Samstag, 26. August 2006

Attentate auf deutsche Züge gescheitert: Haftbefehl über 3. Verdächtigen verhängt

  • Berliner Regierung rechnet mit weiteren Festnahmen
  • Innenminister: Terrorgefahr keineswegs gebannt

Nach den gescheiterten Bahn-Attentaten vor knapp vier Wochen in Deutschland hat der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof (BGH) gegen einen dritten Verdächtigen Haftbefehl erlassen. Dem Mann aus Konstanz werde Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, versuchter Mord in einer Vielzahl von Fällen und versuchtes Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Der 23- jährige Syrer Fadi A.S. aus Konstanz war am Freitag festgenommen worden. Laut Bundesanwaltschaft soll er aus dem Umfeld des in Kiel verhafteten mutmaßlichen Attentäters Youssef Mohamad El Hajdib (21) stammen.

Unterdessen prüfen die Sicherheitsbehörden im Libanon Verbindungen der dort im Zusammenhang mit den Bahn-Attentaten festgenommenen zwei Terrorverdächtigen zum europäischen Netzwerk einer Extremisten- Organisation. Dabei geht es um die sunnitische Fundamentalistengruppe Al Tahrir. Der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, rechnet mit weiteren Festnahmen. "Die Ermittlungen laufen, wir wollen die Hintergründe und Kontakte ausleuchten. Es ist gut möglich, dass weitere Festnahmen folgen", sagte Hanning der Zeitung "B.Z. am Sonntag".

Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält die Terrorgefahr in Deutschland trotz rascher Fahndungserfolge für keineswegs gebannt. "Wir würden einen Fehler machen, wenn wir uns jetzt zurücklehnen würden", sagte er den "Lübecker Nachrichten".

In Beirut konzentrierten sich die Vernehmungen auf den zweiten dort Festgenommenen. Der verdächtige 24-Jährige aus Akkar im Nordlibanon war am Freitag festgenommen worden. Wie es aus libanesischen Justizkreisen hieß, wurde der Mann auf Grund von Aussagen des 20-jährigen Jihad Hamad festgenommen. Hamad hatte sich am Donnerstag selbst gestellt. In einem Teilgeständnis gab er zu, dass er einen der Bombenkoffer in einen Regionalzug der Deutschen Bahn gestellt, aber nichts über seinen Inhalt gewusst habe.

Der libanesische Staatsanwalt Said Mirsa traf auch vier Stunden lang mit den in den Libanon gereisten deutschen Ermittlern zusammen. Sie hätten wichtige Informationen ausgetauscht, hieß es. Der libanesische Innenminister Ahmed Fatfat sagte, einer der Verdächtigen könnte möglicherweise mit der Terrororganisation El Kaida in Verbindung gebracht werden.

Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, einer der Festgenommenen mit dem Codenamen "Hamsa" sei Mitglied der sunnitischen Fundamentalistengruppe Al Tahrir. Diese Gruppe ist im Libanon nicht verboten. Sie habe dort keine gewalttätigen Ziele. Einige vor allem in Dänemark und Schweden lebende Führer der Gruppe hätten jedoch vor kurzem damit begonnen, Leute in Deutschland anzuwerben. Sie hätten Verbindungen zu Al Kaida.

Al Tahrir wurde 1953 gegründet. Zu den Zielen gehört die Errichtung einer fundamentalistischen, auf den islamischen Gesetzen basierenden Ordnung. Die Gruppe spricht von der Beseitigung der neokolonialistischen westlichen Kontrolle über muslimisches Land. Außerdem ruft sie zum "Heiligen Krieg" gegen Israel auf. (apa)

26.8.2006 18:31