Mittwoch, 13. September 2006

EU uneins über Verbot von Flüssigkeiten im Flug-Handgepäck: Entscheidung verschoben

  • Nationale Experten beschlossen stärkere Kontrollen
  • Laptops müssen künftig extra kontrolliert werden

Ein Monat nach den vereitelten Terroranschlägen von London haben sich die EU-Staaten weiter nicht auf ein Verbot von Flüssigkeiten im Flug-Handgepäck einigen können. Die nationalen Experten für Luftfahrtsicherheit beschlossen lediglich stärkere Kontrollen. So müssen künftig tragbare Computer extra kontrolliert werden, bevor Fluggäste an Bord gehen. In vielen Ländern wird diese Bestimmung bereits angewendet.

In der Streitfrage, ob es zu einem teilweisen oder völligem Verbot von Flüssigkeiten im Handgepäck kommen soll, habe es dagegen "jede Menge divergierender Meinungen gegeben", sagte Wolfgang Schützner, Vertreter Österreichs in dem EU-Expertengremium, gegenüber der APA. Während Großbritannien unterstützt von Deutschland auf ein solches Verbot dränge, hätten die anderen EU-Staaten "wenig Begeisterung" für einen solchen Schritt erkennen lassen. "Die Entscheidungsfindung ist extrem kompliziert", sagte Schützner. Auch Österreich - wo nach den vereitelten Anschlägen von London keine zusätzlichen Einschränkungen eingeführt wurden -, werde in dieser Angelegenheit abwarten.

Eine "endgültige Entscheidung" der EU werde erst nach technischen Beratungen mit der Europäischen Zivilluftfahrtskonferenz (ECAC) und der Internationalen Luftfahrtorganisation ICAO erfolgen, teilte die EU-Kommission mit. Eine Arbeitsgruppe der ECAC soll am 11. September in London zusammenkommen. Daran sollen auch US-Experten teilnehmen. Das Gremium für Luftfahrtsicherheit der ICAO berät von 11. bis 15. September in Montreal. Die nächste reguläre Sitzung der EU-Experten ist im Oktober anberaumt.

Laptops gesondert kontrolliert
Die zwischenzeitlich getroffenen Maßnahmen umfassen einheitliche Regeln zum Durchleuchten elektronischer Geräte, einschließlich der getrennten Kontrolle von Laptops, um verborgene Substanzen besser aufspüren zu können, teilte die Kommission mit. Außerdem seien sich die Experten im Grundsatz einig über gemeinsame europäische Standards für Kontrollgeräte und der schrittweisen Einführung leistungsstärkerer Ausrüstung gewesen.

Die Experten beraten seit Ende August über ein Totalverbot von Flüssigkeiten im Handgepäck, nachdem im Gefolge der Anschlagspläne in Großbritannien bekannt wurde, dass Terrorverdächtige mehrere Transatlantik-Maschinen mit Flüssigsprengstoff zum Absturz bringen wollten. "Eine gemeinsame europäische Antwort ist dringend erforderlich, um dieser Bedrohung zu begegnen", stellte das EU-Expertengremium fest.

Zu diskutieren seien mögliche Mindestmengen und Ausnahmen, sagte Schützner. So sollen Babynahrung und Medikamente weiter an Bord genommen werden dürfen. Technisch seien die Flüssigkeiten schwer zu entdecken. Bei dem in London vereitelten Terror-Komplott hätte Peroxid zum Einsatz kommen sollen, das nur schwer von Wasser zu unterscheiden sei, erklärte der österreichische Experte. (apa/red)

13.9.2006 13:03