"Frau Lindner, treten Sie zurück": BZÖ-Chef weiter gegen abgewählte ORF-Chefin
- Westenthaler verteilte Dienstvertrag: 321.398 Euro
·Westenthaler ortet
"Vendetta" bei Lindner
BZÖ wäre "sofort" zu einer ORF-Refom bereit
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·Sommergespräch mit BZÖ nicht verschoben
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BZÖ-Obmann Peter Westenthaler hat seine Kritik an der Ende des Jahres scheidenden ORF-Generaldirektorin Monika Lindner erneuert. "Frau Lindner, treten Sie zurück, und zwar mit heutigem Tag", so Westenthaler, der bei einem Pressegespräch auch gleich Kopien des Dienstvertrags von Lindner verteilte. Darin wird das Brutto-Jahresgehalt der ORF-Chefin mit 321.398 Euro angegeben. Dazu kämen vier Boni, die im besten Fall nochmals 48.208 Euro ausmachen würden.
Mit rund 370.000 Euro im Jahr würde Lindner demnach mehr als Bundespräsident Heinz Fischer (309.000 Euro) und deutlich mehr als der frühere ORF-Chef Gerhard Weis (284.000 Euro) verdienen. Als besondere Privilegien wurden von Westenthaler darüber hinaus die Lindner zustehende Abfertigung in Höhe von 275.484 Euro (zwölf Monatsgehälter), knapp sieben Wochen Urlaubsanspruch sowie die Privatnutzung des Dienstwagens hervorgehoben.
Der BZÖ-Chef forderte deshalb den sofortigen Ausstieg aus dem Vertrag. "Es wird nach wie vor Schindluder mit öffentlichen Geldern getrieben. Die ORF-Führung stopft sich mit Gebührengeldern die Taschen voll. Der Dienstvertrag Lindners ist derartig unverfroren und voll Privilegienstoff", so Westenthaler. Der ORF-Stiftungsrat solle sich das nochmals "genau anschauen".
Auch die Summe der Boni sei laut Westenthaler nicht zu rechtfertigen. "Das ist eine Unglaublichkeit, die überhaupt nicht zu rechtfertigen ist." Auch der Umstand, dass es etwa für die Kennzahl Fernsehwerbung auch dann einen Bonus gebe, wenn das Erlösziel um nicht mehr als sechs Prozent verfehlt wird, verärgerte Westenthaler hörbar. "So jemand wird normalerweise in die Wüste geschickt."
Hintergrund der Westenthaler-Attacken ist der laufende Nationalratswahlkampf. Versuchten sich die Freiheitlichen in früheren Wahlauseinandersetzungen etwa als Anti-Privilegienkämpfer gegen Arbeiterkammer- oder Nationalbank-Funktionäre, so geht es nun gegen die ORF-Spitze. Aktueller Anlass ist wohl die Weisung Lindners, mit der eine Vorverlegung des Sommergesprächs auf Montagabend - wegen eines Dienstagabend parallel übertragenen Champions League-Fußballmatches - unterbunden wurde.
Das BZÖ, das bei der Wahl des ORF-Generaldirektors vergangene Woche Alexander Wrabetz unterstützte und damit die Wiederwahl Lindners verhinderte, hatte Lindner deshalb "Vendetta" vorgeworfen. "Lindners Schuss ist nach hinten losgegangen", meinte Westenthaler dazu am Mittwoch. Auf Grund des medialen Getöses um die Programmierung des "Sommergesprächs" habe er eine "Rekordquote von 622.000 Zusehern" eingefahren.
Detail am Rande: Der vom BZÖ mitgewählte ORF-Chef Wrabetz wird den gleichen Dienstvertrag erhalten. In der Medienbranche ist das Gehalt des ORF-Chefs übrigens keine Geheimnis und die ORF-Spitze gilt auch nicht gerade als überbezahlt. Geschäftsführer vergleichbarer großer Unternehmen in Österreich bzw. die Chefs größerer Sender in Deutschland erhalten etwa deutlich höhere Gagen, als sie beim ORF bezahlt werden.
(apa/red)
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