Wenn ein Präsident das Bloggen entdeckt: Irans Ahmadinejad startet eigenes Weblog
- Harte Jugend, schmiedender Vater und Nasenbluten
- Dank dem Internet: Ahmadinejad für jedermann

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Warum soll Bloggen bloß Normalbürgern vorbehalten sein? Warum sollen nur gewöhnliche Menschen via Internet die ganze Welt über Hunger, Schlaflosigkeit und Blähungen informieren? Vielleicht dachte sich das Irans Präsident Ahmadinejad, denn dieser startete unlängst sein eigenes Weblog.
Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat ein eigenes Weblog gestartet. In seinem ersten Eintrag erzählt der Erzfeind der USA von seiner Jugend in Armut - und wie er sich schon in der Volksschule über das Verhalten des damaligen Schahs gegenüber US-Amerikanern geärgert habe. "Ich realisierte, dass der Scheich eine weitere Seite zu der bösartigen Krankengeschichte hinzufügen wollte, die in der Demütigung und Beleidigung des iranischen Volks gegenüber den Amerikanern bestand", schrieb Ahmadinejad. Leser seiner Zeilen fragt der Präsident unter Verweis auf den Libanon-Krieg, ob die USA und Israel wohl einen neuen Weltkrieg starten wollten. Besucher des Weblogs können mit "Ja" oder "Nein" abstimmen.
Haft für Blog
Blogs sind im Iran inzwischen weit verbreitet - stehen aber unter strenger Regierungskontrolle. Viele Seiten werden gesperrt, sei es wegen angeblich unzüchtiger oder schlicht allzu regierungskritischer Inhalte, berichtet "Spiegel Online". Schlimmstenfalls drohen bis zu fünf Jahre Haft.
Nasenbluten beim Eignungstest
Ahmadinejad bemühe sich auch um einen persönlichen Tonfall, betont "Spiegel Online" weiter. Der Präsident beschrieb seine harte Jugend - und hob gleichzeitig schulische Erfolge hervor. In seinem Universitäts-Eingangstest sei er unter 400.000 Teilnehmern auf Platz 132 gelandet - und das, obwohl er "währenddessen Nasenbluten hatte".
Mein Vater, der Schmied
Er sei "in einer armen Familie in einem abgelegenen Dorf" geboren worden, in einer Zeit, in der "das Leben in der Stadt als Perfektion betrachtet worden" sei. Sein Vater, ein "arbeitsamer Schmied" sei schließlich gezwungen gewesen, nach Teheran überzusiedeln, obwohl ihn "das Schillern der Welt" nie angezogen habe, so der Präsident.
Standhafter Student
Wegen der großen Armut habe Ahmadinejads Vater schließlich den Lebensunterhalt der Familie nicht mehr bestreiten können, und er habe deshalb angefangen, in einem Betrieb zu arbeiten, der Teile für Klimaanlagen herstellte. Drei Jahre vor der Revolution sei er schließlich als Student der Ingenieurswissenschaften in die Technische Universität von Teheran eingetreten. Die Mehrzahl der Studenten dort hätte den Versuchen des "blutdurstigen Schahs" widerstanden, "Unmoral, Promiskuität und Perversion" in die Universitäten des Irans zu bringen.
Die Macht des Bösen
In seinem eigenen Blog berichtet Ahmadinejad außerdem sehr ausführlich von der Geschichte seines Landes, preist Revolutionsführer Ayatollah Khomeini. Er beschreibt die Errichtung des muslimischen Gottesstaats und die angeblichen Versuche von "Terroristengruppen", das neue Staatswesen zu stören. Hinter solchen Versuchen habe stets der "Große Satan USA" gestanden, behauptet er.
Ahmadinejad für jedermann
Politischen Beobachtern zufolge könnte der Internetauftritt Ahmadinejads darauf abzielen, im Ausland mehr Unterstützung für seine anti-amerikanische Politik zu gewinnen. In der islamischen Welt werde durchaus Sympathie für die politische Haltung Ahmadinejads gehegt, sagte ein Experte. Das Blog kann unter www.ahmadinejad.ir in Persisch, Arabisch, Englisch und Französisch gelesen werden. (APA/red)
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