Kokspartys und Doping-Fund: Leichtathletik
droht nach Göteborg Riesen-Imageschaden
- Russland vermutet nach Fund "plumpe Intrige"
- Zeitung: "Haben viel Gold, Silber und Kokain geholt"
·Im Doping-Fall Gatlin droht 'Lebenslang'
Für IAAF gibt's darüber
'keinerlei Diskussion'
Zwei riesige Plastiksäcke und ein Paket voller verdächtiger Arzneimittel sowie bizarre Kokain-Partys einstiger Leichtathletik-Stars haben die Europameisterschaften in Göteborg nachträglich in ein schiefes Licht gerückt. Dass möglicherweise EM-Teilnehmer oder Betreuer aus Angst vor Entdeckung gleich ihre komplette Drogen-Werkstatt auf der Straße vor dem Mannschaftshotel in einen Mülleimer gestopft hatten, sahen schwedische Medien als denkbare Panikreaktion.
Zuletzt war noch unklar, in welchem Umfang die am Vortag von Passanten bei der Polizei abgelieferten Präparate, Spritzen und Schläuche verbotene Stoffe enthalten. "Wir müssen das jetzt im Einzelnen analysieren lassen", meinte Polizeisprecher Mats Glansberg. Beschriftet waren die Mittel auf Russisch. Das am Fundort gelegene Mannschaftshotel Opalen wurde von den russischen Teilnehmern sowie den Mannschaften aus Polen, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Gibraltar und Malta bewohnt.
Dauerhafter Imageschaden durch Koks-Party befürchtet
Auch wenn es sich, wie von einigen Experten vermutet, bei den hastig "entsorgten" Mitteln um harmlose Vitaminpräparate handeln sollte, gilt der Imageschaden für die Leichtathletik-EM durch Drogenskandale als dauerhaft. Dafür sorgte Ex-Hochsprung-Weltrekordler Patrik Sjöberg zusammen mit dem früheren Hürdenläufer Sven Nylander und Patrik Lövgren, einem Ersatzläufer der schwedischen Sprintstaffel. Zusammen mit Sjöbergs Freundin und einem griechischen Trainer wurde das Trio bei einer nächtlichen Siegesfeier für den heimischen Dreispringer Christian Olsson wegen Kokain-Schnupfens festgenommen.
Der 40-jährige Sjöberg, 1987 Weltrekordhalter im Hochsprung mit 2,42 Metern, "bekannte" sich in einer ellenlangen Presseerklärung zu seiner "Dummheit" und begründete sie damit, dass er bei der sonst von ihm "zu 99 Prozent" abgelehnten Einnahme von Kokain schon betrunken gewesen sei. Nylander (41), ebenfalls in den 80er Jahren einer der besten europäischen Hürdenläufer über 400 m, stritt jede Einnahme von Kokain ab, obwohl die Polizei die Droge auch in seinen Taschen gefunden hatte. Beim Abstreiten dürften berufliche Interessen im Spiel gewesen sein, denn Nylander verdient sein Geld ausgerechnet bei der Stiftung "Sauberer Sport" - als Aushängeschild mit Vorträgen gegen Doping und Drogen in Schulen sowie Sportvereinen. Von diesem Amt wurde er mit sofortiger Wirkung suspendiert.
Zeitung: "Haben viel Gold, Silber und Kokain geholt"
"Wir haben viel Gold, Silber und Kokain geholt", kommentierte Schwedens größte Zeitung "Aftonbladet" leicht zynisch die hässlichen Begleitumstände der Gastgeber-Erfolge bei der EM im Göteborger Ullevistadion mit der überragenden Siebenkämpferin Carolina Klüft an der Spitze. Schon während der Titelkämpfe hatte die Mannschaftsleitung Kugelstoßer Jimmy Nordin nach Hause geschickt, nachdem dieser im Vollrausch randaliert hatte und eine Nacht in Polizeigewahrsam statt im Mannschaftshotel hatte zubringen müssen.
Man müsse sich schon fragen, wie "sauber" Sjöberg eigentlich in seinen Glanzjahren gewesen sei, meinte "Svenska Dagbladet". Das Blatt erinnerte daran, dass Sjöbergs vom Deutschen Carlo Thränhardt 1988 eingestellter Weltrekord nur vom Kubaner Javier Sotomayor übertroffen und auf 2,45 m geschraubt wurde. Sotomayor war noch als Aktiver wegen Kokain-Einnahme gesperrt worden.
Russland vermutet "plumpe Intrige"
Die russische Antidoping-Behörde hat Vorwürfe zurückgewiesen, Leichtathleten aus Russland seien bei den Europameisterschaften in Göteborg gedopt angetreten. Die vor einem Göteborger Hotel gefundenen Dopingpräparate sähen zwar verdächtig aus, räumte der Chef der Behörde, Nikolaj Durmanow, in Moskau ein, aber es könnte sich bei dem Fund auch um eine plumpe Intrige handeln.
"Es fehlt nur, dass gleichzeitig noch die Visitenkarte eines Sportlers gefunden wird", sagte Durmanow nach Angaben der Agentur Interfax. Seine Behörde sei bereit, alle seriösen Informationen zu überprüfen. Auf dem Niveau von Gerüchten und Mutmaßungen diskutiere er jedoch nicht.
Am Montag war vor einem Göteborger Hotel, in dem Teilnehmer der Leichtathletik-EM untergebracht waren, ein Kasten mit Dopingpräparaten, Injektionsspritzen und weiteren technischen Hilfsmitteln gefunden worden. Viele der Medikamentenschachteln waren auf Russisch beschriftet. Wegen ihres großen Erfolges waren gegen russische Athleten Doping-Vorwürfe erhoben worden. Die Europameisterschaften in Göteborg endeten am Sonntag.
(APA/red)
Syrien-Krise18:14
Obama ein Feigling?Wegschauen oder eingreifen? US-Präsident schweigt zum Massaker von Houla
Nachbeben in Italien20:01
Mehrere TodesopferErneut große Schäden und Tote nach schweren Erdstößen in Norditalien
