Freitag, 18. August 2006

Capri wird fast von Touristen erdrückt:
18.000 Gäste pro Tag sollen Eintritt zahlen

  • Tagestouristen hinterlassen nur Müll, kein Geld
  • Zu viele Menschen für die zehn Quadratmeter-Insel

Capri will die Tagestouristen jetzt zur Kasse bitten. Rund 18.000 fallen täglich auf die italienische Trauminsel ein. Laut "Corriere della Sera" sollen die Fremden bereits in Kürze eine Art "Eintrittsgeld" zahlen, wenn sie zum Kurzbesuch mit dem Schiff auf dem Eiland landen.

"Capri erhebt für die Armen unter den Touristen eine Abgabe", kommentiert das Blatt am Freitag. Zahlen sollten jetzt auch diejenigen, "die am Morgen kommen und am Abend gehen und nur ein paar Cent, aber dafür umso mehr Abfall auf der Insel lassen", schreibt die Zeitung. Unklar war zunächst, wie hoch der Beitrag ausfallen soll.

Capri wird erdrückt
Tatsächlich stöhnt die lediglich zehn Quadratkilometer große Insel seit Jahren unter dem zunehmenden Ansturm der "Eintagsfliegen" unter den Fremden. Diese würden die engen Wege und Gassen der Insel verstopfen, die umhegten Luxustouristen verärgern und letztlich zum Niedergang der Trauminsel mit der Blauen Grotte beitragen.

Dichter und Revolutionäre
Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war das Eiland vor allem ein Refugium für Künstler und Intellektuelle aus der ganzen Welt, die sich dort oftmals Monate und Jahre lang niederließen. Zu den illustren Gästen zählten der russische Dichter Maxim Gorki sowie seine deutschen Kollegen Theodor Fontane, Gerhart Hauptmann und Rainer Maria Rilke. Zu den bekanntesten Gästen gehörten der russische Revolutionär Lenin und der Großindustrielle Alfred Krupp, nach dem noch heute einer der schönsten Straßen Capris benannt ist.

Toursimus seit 180 Jahren
Ausgelöst wurde der Capri-Tourismus ebenfalls durch einen Deutschen: Der Maler und Reiseführer August Kopisch "entdeckte" im Jahr 1826 die Blaue Grotte und schwärmte von der bizarren Stimmung in der "Meereshöhle".
(APA/red)

18.8.2006 12:18