Mittwoch, 23. August 2006

Pflegedebatte um Schüssel entbrannt: Kanzler ist sich selbst keiner Schuld bewusst

  • Hat er Pflegerin nur zwei Euro pro Stunde bezahlt?
  • "Wer sich matchen woll, soll es direkt mit mir tun"
    Plus: Slowakische Pflegehilfe für Heinz Fischers Vater

Bundeskanzler Schüssel hat erstmals persönlich zur aktuellen Pflegedebatte um seine verstorbene Schwiegermutter Stellung genommen. "Wer sich mit mir matchen will, soll es direkt mit mir aufnehmen und nicht mit meiner angeheirateten Verwandtschaft, die nichts dafür kann", sagte der Kanzler.

Die Fakten sind für Schüssel klar: Seine Schwiegermutter sei nach einer schwierigen Operation vor zwei Jahren für einige Monate zu Hause von einer Mitarbeiterin einer ausländischen Hilfsorganisation betreut worden. Eingefädelt habe das seine Schwägerin auf Empfehlung des Krankenhauses. Weder er noch die Familie seien sich irgendeiner Schuld bewusst. "Meine Schwiegermutter, die ja kein Pflegefall war, war auch sehr zufrieden", sagte Schüssel zu den "Salzburger Nachrichten".

Die in diesem Zusammenhang aufgestellte Rechnung, wonach die Helferin nur eine minimale Bezahlung von 2 oder 3 Euro pro Stunde erhalten habe, wies Schüssel zurück. Neben der Summe, die seine Schwägerin dem Hilfsverein bezahlt habe, seien auch Kost und Logis bereitgestellt worden.

Zur grundsätzlichen Debatte meinte Schüssel, ihm sei klar, dass ein Problem mit Arbeitskräften im Pflege- und Betreuungsbereich in Österreich bestehe. Er werde deshalb Wirtschafts- und Arbeitsminister Bartenstein bitten, Verhandlungen mit den Sozialpartnern darüber aufzunehmen, die noch fünf Jahre lang laufende Sperre für osteuropäische Arbeitnehmer für diesen speziellen Bereich aufzuheben. "Das könnte in wenigen Monaten geschehen", sagte Schüssel den SN. Dazu kämen verstärkte Ausbildungsmaßnahmen und eine Änderung des Hausangestelltengesetzes.

Slowakische Pflegehilfe für Fischers Vater
In der aktuellen Pflege-Debatte berichtet jetzt der "Kurier", dass der Vater von Bundespräsident Heinz Fischer lange von einer slowakischen Pflegerin betreut wurde. Fischers Pressemann Bruno Aigner teilt dazu mit, dass die Schwester des jetzigen Bundespräsidenten den Haushalt des Vaters geführt und dessen Betreuung in dessen letzten Lebensjahren organisiert habe.

Und diese Schwester berichtet dem "Kurier" auf Anfrage, dass sie für ihren Vater zunächst über die Caritas und ein Spital Pflegerinnen organisiert, dann aber über Bekannte von einer slowakischen Pflegerin erfahren habe. "Die war so verlässlich, und mir war so wichtig, dass es meinem Vater gut geht und er zu Hause ist", sagt Edith Stumpf . Die Pflegerin habe 1.000 Schilling pro Tag erhalten, das sind 30.000 Schilling pro Monat (Stundenlohn umgerechnet: drei Euro pro Stunde) plus Weihnachts- und Urlaubsgeld. Gute Rund-um-die-Uhr-Pflege sei nicht leicht zu bekommen, sagt Stumpf, die Fischers Vater auch selbst betreute. (apa/red)

23.8.2006 07:51