Offenbar positive Doping-Probe von Marion Jones: Mindestens zweijährige Sperre droht
- 30-Jährige gibt Einnahme gegenüber ihrem Trainer zu
- Sprinterin angeblich bei US-Meisterschaft getestet
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Nach zahlreichen Verdächtigungen könnte Leichtathletik-Olympiasiegerin Marion Jones nun erstmals im Netz der Dopingjäger hängen geblieben sein. Nach Berichten der Zeitungen "Los Angeles Times" und "Washington Post" war die A-Probe der 30-Jährigen bei den US-Meisterschaften im Juni in Indianapolis positiv, es soll EPO nachgewiesen worden sein. Sollte sich der Verdacht bestätigen, droht Jones zumindest eine zweijährige Sperre. Darüberhinaus soll sie gegenüber ihrem Trainer Steve Riddick zugegeben haben, tatsächlich eine positive Dopingprobe abgeliefert.
"Sie hat mir gesagt, dass bei ihr Spuren von EPO gefunden worden sind. Ich habe gelacht, aber sie hat gemeint, es sei ihr Ernst", erklärte Riddick, der nach wie vor von der Unschuld der US-Amerikanerin ausgeht. "Ich würde mein Leben darauf verwetten, dass sie kein EPO genommen hat. Sie war immer sauber und hat niemals leistungsfördernde Substanzen genommen, weder jetzt noch in der Vergangenheit", betonte der Coach.
Die dreifache Goldmedaillengewinnerin von Sydney 2000 war Freitagfrüh völlig überraschend "aus persönlichen Gründen" vor dem Golden-League-Meeting aus Zürich abgereist, nachdem sie einen Anruf aus den USA erhalten hatte. Zum Vorwurf des Doping wollten vor Abschluss des Verfahrens weder die Anti-Doping-Agentur der USA noch der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) Stellung beziehen. Dessen Generalsekretär Pierre Weiss bedauerte allerdings die lange, zweimonatige Zeitspanne zwischen dem Test und der Bekanntgabe des Resultats. "Wir erwarten von den Laboratorien, dass sie ihr Bestes tun, um die Resultate innerhalb von zwei Wochen zu übermitteln", erklärte Weiss.
Die USA könnten damit zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit vom Dopingfall eines Topstars betroffen sein. Zuvor waren Tour-de-France-Sieger Floyd Landis und 100-Meter-Olympiasieger, Weltmeister und Co-Weltrekordler Justin Gatlin, der von Jones' Ex-Coach Trevor Graham betreut wird, wegen erhöhter Testosteron-Werte positiv getestet worden.
Seit Jahren unter Dopingverdacht
Marion Jones steht bereits seit Jahren unter Doping-Verdacht und hat bisher immer vehement ihre Unschuld beteuert. Ihr Berater Rich Nichols wollte sich zum aktuellen Fall nicht äußern, erklärte aber, dass Jones bereit sei, alles zu unternehmen, um zu beweisen, dass sie nie leistungssteigernde Substanzen genommen habe. "Nicht jetzt und auch nicht früher", betonte Nichols.
Für Jones galt und gilt die Unschuldsvermutung, wenngleich es schwer fällt ihre Nähe zu einigen Dopingfällen dem Zufall zuzuschreiben. In der Affäre um das BALCO-Labor wurde mehrfach ihr Name genannt, sie wurde aber nicht angeklagt oder überführt. BALCO-Gründer Victor Conte hatte in einem TV-Interview im Dezember 2004 erklärt, er selbst habe Jones mit Dopingmitteln versorgt und gesehen, wie sie sich Wachstumshormone gespritzt habe. Und ihr Ex-Ehemann, der Kugelstoßer C.J. Hunter, hatte im Rahmen des BALCO-Prozesses bestätigt, Zeuge gewesen zu sein, wie sich Jones selbst Dopingmittel injiziert habe und ihr diese auch verabreicht zu haben.
Der Vater ihres Sohnes, der ehemalige 100-m-Weltrekordler Tim Montgomery, wurde im Dezember 2005 wegen Dopings zwei Jahre suspendiert. Zudem wurde Jones viele Jahre - unter anderem bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney - vom umstrittenen Trainer Trevor Graham betreut, gegen den die USADA inzwischen selbst ermittelt.
Bereits 1992 drohte erste Sperre
Bereits 1992, als die Sprinterin noch eine vielversprechende Nachwuchsathletin auf der Highschool im kalifornischen Thousand Oaks war, sollte sie vom US-Verband erstmals gesperrt werden, weil sie einen Dopingtest verpasst hatte. Damals hatte Star-Anwalt Johnnie Cochran jr. erfolgreich Einspruch eingelegt und eine Sperre abgewendet. 14 Jahre später steht die Ausnahmeathletin vor der nächsten Anklage. Nach der Geburt ihres Sohnes im Jahr 2003 war Marion Jones nur noch sporadisch gelaufen und hatte eine Durststrecke mit schwachen Leistungen durchmachen müssen.
Erst heuer gelang ein großes Comeback, mit dem US-Titel über 100 m in 11,10 Sekunden begann eine Erfolgsserie. Am 14. Juli in Rom lief Jones sogar 10,91 - die zweitschnellste Zeit des Jahres. Bei der Weltmeisterschaft 1997 hatte sie durch den Gewinn der Goldmedaille über 100 m international den Durchbruch geschafft und diesen Erfolg durch die Titelverteidigung bei der WM 1999 bestätigt. Die drei olympischen Goldmedaillen von Sydney über 100 m, 200 m und mit der 4 x 400 m-Staffel sowie die zwei Bronzemedaillen im Weitsprung und in der 4 x 100 m-Staffel hatten sie zum Glamourgirl der internationalen Leichtathletik gemacht.
(apa/red)
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