Donnerstag, 24. August 2006

NEWS über neue rote Rezepte: Wie die SPÖ das ÖVP-ORF-Wahldebakel jetzt nützen will!

  • Gusenbauer reist mit "Alternativkonzept" durchs Land
  • Burgstaller: Werden mit "unseren Themen punkten"

Neue rote Rezepte: Wie die SP das VP-ORF-Wahldebakel jetzt nützen will. Gusenbauer soll nun in den kommenden Wochen für den ihm so wichtigen Sieg gegen Schüssel das ganze Land bereisen. Um möglichst vielen Österreichern seine "Alternativkonzepte näher zu bringen".

Der unfassbaren Überheblichkeit der ÖVP, dem Nimbus der Unbesiegbarkeit von Wolfgang Schüssel, wurde mit der ORF-Wahl endgültig ein Ende gesetzt", freut sich Wiens Bürgermeister Michael Häupl im NEWS-Interview. Der mächtige Rote, der noch vor wenigen Wochen - am Höhepunkt des Bawag-Skandals - fast schon resignativ wirkte und nicht mehr an den Sieg seiner Partei glaubte, gibt der SPÖ nun wieder "reale Chancen" auf den ersten Platz.

Der überraschende Sieg des SP-nahen Kandidaten Alexander Wrabetz gegen Kanzler Wolfgang Schüssels Kandidatin Monika Lindner um den ORF-Generaldirektorsposten hat der SPÖ den so nötigen "Motivationsschub", wie es Salzburgs SP-Landeshauptfrau Gabi Burgstaller so treffend formuliert, gegeben.

Rote (Schaden-)Freude
Nach Wochen der Negativschlagzeilen, der inneren Zweifel, der Lethargie in der eigenen Basis und last, but not least des Umfrageabsturzes konnte die SPÖ erstmals seit Jahren ihrem Hauptgegner Wolfgang Schüssel eine empfindliche Niederlage verpassen. Das schwarze ORF-Waterloo, zu dem sich jetzt auch noch die Pflege-Affäre in der Familie Schüssel gesellt, lässt SP-Chef Alfred Gusenbauer wieder hoffen, dass er es doch noch schaffen könnte, nach der Nationalratswahl am 1. Oktober als Bundeskanzler am Ballhausplatz vorfahren zu können. Dass der Kanzler zum ersten Mal seit 2000 wieder so richtig im Eck ist und plötzlich eine Pleiten-, Pech-und Pannen-Serie fünf Wochen vor der Nationalratswahl durchlebt, ließ auch die Stimmung der roten Granden bei ihrer Präsidiumsklausur im salzburgischen Saalfelden nicht unbeeindruckt. Eine kräftige Portion Schadenfreude mischte sich zur neuen Hoffnung, dass die SPÖ doch noch Platz eins erringen könnte.

ÖVP-Vorsprung verringert
Die neueste NEWS-market-Umfrage verdeutlicht, dass der neue rote Optimismus nicht unbegründet ist: Die ÖVP stürzt in der Sonntagsfrage schließlich von 40 auf 38 Prozent ab, während die SPÖ zwei Prozentpunkte gewinnt und nun wieder auf 36 Prozent kommt. Häupl freut sich denn auch, dass der "Abstand immer geringer wird". Ein leichtes Unterfangen wird die rote Aufholjagd dennoch nicht. In der SPÖ setzt man nun auf eine Doppelstrategie: Einerseits, erzählt ein Roter, wolle man die "ÖVP vor uns hertreiben, damit sie weitere Fehler machen", andererseits will die Sozialdemokratie mit "unseren Themen punkten", wie Burgstaller erzählt.

Gusenbauer soll nun in den kommenden Wochen für den ihm so wichtigen Sieg gegen Schüssel das ganze Land bereisen. Um möglichst vielen Österreichern seine "Alternativkonzepte näher zu bringen". Auf ihrer Präsidiumsklausur haben sich die roten Granden jedenfalls darauf geeinigt, sich auf ihre "Kernthemen" zu konzentrieren. Ab nun sollen die "sozialen Fragen" im Mittelpunkt stehen. Mittels versprochener "Steuerentlastung von 500 Euro im Jahr für drei Millionen Österreicher" (SP-Finanzsprecher Christoph Matznetter) will die SPÖ den heiß begehrten Mittelstand für sich ködern. Zudem verspricht die SPÖ jede Menge Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit und den Pflegenotstand in Österreich.

Dass diese inhaltliche Offensive allein nicht reichen wird, wissen Gusenbauer und Co freilich. "Dass wir in der Inszenierung nicht immer glücklich agieren, stimmt leider", gibt denn Häupl auch offen zu. Ab jetzt sollen aber "Feuer und Visionen" transportiert werden, erklärt ein roter Stratege.

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24.8.2006 10:47