Flugzeug-Crash in der Ukraine: Russischer
Jet mit 170 Menschen an Bord abgestürzt!
- Auch 39 Kinder waren an Bord des Ferienfliegers
- Offenbar keine Überlebenden: BILDER des Unglücks

·Ukraine: Passagier- maschine abgestürzt
Bilder: 171 Menschen waren an Bord des Jets
·Die verheerendsten Flugzeugunglücke
Weltweit gibt es jedes Jahr Hunderte von Toten
·Alternde Tupolew bis heute ein Arbeitspferd
Mittelstreckenflugzeug sowjetischer Bauart
Sie sind gekommen, um für die Seelen der 170 Menschen zu beten, die bei dem Absturz einer russischen Passagiermaschine im Osten der Ukraine ums Leben gekommen sind. In ihren schwarzen Kutten blicken die orthodoxen Priester auf den Unglücksort nahe der Ortschaft Sucha Baka, an dem hunderte Einsatzkräfte in den weit zerstreuten Trümmern nach den sterblichen Überresten der 160 Passagiere und zehn Besatzungsmitglieder suchen.
Bis Mittwochnachmittag wurden die Überreste von 130 Leichen gefunden, teilte der russische Verkehrsminister Igor Lewitin am Mittwoch in der nahe gelegenen ukrainischen Industriestadt Donezk mit. Die Identifizierung der zumeist schwer verstümmelten Leichen wird schwer werden.
In Donezk sind bereits die ersten Angehörige der Absturzopfer eingetroffen. Wladimir aus der südrussischen Stadt Tuapse ist mit seiner Frau die ganze Nacht durch gefahren. Seine Schwester und seine Nichte waren an Bord der Tupolew Tu-154, die am Dienstag vom Ferienort Anapa am Schwarzen Meer nach St. Petersburg gestartet war. "Ich habe von dem Unglück im Fernsehen gehört", erzählt er, wobei ihm das Sprechen sichtlich schwer fällt. Danach hätten seine Frau und er sich sofort ins Auto gesetzt und seien zum Unglücksort gefahren. Wladimir ist müde von der langen Fahrt. Seine Hände zittern, während er eine Zigarette nach der anderen raucht. Psychologen kümmern sich an Ort und Stelle um unter Schock stehende Angehörige wie Wladimir.
Neuesten Angaben der Fluggesellschaft Pulkowo zufolge waren unter den 160 zumeist russischen Passagieren an Bord der Unglücksmaschine 45 Kinder unter zwölf Jahren. Ein Sprecher des Flugunternehmens sagte in St. Petersburg, auch zwei Deutsche sowie jeweils ein Passagier aus den Niederlanden, Frankreich und Finnland seien unter den Opfern. Die genaue Passagierliste des Fliegers stehe jedoch noch nicht fest. Die Ukraine rief am Mittwoch Staatstrauer aus. Die Flaggen an amtlichen Gebäuden wurden mit schwarzen Bändern behängt. Russland rief für Donnerstag einen Trauertag aus.
Die Unglücksursache ist nach wie vor unklar. Einen terroristischen Hintergrund schlossen die Behörden aus. Die zehnköpfige Besatzung der Tupolew hatte ein Notsignal gesendet; wenige Minuten später verschwand das Flugzeug von den Radarschirmen. Nach Erkenntnissen der ukrainischen Behörden hatte das Flugzeug ein Gewitter durchflogen. In 10.000 Metern Höhe sei dann ein Brand an Bord ausgebrochen. Die russischen Behörden gehen davon aus, dass schlechtes Wetter und ein Blitzeinschlag zu dem Absturz führten. Die russische Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen möglicher Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften ein. Die Ermittler vor Ort fotografierten am Mittwoch die Trümmer. Zudem sollen die beiden am Mittwoch gefundenen Flugschreiber Aufschluss über die Absturzursache geben.
Russische Medien machen nach dem schweren Unglück auf den schlechten Zustand vieler russischer Flugzeuge aufmerksam. Seit Beginn des Jahres wurden in Russland bereits 244 Menschen bei Flugzeugunglücken getötet. Beim Absturz einer armenischen Maschine im Mai waren alle 113 Menschen an Bord umgekommen, bei der missglückten Landung eines Airbus 310 einer sibirischen Fluggesellschaft starben im Juli 124 Menschen. "Russische Flugzeuge sind im Allgemeinen ziemlich alt", sagt der Historiker Jefim Gordon, der sich mit der russischen Luftfahrtgeschichte befasst. Die verunglückte Maschine sei aber offenbar in gutem Zustand gewesen. Ein Sprecher von Russlands drittgrößter Fluggesellschaft Pulkowo hatte versichert, die 1992 gebaute Unglücksmaschine habe allen Sicherheitsanforderungen entsprochen.
(apa/red)
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