Samstag, 26. August 2006

SPÖ startet in Intensiv-Wahlkampf: Partei- chef Gusenbauer rechnet mit Schüssel ab

  • Gusenbauers besonderer Dank an "Teamchef" Mama
  • Sozialdemokraten wollen mit Sozialthemen punkten

SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer hat seine Rede beim Wahlkampfauftakt der Sozialdemokraten zur Generalabrechnung mit der ÖVP und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel genützt. Der SP-Spitzenkandidat attestierte dem Regierungschef, dass dieser nie vorgehabt habe seine "vollmundigen Versprechen" auch einzuhalten. Das Einzige was tatsächlich gehalten habe sei gewesen, "gut auf seine Freunderln" zu schauen.

Aus diesem Grund sieht der SPÖ-Spitzenkandidat nun die Zeit für einen Wechsel in Richtung mehr Fairness gekommen: "Schüssel und seine Regierungsmannschaft sind zu arrogant um sich das einzugestehen, zu abgehoben um zuzuhören und zu kalt um sich über die Sorgen der normalen Menschen die Köpfe zu zerbrechen."

Gusenbauer selbst sieht sich hingegen durchaus in der Lage, das Land auf einen Kurs der sozialen Gerechtigkeit zu führen. An Versprechungen bot er unter anderem eine Halbierung der Jugendarbeitslosigkeit, eine Abschaffung der Studiengebühren sowie eine bestmögliche Gesundheits- und Pflegeversorgung, weil man dies der älteren Generation schulde.

Dank der "lieben Mama"
Auch ein paar Worte fürs Herz durften bei der Rede des SPÖ-Chefs nicht fehlen. In den Mittelpunkt wurde dabei Gusenbauers Mutter gerückt. Der SP-Chef dankte der "lieben Mama", die den Worten ihres Sohnes in der ersten Reihe lauschte, für alles was sie getan habe: "Du warst die beste Teamchefin bei uns zu Hause, die man sich vorstellen kann." Seine Mutter habe den Kindern das wichtigste fürs Leben mitgegeben - Entschlossenheit, Disziplin, Leistungsbereitschaft und Verlässlichkeit: "Als Bundeskanzler der Republik Österreich werde ich meine persönliche Erfahrung und die Werte, die mir meine Eltern mitgegeben haben, und die auch die ewigen Werte der Sozialdemokratie sind, einbringen."

Um das Ziel des Machtwechsels in Österreich zu erreichen appellierte Gusenbauer an seine Funktionäre jeden Tag für den Erfolg hart zu arbeiten: "Wir können, wir müssen, wir werden den Kurs in Richtung mehr Gerechtigkeit ändern", rief Gusenbauer dem Auditorium zu, das sich mit Standing Ovations für die Worte des Vorsitzenden bedankte. Während der Ansprache war der Funke auf das Publikum freilich nicht immer in diesem Ausmaß übergesprungen.

In ihren Statements warben Wiens Bürgermeister Michael Häupl und die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller für eine Wahl des Parteivorsitzenden und warnten eindringlich vor vier weiteren Jahren unter einer ÖVP-Kanzlerschaft.

Intensiv-Wahlkampf gestartet
Die SPÖ ist damit als erste Partei offiziell in den Intensiv-Wahlkampf gestartet. Nach dem Auftakt-Event in der Wiener Stadthalle mit etwa 2.000 Teilnehmern wird sich Parteichef Alfred Gusenbauer bis zum Wahltag auf eine "Tour de Chance" durchs Land begeben, führte Wahlkampfleiter Norbert Darabos aus.

Konzentrieren will man sich bei der SPÖ in erster Linie auf den Spitzenkandidaten. Gusenbauer bekommt eine eigene Homepage (http://www.alfred-gusenbauer.at) verpasst, auf der der Spitzenkandidat in Wort und Bild vorgestellt wird und sowohl politische als auch private Präferenzen (Manner Schnitten oder Burenhaut?) kundtun darf. Gestützt wird diese Internet-Kampagne durch einen Relaunch der offiziellen Parteiseite (http://www.spoe.at) mit "Gambereich mit Niveau" (Memorial in SchwarzBlauOrange) sowie durch die beiden jungen Websites http://www.jungerote.at bzw. http://www.unterfreunden.at.

SP-Chef tourt durchs ganze Land
Gusenbauer soll aber auch wieder höchst selbst auf Reisen gehen. Wie schon bei seiner "Startklar"- und seiner "Berg"-Tour wird er in den nächsten fünf Wochen quer durchs Land fahren, um sich die Nöte der Bürger anzuhören, während sich andere lieber in den "Elfenbeinturm auf dem Ballhausplatz" zurückzogen, setzte Darabos eine Spitze gegen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Unterbrochen wird die Tour nur durch die großen Fernsehauftritte.

Bisher sei man in der Wahlauseinandersetzung jedenfalls gut unterwegs, meinte der Bundesgeschäftsführer. Man habe vom Rückstand auf die ÖVP schon etwas aufholen können, vorne sei man aber noch nicht, schränkte Darabos ein. Den nächsten Kick soll der Auftakt in der Stadthalle geben, wo neben Gusenbauer Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller und der Wiener Bürgermeister Michael Häupl die Rednerliste füllen. Als Showacts vorgesehen sind Opus und die Edlseer, die schon Franz Voves zum steirischen Landeshauptmann gesungen haben.

SPÖ setzt auf Sozial-Themen
Inhaltlich will man sich seitens der SPÖ weiter vor allem auf die Themen Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Zukunft der Gesundheitspolitik, Bildungspolitik, Pensionen und gerechte Wohlstands-Verteilung konzentrieren. Dabei ist man auch erpicht die Unterschiede zur ÖVP möglichst deutlich darzustellen, etwa im Pflegebereich. Während die SPÖ ein großes Programm mit ihrem Pflegefonds präsentiert habe, gebe es von der Volkspartei gerade einmal einen Arbeitskreis, kritisierte Bundesgeschäftsführerin Doris Bures: "Wer Wolfgang Schüssel wählt, wählt den Pflegenotstand in Österreich." Einmal mehr prophezeit wurde von Bures, dass die ÖVP nach dem Urnengang Pkw-Maut und Schulgeld einführen sowie das österreichische Wasser verkaufen wolle.

Lopatka: "Tour der Lügen und Leiden"
Für ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka wird die Wahlkampf-Tournee von Gusenbauer keine "Tour de Chance", sondern (in Anspielung auf die Tour de France) eine "Tour der Lügen und Leiden". Außerdem beschuldigt der ÖVP-Politiker die SPÖ des "Dopings": "Noch immer besteht der begründete Verdacht, dass die SPÖ mit Hilfe des ÖGB bzw. der BAWAG finanziell gesund gespritzt wurde", so Lopatka in einer Aussendung - ohne seinen Verdacht allerdings zu begründen.

(apa/red)

26.8.2006 07:30