der sympathische, stets sportliche Mann aus Las Vegas war überall gefragt.
Seine letzte Saison 2006 war jedoch sehr durchwachsen. Mit 8:7-Siegen kommt der am 29. April 1970 in Nevada geborene Sohn eines iranischen Einwanderers knapp positiv in den New Yorker Stadtteil Queens. Im Ranking ist er auf Rang 37 zurück gefallen und bei den Open daher ungesetzt. Doch das wird die patriotischen US-Amerikaner ebenso wenig stören wie all seine Fans weltweit. Andre ist immer noch der Einzige in der Profi-Ära (seit 1968), der alle vier Grand-Slam-Turniere gewonnen hat. Etwas, das er mit seiner erfolgreichen Frau Steffi Graf gemeinsam hat.
Agassi hinterlässt nicht nur eine Fülle von großartigen Auftritten, mit ihm geht auch eine Ära von diesen Sport so dominierenden US-Spielern zu Ende. Nach Connors, John McEnroe oder Sampras und ihm regieren nun zwei Europäer die Herren-Szene: Federer und Rafael Nadal. Von einer US-Krise will der Altstar aber nichts hören: "Die Realität ist: Zwischen Federer und Nadal ist einfach nicht viel Platz für Siege. Wir haben immer noch 290 Millionen Leute in unserem Land. Das kann sich schnell wieder ändern."
Er sehnt sich nach der Zeit nach dem Tennis, und dem Familienleben mit Steffi Graf und den beiden Kindern, Jaden Gil (4) und Jaz Elle (2). "Ich freue mich darauf, nicht immer etwas zu tun zu haben, jeden Tag aufzuwachen, und mich fragen zu müssen: 'Was habe ich denn heute zu tun wegen meines Turnierkalenders?"
Doch Agassi will sich darüber vorerst nicht zu viel den Kopf zerbrechen, sondern den Moment noch einmal voll auskosten. So lange es eben geht bei einer gar nicht einfachen Auslosung: Er startet gegen den Rumänen Andrei Pavel, in Runde 2 winkt ein Aufeinandertreffen mit Marcos Baghdatis. Schafft er es bis ins Achtelfinale, könnte es zum Generationen-Duell mit Andy Roddick kommen.
Was denn Agassis Traum für New York wäre, wurde er gefragt. "Hmm, lasst mich nachdenken. Was wäre denn ein gutes Ende?", meinte er lachend, um dann ernst anzufügen: "Egal, wie es endet, es wird großartig werden." Die Tennis-Szene wird diesen charismatischen Spieler und auch Menschen vermissen.
(apa/red)
