14.8.2006 15:47

Für 'Russen' Stranzl zählt nur das Kollektiv:
'Müssen jedes Spiel wie Qualifikation sehen'

  • Auch Austrianer Roman Wallner wieder dabei
  • Stranzls Spartak Moskau winkt Champions League

Martin Stranzl, einer der Führungsspieler im Kader von ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger, appelliert vor dem freundschaftlichen Fußball-Länderspiel in Graz gegen den einstigen Erzfeind Ungarn an seine Kollegen: "Wir müssen bis zur EM jedes Spiel so sehen, als ginge es um die Qualifikation. Jeder muss dem Trainer zeigen, dass er dazu gehört und dass er 2008 seinen Mann steht", sagte der Legionär von Spartak Moskau am Montag im ÖFB-Teamquartier in Bad Radkersburg.

Und auch der Burgenländer sprach noch einmal das deutliche 1:4 zuletzt gegen Kroatien in Wien in aller Deutlichkeit an. Er sieht das aber zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht so dramatisch. "Würden wir jetzt schon so weit sein, dann würde ich mir den Kopf zerbrechen. Lieber jetzt Probleme haben, als ein paar Monate vor der EM", meint der Ex-Stuttgarter und frühere Münchner "Löwe". Die Fehler und die Unstimmigkeiten, die gegen den WM-Starter Kroatien aufgetreten waren, wolle man intern und nicht in der Öffentlichkeit ansprechen.

Für Stranzl zählt das Kollektiv
Stranzl sagte dazu nur so viel: "Die Defensive fängt schon vorne an, bindet das Mittelfeld ein und ist nicht nur Aufgabe der Verteidigung." Der 26-Jährige wollte festgehalten wissen, dass das Nationalteam nicht wie früher von Stars wie Polster, Prohaska, Krankl usw., sondern vom Kollektiv lebe. Das bedeute aber überhaupt nicht, dass es derzeit keine Charaktere oder echte Typen im Kader gebe. "Die gibt es sehr wohl, nur geben sie sich in der Öffentlichkeit nicht so wie früher zu erkennen."

Auch Roman Wallner wieder dabei
Stranzl, der gemeinsam mit Teamchef Hickersberger und dem Austrianer Roman Wallner zur Pressekonferenz erschienen war, schaute während seiner Ausführungen den neben ihm sitzenden Stürmer an. "Roman ist so ein Typ, er zeigt Leidenschaft, Leistung, haut sich rein und provoziert. Ich bin froh, dass er wieder im Team ist", lobte Stranzl Wallner, der erstmals seit 12. Oktober 2005 (2:0 gegen Nordirland) zu den Auserwählten zählt.

Der "Heimkehrer" hat sich im Verein 15 Saison-Treffer zum Ziel gesetzt. Wie viele es bis zur EM 2008 werden sollen? Diesbezüglich wollte sich der Steirer nicht festlegen. "Ich bin einmal froh, den Trainer nach langer Zeit wieder zu sehen. Aber wenn es im Verein stimmt, dann wird sich das auch aufs Team übertragen. Man muss sich immer Ziele stecken und dann schauen, sie so gut wie möglich zu erreichen." Im ÖFB-Dress hat Wallner in 20 Partien bisher fünfmal getroffen.

Für Stranzls Spartak winkt die Champions League
Zurück zu Stranzl, der mit einem Erfolgserlebnis aus Russland in der Südsteiermark eingerückt ist. Nach einem turbulenten 3:2-Heimsieg über Samara ist sein Klub Spartak Moskau nach 16 Runden ex aequo mit ZSKA Tabellenführer. "Wir haben aus unseren jüngsten sieben Spielen 17 von 21 möglichen Zählern geholt, sind heimstark, haben die meisten Tore der Liga erzielt und sind auch international gut unterwegs", erzählt der Defensiv-Mann. Nach einem 0:0 in Liberec steht der Einzug in die Champions League bevor.

Vorher geht es am Wochenende noch nach Wladiwostok. "Da haben wir einen Neun-Stunden-Flug und sechs Stunden Zeitunterschied vor uns." Die Strapazen empfindet er gar nicht als solche. Das Leben in Russland sei genauso wie überall anders, es fehle an nichts, die Entscheidung nach Moskau zu gehen, sei absolut richtig gewesen. Auch mit der Verständigung hat er keine großen Probleme mehr, nachdem er und seine Frau anfänglich einen Lehrer hatten.

"Lesen geht schon einigermaßen, von der Sprache kann ich die wichtigsten Worte", erzählt Stranzl, der intensive Gespräche mit Sportdirektor Stanislaw Tschertschessow freilich in Deutsch führt. Das Trainingsgelände des Vereins spielt übrigens alle Stückln. "Es ist besser als in Stuttgart oder München, es gibt einen Trainings- und Kunstrasen-Platz mit Heizung, eine weitere Rasenheizung kommt dazu und jeder Spieler hat sein eigenes Zimmer samt Internet-Anschluss."

(apa/red)

14.8.2006 15:47
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