Donnerstag, 24. August 2006

Uni-Jagd auf die falschen Doktoren: Schon 12 Akademiker mussten Titel zurücklegen!

  • NEWS: Unis machen mit neuer Software richtig mobil
  • Weber: 'Mickymaus-Forschung ist ein echter Skandal'

Diplomarbeits-Skandal: Zwölf heimische Akademiker mussten schon ihren Titel zurücklegen. Und nun machen die Unis mit neuer Software so richtig mobil.

Es war das beherrschende Thema der universitären Sommerdiskussion: der Fall der 28-jährigen Steirerin Elisabeth N., deren Magisterarbeit mit dem klingenden Titel "Wickie und die starken Männer" mit der Note "Sehr gut" beurteilt worden war - und im Nachhinein als Plagiat entlarvt wurde. Die Publizistikabsolventin hatte zahlreiche Passagen ihrer Arbeit aus dem Internet oder Büchern übernommen. Die meisten Quellen hatte die angehende Magistra freilich nicht angegeben.

Obwohl die Beschuldigte mittlerweile bereits ein Gegengutachten in Auftrag gegeben hat, ist die unsaubere Arbeitsweise der Akademikerin nicht ohne Folgen geblieben: Elisabeth N. wurde von der Uni Klagenfurt, an der sie eine Assistentenstelle innehatte, entlassen. Die Aberkennung des Titels steht demnächst bevor.

Jeder dritte schummelt
Der "Wickie-Skandal" ist freilich nur die Spitze eines Eisbergs. Denn Plagiate sowie falsch oder gar nicht zitierte Seminar-und Diplomarbeiten und Dissertationen gehören längst ebenso zum universitären Alltag wie Massenaufnahmetests und überfüllte Hörsäle. Experten gehen davon aus, dass bereits jede dritte Arbeit wissentlich nicht richtig zitiert wird. "Diese Mickymaus-Forschung ist ein echter Skandal", betont Stefan Weber.

Der Medienwissenschaftler spricht aus Erfahrung: Seine eigene Dissertation wurde bereits dreimal abgekupfert - seither macht sich der Salzburger regelmäßig auf die Suche nach Plagiaten. Die bisherigen Folgen von Webers Recherchen: insgesamt zehn aberkannte Titel im deutschsprachigen Raum, fünf davon hierzulande.

Auch andere Lehrende scheinen vermehrt ein Auge auf mitunter fragwürdige studentische Arbeitsweisen zu haben. In Österreich mussten in den letzten zwei Jahren deshalb insgesamt zwölf Akademiker ihren Titel aufgrund falsch erworbener Arbeiten zurücklegen.

Unis machen mobil
Um Schummelstudenten hinkünftig besser das Handwerk legen zu können - bislang regierte vor allem "Kommissar Zufall" -, rüstet die Alma Mater jetzt auf: Mittels spezieller Computerprogramme werden auffällige Arbeiten durch Internetsuchmaschinen geschickt. Am Institut für Politikwissenschaft der Uni Innsbruck etwa ist seit kurzem das System "docoloc" im Einsatz.

Maßnahmen, die dringend notwendig sind, denn Studenten lassen sich einiges einfallen, um zum begehrten akademischen Titel zu kommen. Die beliebteste Schummelhilfe: das Internet. "Mit wenigen Befehlen können ganze Textpassagen aus dem Internet übernommen werden - ohne intellektuelle Eigenleistung", betont Stefan Weber, der dem Trend zum Plagiat jetzt sogar ein Buch ("Das Google-Copy-Paste-Syndrom") gewidmet hat.

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24.8.2006 10:59