Mittwoch, 23. August 2006

Salzburgs Bullen nur ängstliche Kühe: Ohne Torgefährlichkeit geht's ab in den UEFA-Cup

  • Keine Angriffe in Sicht: Fluch von Mestalla lebt weiter
  • Spanier verwundert: "War sehr einfache Aufgabe"

Österreich ist in der Champions League nicht vertreten. Hatte Rekordmeister Rapid die Eliteliga in der vergangenen Spielzeit noch punktlos beehrt, so versuchen sich Meister Austria und Vizemeister Red Bull Salzburg nach ihren 0:3-Niederlagen nur noch im UEFA-Cup. Doch während die Austria in Lissabon ihre Krise deutlich offenbarte, spielten die Salzburger in Valencia um den Aufstieg mit.

Wenngleich die spanische Presse das nicht so gesehen haben wollte. "Das war eine sehr einfache Aufgabe", schrieb Marca, nachdem die Valencianer beim Stand von 2:0 einen Gang zurückgeschalten hatten. Den Toren waren ein Fehler von Vargas bzw. ein leicht umstrittener Elferpfiff vorangegangen. Selbst die Zeitung "As" sagte "Danke Lubos Michel". Der Schiedsrichter hatte ein mögliches Stürmer-Foul an Carboni nicht geahndet.

"Wir haben auch schon von Fehlern anderer profitiert", meinte Salzburg-Trainer Lothar Matthäus - zum Beispiel in der vorangegangenen Runde in Zürich, als die Schweizer das Hinspiel dominiert hatten. Damals hatte Keeper Timo Ochs sein Team gerettet, diesmal war er chancenlos. "Diese internationale Klasse muss man sich über Jahre erarbeiten. Vielleicht gewinnen wir in zwei Jahren auch solche Spiele", hoffte der Deutsche.

Fluch von Valencia lebt weiter
Das Estadio Mestalla bleibt vorerst aber kein guter Boden - weder für Giovanni Trapattoni, noch für Österreich. Während österreichische Teams in acht Spielen in Valencia ebenso viele Niederlagen kassiert haben (darunter das unvergessene 0:9-Debakel der Nationalmannschaft), war der Salzburg-Trainer schon vor zehn Jahren mit dem FC Bayern München im UEFA-Cup mit dem gleichen Resultat untergegangen - 0:3.

Bayern-Stürmer Alexander Zickler hatte damals für eine Tätlichkeit die Rote Karte erhalten, diesmal musste der per Privatjet eingeflogene Stürmer auf Grund einer Muskelverletzung im Oberschenkel von der Tribüne zusehen. "Zickler ist keine Entschuldigung", meinte Trapattoni. "Wir hätten ein Tor schießen können." Laut Thomas Linke ("Der Zickler-Ausfall war ein Schock für uns") für den Aufstieg von vorne herein sogar müssen.

Defensive Herangehensweise geht nicht auf
"In der ersten Hälfte waren wir dafür aber zu ängstlich", meinte der Abwehrchef. Gefährlich nahe kamen die Salzburger einem Treffer nämlich nie. Erst rangen sich Trapattoni und Matthäus lange Zeit nicht zu weiteren Offensivspielern auf Kosten der defensiven Mittelfeld-Mauer Carboni/Aufhauser/Kovac durch, später hing Solospitze Lokvenc in der Luft. Der Tscheche soll abgegeben werden, ein neuer Stürmer das Problem lösen.

Ein chronisches Problem hat hingegen Rene Aufhauser mit der Champions-League-Qualifikation. "Die beiden Sachen vertragen sich einfach nicht", erklärte der einzige Österreicher im neuen, blau-roten Salzburg-Dress. Der Steirer ist nach drei erfolglosen Versuchen mit dem GAK und einem mit Salzburg bereits im fünften Anlauf am Einzug in die Königsklasse gescheitert.

Valencia hatte dem vorzeitigen Aus und den daraus folgenden Turbulenzen bereits in der ersten Spielhälfte mit Offensiv-Fußball vorgebeugt. "Jetzt werden Prestige und wirtschaftliche Stabilität zurückkehren", meinte Trainer Quique Sanchez Flores. "Dieser Klub will zu den ganz Großen zählen und mit der Elite spielen." Stürmerstar Fernando Morientes formulierte es so: "Valencia gehört in die Champions League." Salzburg offenbar (noch) nicht.

"Salzburg wird noch weit kommen"
"Nach den ersten beiden Toren ist ein riesiger Druck von uns abgefallen", verriet Mittelfeldspieler Edu im. "Wir sind unglaublich fokussiert aus der Kabine gekommen. Genau diese beiden Tore haben wir gebraucht".

Edu zollte dem Gegner aber beinahe über Gebühr Respekt: "Sie haben ein starkes Team mit einigen echten Klassespielern." Selbst das erste Gespräch in der Valencia-Kabine hätte nach dem Sieg den Salzburgern gegolten. "Ich denke, dass sie dort sehr weit kommen werden. Viele Teams haben all diese Stärken nicht", meinte der 28-Jährige aus Sao Paulo, der im Vorjahr vom englischen Spitzenklub Arsenal nach Valencia gewechselt war.

(apa/red)

23.8.2006 10:31