Ermittlungserfolg gegen die Bahn-Bomber: Verdächtiger legt in Beirut Teilgeständnis ab
- Hamad hat Koffer in den deutschen Zug getragen
- BKA-Präsident geht von ganzem Terrornetzwerk aus
·Auch zweiter Bahn-
Bombenleger in Haft
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"Panikreaktionen"
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Verheerende Pläne seit 11. September-Attentaten
Dreieinhalb Wochen nach den fehlgeschlagenen Bahn-Attentaten in Deutschland hat der Terrorverdächtige Jihad Hamad beim Verhör in Beirut ein Teilgeständnis abgelegt. Der libanesische Innenminister Ahmed Fatfat sagte: "Wir haben ein Geständnis von Hamad, dass er den Koffer in den Zug getragen hat. Aber er sagte, er habe nicht gewusst, was sich darin befindet." Noch sei nichts geklärt, aber in Hamads Computer hätten die Ermittler etwas gefunden, das mit dem Terrornetzwerk Al Kaida in Verbindung gebracht werden könne.
Auch die Festnahme von zwei weiteren Verdächtigen in Konstanz am Bodensee und im Libanon stärkte die Vermutung, dass die beiden zuerst verhafteten Libanesen Komplizen hatten. BKA-Präsident Jörg Ziercke geht von einem breiten Netz von Tätern aus. Es sei wahrscheinlich, "dass es in Deutschland Mitwisser und Helfer gegeben hat", sagte er.
Libanons Innenminister Fatfat sagte, die Vernehmung des Verdächtigen Hamad (20), der sich am Vortag der Polizei gestellt hatte, werde fortgesetzt. Die Befragung konzentriere sich darauf, ob die Tatverdächtigen einer bekannten Extremisten-Organisation angehörten. Nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen gilt Hamad als Hauptverdächtiger.
Die beiden Sprengstoffkoffer waren am 31. Juli in zwei Regionalzügen in Nordrhein-Westfahlen deponiert worden, jedoch wegen technischer Fehler nicht explodiert.
BKA geht von Terrorzelle aus
Ziercke sagte in der ARD, nach bisherigem Ermittlungsstand gehe das Bundeskriminalamt (BKA) von einer terroristischen Zelle in Deutschland aus. Ob es einen Zusammenhang mit der libanesischen Organisation Hizb ut-Tahrir gibt, sei noch nicht klar.
Dem in Konstanz festgenommenen Mann, nach dpa- Informationen aus Sicherheitskreisen ein Libanese, wird Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, versuchter Mord in einer Vielzahl von Fällen und das versuchte Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen. Er stamme aus dem Umfeld des in Kiel verhafteten mutmaßlichen Attentäters Youssef Mohamad El Hajdib (21), teilte die Bundesanwaltschaft mit. Über einen Haftbefehl soll am Wochenende entschieden werden. Das Zimmer des Mannes in einem Studentenwohnheim am Bodensee wurde durchsucht.
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft ist noch offen, ob und inwieweit der Verdächtige in die Vorbereitungen der misslungenen Bahn-Anschläge eingebunden war. Nach dpa-Informationen wurde in Konstanz unter anderem ein Laptop sichergestellt. Demnach besteht der Verdacht, dass der Computer El Hajdib gehörte.
Zeuge in Widersprüche verstrickt
Der libanesische Innenminister Fatfat erklärte: "Wir haben den deutschen Ermittlern erlaubt, (dem Verhör) beizuwohnen und Jihad Hamad auch zu verhören." Die libanesische Polizei vernahm zudem einen Angehörigen des in Kiel verhafteten El Hajdib als Zeugen. Da sich der 24 Jahre alte Mann in Widersprüche verstrickt habe, befinde er sich nun in Polizeigewahrsam, sagte Fatfat.
Hamad war in den Libanon gereist, kurz nachdem die nicht detonierten Sprengsätze entdeckt worden waren. Der Vater Hamads hatte erklärt, sein Sohn habe keine Kontakte zu politischen Aktivisten gehabt und auch keine Verbindungen zu der radikalen Islamisten- Organisation Hizb ut-Tahrir.
Verbände distanzieren sich
Muslimische Verbände in Deutschland distanzierten sich von Terror und Gewalt. "Mit Entsetzen und tiefer Abscheu" verurteile man die versuchten Bombenattentate, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung mehrerer Verbände, die in Köln veröffentlicht wurde.
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Volker Kauder (CDU), forderte die SPD dazu auf, in der Terrorismus-Debatte "weniger aggressiv" vorzugehen. Er sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Wir sollten diese Diskussion in Ruhe führen." Er reagierte auf den SPD-Innenexperten Dieter Wiefelspütz, der die CDU- Forderung nach verschärften Kontrollen bei einreisenden Ausländern als "grobschlächtig und primitiv" verurteilt hatte. Die FDP-Fraktion im Bundestag forderte eine Sondersitzung des Innenausschusses.
(apa)
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