Air Berlin kauft Konkurrenten dba: Flug- linie will mit Übernahme Wachstum sichern
- Vorstandschef: "Streckennetze ergänzen sich super"
- Niki Lauda freut sich über stärker gewordenen Partner

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Die deutsche Billigfluggesellschaft Air Berlin übernimmt ihren Konkurrenten dba und verringert damit den Rückstand auf den Marktführer Lufthansa. "Wir konnten uns die Chance, unseren Wunschpartner zu gewinnen, nicht entgehen lassen", sagte Air-Berlin-Vorstandschef Joachim Hunold am Donnerstag. Der Kaufpreis liege im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Bis 2008 soll der Deal Kosteneinsparungen in Höhe von 71 Mio. Euro bringen, vor allem beim Einkauf, bei Marketing und in der Verwaltung.
Air Berlin ist mit 24 Prozent an Niki Laudas Airline "Niki" beteiligt. Für Lauda ist die Übernahme "optimal": "Das bedeutet, dass mein Partner stärker geworden ist", sagte der frühere Formel-1-Weltmeister am Donnerstag zur APA. Finanziell habe er sich nicht beteiligt.
Der Kaufpreis könne komplett aus den eigenen Barmitteln gestemmt werden, eine Kapitalerhöhung sei dazu nicht notwendig, so Hunold. Mit der Übernahme der Münchener dba will Air Berlin ihr Wachstum sichern und den Anteil der Geschäftsreisenden deutlich erhöhen. Vor allem an den Flughäfen München und Düsseldorf hätte seit Frühjahr börsenotierte Air Berlin aus eigener Kraft nicht mehr wachsen können. "Die Streckennetze von Air Berlin und dba ergänzen sich hervorragend, weil es keine Überschneidungen gibt", erklärte er. Ein Personalabbau ist laut Hunold bisher nicht geplant: "Wir sind in einer Wachstumsphase".
Die aus der deutschen Tochter von British Airways hervorgegangene dba bietet überwiegend innerdeutsche Flüge an, Air Berlin fliegt fast ausschließlich Ziele in Europa an. Ab dem 1. April 2007 wollen die beiden Billigflieger einen gemeinsamen Sommerflugplan auflegen. Bereits die Flugpläne für diesen Winter sollten aufeinander abgestimmt werden. Hunold will dba zwar als eigenständige Gesellschaft unter dem Konzerndach weiterführen, sie soll aber unter dem Namen Air Berlin am Markt auftreten.
Gemeinsam peilen die beiden Fluggesellschaften in diesem Jahr 20 Millionen Passagiere an. Damit verringert sich zwar der Abstand zur Deutschen Lufthansa, die größte deutsche Fluggesellschaft hat mit mehr als 50 Millionen Gästen die Nase aber wesentlich weiter vorn.
An der Börse hoben die Air-Berlin-Aktien heute ab. Kurz nach Handelsbeginn kletterten sie um fast zehn Prozent auf 10,80 Euro, später lagen sie noch 8,4 Prozent über Vorjahr. "Das ist ein positiver Deal für Air Berlin. Sie ergänzen sich gut, da dba eher Geschäftskunden fliegt", sagte ein Händler. Analyst Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz sprach von hohen Synergieeffekten und einer deutlich besseren Marktposition für Air Berlin. "Air Berlin steigt durch die Übernahme zum führenden deutschen Wettbewerber im europäischen Billigfliegermarkt auf."
Der Kauf muss noch vom Kartellamt genehmigt werden. Dort sei bisher keine Anmeldung eingegangen, sagte eine Sprecherin der Behörde. Ob und wann es zu einer Genehmigung komme, sei noch offen.
Im zweiten Quartal bescherte Air Berlin seinen Aktionären ein deutlich höheres Ergebnis als im Vorjahr. Unter dem Strich schrieb Air Berlin 30,1 Mio. Euro Gewinn, nachdem ein Jahr zuvor noch ein Verlust von 4,2 Mio. Euro zu Buche gestanden hatte. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) verfünffachte Air Berlin auf 44,8 (8,8) Mio. Euro. Der Umsatz legte von April bis Juni auf 401 (330) Mio. Euro zu.
"Im dritten Quartal erwarten wir bei gleich bleibenden Rahmenbedingungen sowohl operativ als auch unter dem Strich noch bessere Ergebnisse", kündigte Hunold an. Im laufenden Jahr will die Fluggesellschaft nach zwei Verlustjahren einen "deutlichen Gewinn" schreiben. Die dba-Übernahme werde das Ergebnis nicht belasten.
Die Münchener dba, die Anfang des Jahres überraschend die Mehrheit am Ferienflieger LTU gekauft hatte, erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2005/06 (per Ende März) mit 29 Flugzeugen einen Umsatz von 404 Mio. Euro. LTU bleibt im Mehrheitsbesitz von Wöhrls Beteiligungsfirma Intro. Sie will ihre Zusammenarbeit mit dba und Air Berlin aufrechterhalten.
Air Berlin betreibt eine Flotte mit 58 Maschinen und schrieb 2005 einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro. Die Berliner waren im Mai nach einigen Turbulenzen an die Börse gegangen und hatten damit knapp 200 Mio. Euro eingenommen, wesentlich weniger als erwartet.
(apa)
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