Freitag, 18. August 2006

"Der Fußball ist heute Weltkultur": NEWS- Interview mit Red Bull-Trainer Trapattoni

  • "Wenn man überzeugt ist, kann man alles erreichen!"
  • Neo-Grieche Ivanschitz: "Noch muss er warten"

Im NEWS-Interview erklärt der italienische Star-Coach Trapattoni, warum er selbst kein Don Giovanni ist, wie er über Valencia, den nächsten Gegner seiner "Bullen", denkt und warum er den Neo-Griechen Andi Ivanschitz nicht im Team brauchen konnte.

NEWS: Wie schätzen Sie die Chancen gegen Valencia ein?

Trapattoni: Noch haben wir uns nicht qualifiziert, aber ich bin für das Rückspiel optimistisch. Ich weiß, dass meine Mannschaft jetzt funktioniert und dass die Spieler mit internationaler Erfahrung mit dieser Situation umgehen können. Wenn man überzeugt ist, kann man alle Ziele erreichen.

NEWS: Gegen Pasching ist es nicht so gut gelaufen ...

Trapattoni: Wenn wir nicht gewinnen können, müssen wir eben unentschieden spielen. Natürlich ist das manchmal traurig, wie beim letzten Spiel gegen Pasching auf diesem nassen Platz. Wir können nicht alle Spiele wie gegen Valencia spielen.

NEWS: Wo muss sich das Team noch verbessern?

Trapattoni: Mich haben Journalisten aus Österreich gefragt, warum ich nach Salzburg komme, und ich habe gesagt, dass ich eine Mannschaft mit internationalem Niveau aufbauen will. Das geht natürlich auch in Österreich, aber es braucht auch viel Zeit.

NEWS: Wieso haben Sie sich für Salzburg entschieden?

Trapattoni: Ich habe über Herrn Mateschitz schon vorher viel gehört, habe gewusst, dass er hoch gesteckte Ziele hat, dass er ein Formel-1-Team hat, dass er die extremen Sportarten mag. Und dass er auch im Fußball etwas bewegen will. Das hat mir sehr gut gefallen.

NEWS: Was halten Sie vom österreichischen Fußball?

Trapattoni: Auch kleine Länder können etwas bewirken, das hat die Schweiz bei der WM bewiesen. Das kann auch Österreich. Aber man muss daran glauben. Das ist sehr wichtig. Dann kann man Pläne für die Zukunft machen. Wichtig ist, an der Basis anzufangen, in den Nachwuchs zu investieren. Man kann ja auch nicht mit der Universität anfangen, ohne die Grundschule absolviert zu haben. Aber in Österreich ist Skifahren wichtiger als Fußball.

NEWS: Kennen Sie österreichische Skifahrer?

Trapattoni: Ja, Toni Sailer.

NEWS: Hat Österreich Chancen bei der EM 2008?

Trapattoni: Schau, für die nächsten zwei Jahre muss man einen großen Plan machen. Es gibt gute junge Spieler, wir müssen mit diesen Jungen arbeiten, dann ist eine starke Mannschaft möglich. Wenn das die Schweiz geschafft hat, warum nicht auch Österreich?

NEWS: Welcher österreichische Spieler hat eine große Zukunft?

Trapattoni: Ich denke, Ivanschitz am besten, aber auch Janko.

NEWS: Für Red Bull war Ivanschitz aber zu schwach.

Trapattoni: Ich muss jetzt die Spieler spielen lassen, die mir eine gewisse Garantie geben, weil wir gewinnen müssen. Wir haben Druck, müssen sofort Ziele erreichen. Darum können wir es uns nicht leisten, Talente reifen zu lassen. Aber dieses Problem gibt es auch bei Klubs in Italien oder Deutschland. Für Ivanschitz ist es jetzt wichtig, dass er eine ganze Meisterschaft spielen kann. Er wird sich entwickeln und innerhalb von zwei Jahren in der Lage sein, auch bei einem Topklub in Österreich seine Leistungen zu bringen. Noch muss er wachsen.

NEWS: Legionäre statt Einheimische, wie sehen Sie diese Entwicklung?

Trapattoni: Sehr positiv, jeder kann überall spielen, Fußball ist Weltkultur und internationales Geschäft. Red Bull ist ein Paradebeispiel dafür.

NEWS: Gleichen sich auf diese Weise die Stile der einzelnen Nationen an?

Trapattoni: Taktisch schon. Jeder spielt heutzutage mit Viererkette und Pressing im Mittelfeld. Doch die Fußballschulen unterscheiden sich nach wie vor. Deutschland ist nicht Brasilien, und Italien spielt wiederum ganz anders.

NEWS: Materazzis Verhalten hat kein gutes Licht auf die Italiener geworfen ...

Trapattoni: Er war ein bisschen nervös. Ich kann das als Trainer zwar verstehen, aber ich heiße es nicht gut.

NEWS: Hat sich auch die Rolle des Trainers im Laufe der Jahre verändert?

Trapattoni: Natürlich. Die Rolle eines Trainers hat sich sehr gewandelt, er ist wie ein Manager, muss wissen, welches Potenzial in seiner Mannschaft steckt und es ökonomisch einsetzen. Die Spieler sind das Kapital des Vereins, und der Trainer ist dafür verantwortlich, er muss sehr vorsichtig damit umgehen. Er ist auch erster Vertreter des Vereins nach außen, er muss seine Spieler schützen. Je höher man steigt, desto kälter wird es.

NEWS: Taktisch gesehen, gelten Sie als Meister der Defensive ...

Trapattoni: Defensive, was ist das? Was meinen Sie damit? Was ist offensiv, was defensiv? Man muss in erster Linie mit dem Kopf spielen, nicht ohne. Das System ist wichtig. Es geht nicht um Zweikämpfe, sondern um die Organisation der Mannschaft. Das ist es, was ein Spiel attraktiv macht. Aber ich weiß, die Zuschauer wollen immer nur viele Tore sehen.

NEWS: Was sind Sie selbst für ein Typ, eher offensiv oder eher defensiv?

Trapattoni: Ich bin Pragmatiker. Ich bin ein Mann, Sie sind eine Frau.

NEWS: Was lernt ein Spieler bei Ihnen?

Trapattoni: Erst einmal muss ich verstehen, was er kann und welche Charakteristiken er hat. Es ist wie beim Theater. Er muss eine Rolle spielen und sich einfügen können. Wenn er sich nicht einfügen kann, muss ich schauen, was für Fehler er macht und sie korrigieren. Ich habe Spieler, die schon viele Trainer gehabt haben. Sie können vergleichen: Was sagt Trapattoni, was haben andere gesagt? Sie werden die Ergebnisse vergleichen, dann werden sie beginnen zu verstehen, wie Trapattoni das Spiel will. Man muss aber auch verstehen, was ich sage.

Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen NEWS!

18.8.2006 08:29