Söhne der Puszta wollen bergauf: Ungarns Suche nach längst vergangenen Erfolgen
- Nach Ära Matthäus soll's wieder bergauf gehen
- Besiegten 1953 als erste "Kontinentale" England
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Österreich und Ungarn, die sich gemeinsam (erfolglos) um die Euro 2004 bewarben, verbindet im Fußball eine große Vergangenheit - und eine eher triste Gegenwart. Da wie dort ist man von der europäischen Spitzenklasse weit entfernt, stets auf der Suche nach den Erfolgen der glorreichen Vorfahren. Der ÖFB hat den dritten WM-Platz 1954, der ungarische Verband (MLSZ) zweimal WM-Silber (1938, 1954) als erfolgreichste Kapitel in den Geschichtsbüchern stehen.
Österreich war zuletzt 1998 (Frankreich), Ungarn gar 1986 (Mexiko) bei einer WM-Endrunde dabei. Fast hätten die Magyaren auch Frankreich erreicht, aber als Gruppen-Zweite setzte es in der Barrage gegen Jugoslawien zwei empfindliche Niederlagen (1:7 und 0:5). Deutschland 2006 bzw. der zehnte WM-Start wurde in der Qualifikation als Pool-Vierter hinter Kroatien, Schweden und Bulgarien deutlich verpasst. Der Deutsche Lothar Matthäus vermochte den Karren als Teamchef nicht mehr aus dem Dreck zu ziehen. Im Jänner 2004 geholt, nahm der jetzige Assistenz-Dompteur der Salzburger "Bullen" im Dezember 2005 wieder seinen Hut.
Nach Ära Matthäus soll's wieder bergauf gehen
Seit März dieses Jahres hat Peter Bozsik das Zepter in der Hand. Mit ihm soll es wieder aufwärts gehen. Der Matthäus-Nachfolger, dem der frühere Steyr-Legionär Lajos Detari zur Seite steht, startete im Mai mit einem 1:3 in England und einem 2:0 daheim gegen Neuseeland, in Graz gegen Österreich soll das erste positive Ergebnis in der Fremde her. Gegen den Nachbarn hatten die Ungarn am 12. Oktober 1902 auch das erste Länderspiel ausgetragen, das zwischen zwei nicht-britischen, europäischen Gegnern ausgetragen wurde. Damals gab's in Wien ein 0:5-Debakel.
Besiegten als erste "Kontinentale" England
Die Magyaren waren es auch, die England auf deren Boden (in Wembley 6:3 am 24. November 1953) als erste nicht-britische Elf besiegten. Ein weiteres Kunststück gelang den Mitteleuropäern auch ein Jahr später mit dem 7:1 in Budapest, das bis heute die höchste Niederlage der Briten bedeutet. Von 4. Juni 1950 bis zum WM-Endspiel am 4. Juli 1954 (2:3 gegen Deutschland/"Wunder von Bern") blieben die Ungarn in 34 Länderspielen in Serie ungeschlagen! Der Gewinn von Olympischem Gold (1952, 1964, 1968) ist auch schon einige Zeit her.
Heute sind die Nachfahren von Größen wie Ferenc Puskas, Florian Albert, Ferenc Bene, Nandor Hidegkuti, Sandor Kocsis, Tibor Nyilasi und Co. ein wenig gefürchteter Gegner, der seit 1986 keine WM-Endrunde und seit 1972 kein EM-Turnier erreichte. Ein ganzes Fußball-Land ist um den Anschluss bemüht, doch Vorfälle wie zuletzt jener von Ferencvaros schaden dem Image. Dem 28-fachen Rekordmeister ist Ende Juli die Lizenz verweigert worden und er musste erstmals in seiner 105-jährigen Geschichte von der obersten Spielklasse Abschied nehmen.
Detari prangerte "die Verantwortlichen an, die den Verein in diese Situation gebracht haben". Und Nyilasi, ehemaliger Austria-Legionär, meinte: "Das müssen jene mit ihrem Gewissen vereinbaren, die dafür sorgten, dass FTC so weit sank." Laut Medienberichten soll der populärste und erfolgreichste Verein Ungarns mit umgerechnet fast vier Millionen Euro in der Kreide stehen. Die Grünweißen aus Budapest sind ein Symbol für die ganze Situation.
"Unser Fußball wird von einer Krise heimgesucht, jeder Verein hat die gleichen Probleme. Sie schwimmen in Schulden und spielen in veralteten Stadien. Dazu kommt, dass die Klubs ihre guten Spieler verkaufen müssen", sagt Levente Bank Boros, der Vizechef der FTC-Anhänger-Vereinigung. Immer wieder auftauchende mysteriöse Investoren aus dem Ausland versprechen das Blaue vom Himmel, doch lassen dann Taten vermissen. Ferencvaros hat zuletzt mit einem spanischen Konsortium (HI Grupo) solche Erfahrungen gemacht.
Steckbrief von ÖFB-Gegner Ungarn
Gegründet: 1901
FIFA-Mitglied: seit 1907
UEFA-Mitglied: seit 1954
FIFA-Weltrangliste: 84. Platz
Teamchef: Peter Bozsik (44 Jahre/seit März 2006)
Rekord-Teamspieler: Josef Bozsik (101 Länderspiele)
Rekord-Torschütze: Ferenc Puskas (84)
Rekord-Meister: Ferencvaros Budapest (28-mal)#
Erstes Länderspiel: 12.10.1902 in Wien 0:5 gegen Österreich
Jüngstes Länderspiel: 30.5.2006 in Manchester 1:3 gegen England
Höchste Siege: 14.7.1912 in Russland 12:0
12.6.1926 in Budapest 13:1 gegen Frankreich
Höchste Niederlagen: 10.6.1908 in Budapest 0:7 gegen England
6.4.1941 in Köln 0:7 gegen Deutschland
Länderspiele vs. ÖFB: 135 Spiele, 65:40 Siege, 30 Remis, 295:251 Tore
Größte Erfolge: WM-Teilnahmen: 9 x (1938 und 1954 jeweils Zweiter), EM-Teilnahmen: 2 x (1964 Dritter, 1972 Vierter)
Bekannteste Teamspieler:
Ferenc Puskas, Florian Albert, Ferenc Bene, Jozsef Bozsik, Lajos
Detari, Gyula Grosics, Nandor Hidegkuti, Sandor Kocsis, Tibor Nyilasi
(apa/red)










