Literaturnobelpreisträger Grass gesteht:
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Literaturnobelpreisträger gibt Beteiligung zu
Günter Grass hat neben seinem SS-Geständnis auch bekannt, dass er an die Existenz von Konzentrationslagern "anfangs nicht geglaubt" habe. Dies schilderte Grass erneut in einem Ö1-Interview. Zu den Vorwürfen, dass er seine SS-Vergangenheit so lange verschwiegen hatte, bekräftigte Grass, dass er bisher nicht darüber sprechen konnte: "Es lag bei mir wie verkapselt."
Zur Existenz der Konzentrationslager meinte Grass: "Ich hab es - auch das ist der Aberwitz und Zeichen dieser Verblendung - erst geglaubt, als mein ehemaliger Reichsjugendführer Baldur von Schirach beim Nürnberger Prozess, bei den Schlussplädoyers zugegeben hat, dass es diese Massenvernichtung gegeben hat." Es sei für Grass ein Schock gewesen, er habe das damals mit "diesem arroganten Satz 'Deutsche tun so was nicht' abgetan und das für Propaganda gehalten, erst einmal."
Am Tag der Kapitulation Deutschlands habe er sich "als geschlagen gesehen". "Was Freiheit war, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht."
Trotz der heftigen Kritik der vergangenen Tage und dem aufgekommenen Hass habe er das Bedürfnis, "dem standzuhalten". Sein gesamtes Leben sei der "permanente Wunsch" gewesen, "diesen Frühprägungen meiner Jugend zu entkommen." Seine Autobiografie sieht Grass als "schonungslose Bestandsaufnahme dieser jungen Jahre."
Nach dem Geständnis sei ihm jetzt leichter, er hoffe auch, dass am Ende das Buch für sich selbst sprechen werde. Grass verweist in dem Gespräch auf die Tatsache, dass sich das "nicht darüber reden können" auch bei Opfern niederschlage. So habe seine Mutter beispielsweise nie über die Vergewaltigungen durch die sowjetische Armee sprechen können, ebenso wenig wie der jüdische Theaterwissenschaftler Ivan Nagel, der "auch erst Jahrzehnte später darüber sprechen konnte."
Konkret auf seine Zeit in der Waffen-SS angesprochen, meint Grass: "Ich bin nicht einmal dazu gekommen, einen Schuss abzugeben. Und diese wenigen Tage des Verwickeltseins in etwas, dem ich zugeordnet worden war, diese Waffen-SS-Einheit gab mir zwar keine Schuld ein, aber eine Makelgefühl, als eine Schande hab ich das bei mir verkapselt in der Zeit." So bezeichnet Grass sein Mitwirken auch als "blödsinnigen Wunsch, rauszukommen aus der Enge des Elternhauses", der stärker war, als die Lektüre von Tolstois "Krieg und Frieden".
Dass man ihn stets als "politisches Gewissen oder als Wappentier der Nation bezeichnet hat", sieht Grass als Etikettierungen, "die von außen gekommen sind". Er sei auch dankbar dafür, dass ihm diese Titel nun in Abrede gestellt werden, da er sie nie für sich in Anspruch genommen habe. Dennoch werde er, so lange er "bei Puste" sei, seine Meinung sagen und dafür auch einstehen. (apa/red)
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