17.8.2006 14:48

'Kritik nach solcher Leistung berechtigt:'
Hickersberger nach Ungarn-Pleite demütig

  • Ziel bleibe aber Erreichen des EM-Viertelfinales
  • Sei routiniert genug, um mit Buhrufen umzugehen

Österreichs Team-Fußballer müssen weiter auf das erste Erfolgserlebnis in diesem Jahr warten. Dem 0:2 gegen Kanada und dem 1:4 gegen Kroatien im Frühjahr ließen sie in Graz gegen Ungarn ein 1:2 folgen. Josef Hickersberger, der über das Resultat natürlich wie alle "riesig enttäuscht" ist, zeigte am Tag danach Verständnis für die Medien. "Die Kritik ist berechtigt nach solchen Leistungen, auch in dieser Schärfe", sagte der ÖFB-Teamchef in Wien.

Auf der Heimfahrt hatte er lange Zeit gehabt, das dritte Länderspiel seiner zweiten Amtszeit nochmals Revue passieren zu lassen. Wegen einer gesperrten Autobahn-Abfahrt in Tullnerbach-Pressbaum war er zu Umwegen gezwungen gewesen. "Ich verbrachte eine schlaflose Nacht, Gott sei Dank war sie durch die längere Reise kürzer", gestand der Niederösterreicher, der gegenüber der Kroatien-Partie ein "etwas besseres Defensiv-Verhalten und eine bessere Organisation" ausgemacht hatte.

Pogatetzscher Sekunden-Schlaf besiegelte Schicksal
Nach dem 0:1 durch einen Sekunden-Schlaf von Pogatetz war die Schlüsselszene für den 58-Jährigen der verschossene Elfer von Sanel Kuljic ("lieber hätte ich zum 1:1 verwandelt als per Kopf auf 1:2 zu verkürzen"), dem dann fast postwendend das 0:2 folgte. Der Teamchef begründete dies so: "Weil die Mannschaft nach den zwei Niederlagen das Gefühl nicht los werden konnte, es gelingt wieder nichts." Mit solch psychologischen Situationen seien schon stärkere und routiniertere Teams nicht fertig geworden, fügte er hinzu.

Unter dem Strich der Analyse steht jedoch: Die ÖFB-Auswahl hat fehlerhaft nach vorne gespielt, wollte zu viel durch die Mitte, wo die guten Ungarn auf Fehler des Gegners für Konter gelauert haben, und zu wenig über die Flanken. "Die Mannschaft ist derzeit nicht in der Lage, einen Rückstand wegzustecken und guten Fußball zu spielen", nannte "Hicke" eine seiner derzeitigen Hauptsorgen, legte jedoch gleichzeitig ein Bekenntnis für seine Truppe ab. "Ich verteidige sie mehr als sie das selbst auf dem Feld tut."

Ziel bleibt weiter EM-Viertelfinale
Aber: "Mit der Zeit, die ein Freund von mir ist, werden wir unsere Probleme in den Griff bekommen, in zwei Jahren eine viel bessere Mannschaft haben. An der Zielsetzung hat sich nichts geändert, am Erreichen des EM-Viertelfinales wird nicht gerüttelt," erklärte der Krankl-Nachfolger, nach dem in Graz etliche Spieler weit unter ihren Möglichkeiten geblieben waren. Das Fehlverhalten würde intern besprochen, das Einzelgespräch gesucht.

Die "Hicke raus"-Rufe von den Tribünen der UPC-Arena waren für ihn natürlich "alles andere als angenehm." Er sei aber alt und routiniert genug, um damit umgehen zu können und hofft, dass dies auch seine Schützlinge tun. Der Teamchef hatte schon vor der Italien-WM 1990 und zuletzt als Rapid-Trainer ähnliche Situationen erlebt. Damals habe es auch einige Zeit gedauert, er werde der Mannschaft Mut machen und ihre Zeit geben. "Ich kann nicht von Leuten wie Leitgeb oder Prager verlangen, dass sie wie einst Prohaska und Co. spielen."

"Hicke" nimmt Ivanschitz in Schutz
Und die derzeitigen Routiniers seien eben momentan nicht in der Lage, in einer Krisensituation wie einem 0:2 den jungen Spielern Rückhalt zu geben und sie zu führen. "Da muss eben ein Martin Stranzl mehr aus sich heraus gehen, auf dem Feld die Kommandos geben", sagte der Teamchef, der seinen farblos gebliebenen Kapitän Andreas Ivanschitz in Schutz nahm. "Er hatte eine ganz schlechte Vorbereitung, ist wegen seines Transfers nach Athen erst kurz vor Mitternacht im Teamcamp eingetroffen."

Der Neo-Grieche war natürlich mit der Teamleistung nicht zufrieden. "Es war ein schlechtes Spiel, das sind nicht unsere Ansprüche. Nach dem 0:1 haben wir wieder die Köpfe hängen lassen, gab es kein Aufbäumen", meinte er und rief das langfristige EM-Ziel in Erinnerung: "Wir dürfen den Weitblick nicht verlieren, der Fokus ist auf 2008 zu richten und dem ist alles unterzuordnen. Wir müssen unseren gemeinsamen Weg finden und das Publikum wieder für uns gewinnen. Jetzt haben wir keinen Druck, der kommt erst zwei Wochen vor der EURO", betonte der Burgenländer.

ÖSTERREICH - UNGARN 1:2 (0:2)
Grazer UPC-Arena, 12.000, SR Richard Havrilla (SVK)

Torfolge: 0:1 (11.) Gera, 0:2 (37.) Horvath, 1:2 (74.) Kuljic

ÖSTERREICH: Payer (46. Macho) - Standfest, Stranzl, Feldhofer, Pogatetz (46. Katzer) - Leitgeb, Scharner (86. Ertl), Aufhauser (79. Mörz), Ivanschitz (61. Prager) - Junuzovic (46. Wallner) - Kuljic

UNGARN: Kiraly (46. Fülöp) - Feher, Eger, Juhasz, Halmosi (61. Löw) - Gera (89.Kabat), Horvath (79. Kiss), Molnar, Dardai, Huszti - Szabics (58. Sowunmi)

Gelbe Karten: Kuljic, Prager, Scharner, Wallner bzw. Juhasz, Feher

(apa/red)

17.8.2006 14:48
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