Sonntag, 20. August 2006

Um akute Finanzkrise zu mildern: Großer Räumungsverkauf beim ÖGB voll im Gange

  • FORMAT: Zahlreiche Interessenten für City-Zentrale
  • Neuer Standort für Gewerkschaft dringend gesucht

Die Immobilien des ÖGB stehen jetzt gleich zweifach im Fokus. Neben anderen Objekten muss auch die Zentrale - eines der wertvollsten Objekte im ÖGB-Immobilienportfolio - verkauft werden. Die Gewerkschaft sucht nun einen neuen Standort.

Der erste Schritt für den Verkauf der unauffälligen Zentrale in der noblen Wiener City wurde vor ein paar Tagen getätigt. In einem kurzen Schreiben fordert der ÖGB Interessenten auf, bis 6. September bei der für den Prozess beigezogenen Wiener Immobilienberatungsfirma Consultus Realconsulting ein Offert für die Liegenschaft abzugeben. Mindestpreis wurde keiner genannt.

Adressiert wurde der Brief an eine Hand voll Investoren, vor allem jene, die schon im Vorfeld Interesse an den ÖGB-Immobilien und der Zentrale anmeldeten. Zu diesen zählen unter anderen: ein Unternehmen des Wiener Immobilientycoons Karl Wlaschek, die niederländische Immobiliengruppe Van-Herk sowie ausländische Maklerbüros, die internationale Hotelketten wie Mandarin Oriental mit Sitz in Hongkong und die US-Kette Four Seasons vertreten.

Dass die Kauflust an der ÖGB-Zentrale derart groß ist, überrascht kaum: Neben der Adresse Schottenring 14 gelangt auch das ebenfalls im ÖGB-Eigentum stehende Grundstück Hohenstaufengasse 12 zum Verkauf. Derzeit ist die Liegenschaft eine Baustelle, da der ÖGB das alte Haus abreißen ließ und ein modernes Bürogebäude errichten wollte. Später wurde das Bauvorhaben aber wieder gestoppt. In Summe ergibt der Häuserkomplex immerhin eine Nutzfläche von rund 15.000 Quadratmetern.

Die gähnende Leere in der ÖGB-Kasse zwingt dazu, den traditionellen Standort gleich zur Gänze aufzugeben. Die Überlegungen bei Hundstorfer und Konsorten gehen mittlerweile sogar noch weiter: Alle Teilgewerkschaften sollen ihren bisherigen Sitz verlassen und gemeinsam mit der Zentrale und der dort angesiedelten Gewerkschaft Textil und Post in ein gemeinsames Gebäude übersiedeln. Das einfache Kalkül dahinter: Mit nur einem Standort können Kosten gespart werden.

Derzeit wird bereits eifrig Ausschau nach einer ausreichend dimensionierten Liegenschaft gehalten. Gesucht wird ein 25.000 Quadratmeter großes Bürogebäude, das Platz für 1.000 Beschäftigte bieten muss.

Gute Chancen auf die Ansiedelung des neuen ÖGB-Sitzes werden beispielsweise dem Standort TownTown in Wien-Erdberg eingeräumt. Der derzeit von den Kärntner Bauunternehmern Hanno und Erwin Soravia gemeinsam mit den Wiener Stadtwerken konzipierte neue Stadtteil schaffte es jüngst nicht, die OMV als Großmieter zu gewinnen und hätte für den Gewerkschaftsbund ausreichend Kapazität.

Neben TownTown sollen außerdem ein Projekt der Porr und BA-CA in Wien-Döbling, ein Grundstück in der Schlachthausgasse im dritten Wiener Gemeindebezirk, das von der Wien Holding initiierte Stadtentwicklungsgebiet nahe dem Wiener Prater sowie eine von Mautner Markhof Immobilien angebotene Lage in Wien-Simmering im Gespräch sein. Clemens Schneider: "Wir entscheiden noch im Sommer über einen möglichen Standort. Den Beschluss, ob wir überhaupt an eine gemeinsame Zentrale ziehen, müssen jedoch noch die Gremien fällen."

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20.8.2006 09:38