Brasiliens neues Körpergefühl: 'Gang der Leichtgewichte' soll Norweger-Bann beenden
- Gegen Norwegen konnte 'Selecao' noch nie gewinnen
- Ohne 'große' Stars Ronaldo-Kaka-Ronaldinho-Adriano
·Carlos Dunga neuer Coach der "Selecao"
PLUS: Bilic folgt Krancjar als Kroatien-Trainer nach
Nach dem blamablen WM-Aus soll eine "Gang der Leichtgewichte" den Ruf der brasilianischen Fußball-Nationalmannschaft wiederherstellen. So taufte die brasilianische Presse die Stürmer und offensiven Mittelfeldspieler, die Trainer-Neuling Carlos Dunga für das Freundschaftsspiel heute gegen Angstgegner Norwegen in Oslo nominierte.
Die neuen Hoffnungsträger der mehr als 180 Millionen fußballverrückten Brasileiros sind fast alle in jeder Hinsicht wahre Leichtgewichte. Zum einen sind viele von ihnen sogar bei den Fans daheim wenig bekannt, weil sie ihre Profi-Karriere erst begonnen haben. Außerdem sind sie, wie die Zeitung "Folha de Sao Paulo" schrieb, im Gegensatz zu den Mitgliedern des vorerst ausgebooteten "Wunderquartetts" Ronaldo-Kaka-Ronaldinho-Adriano zumeist "dürre Gestelle".
Nur zwei Spieler über 1,80 m groß
Neben dem eher schmächtigen, aber weltbekannten Dribbelkönig Robinho von Real Madrid, der unter 70 Kilo wiegt, dürften in Oslo Spieler wie Morais von Vasco da Gama Rio de Janeiro (1,70 m, 64 kg) oder Wagner von Cruzeiro Belo Horizonte (1,75/65) zum Einsatz kommen. Von den neun nominierten offensiven Spielern sind nur zwei (Julio Baptista und Fred) über 1,80 m groß.
Eine Schonzeit darf das neu formierte Team nicht erwarten. "Wir müssen von nun an alles gewinnen, sogar alle Freundschaftsspiele", forderte Coach Dunga unmissverständlich vor dem Gastspiel des fünffachen Weltmeister in Oslo.
Norweger bisher ohne Niederlage gegen "Selecao"
Gegen Norwegen wird das alles andere als leicht sein. Die "Selecao" besteht nun aus einem zusammengewürfelten Haufen, der bisher weder zusammen gespielt noch trainiert hatte. Und das Brasilien-Spiel scheint den Norwegern zu bekommen. In bisher drei Spielen schafften die Skandinavier, die nur Platz 52 der FIFA-Weltrangliste belegen, gegen den Rekordchampion aus Südamerika zwei Siege und ein Unentschieden.
Dass gegen die Norsker vor allem schmächtige Spieler das kanariengelbe Trikot der Brasilianer tragen werden, kommt nicht von ungefähr. Bei der WM enttäuschten vor allem die schweren und größeren Spieler. Neben Ronaldo hatte sich auch Adriano vor der WM mit Übergewicht präsentiert. Eine Konsequenz des Desasters: Ab sofort werden alle Nationalspieler eine Broschüre mit "körperlichen Hausaufgaben" bekommen. Die Entschuldigung, der Verein in Europa lasse zu wenig trainieren, werde nicht mehr ziehen, sagte ein Konditionstrainer des Nationalverbandes CBF.
Brasilien soll bis November 2007 in 15 Monaten mindestens 13 Länderspiele bestreiten. Unter Dungas Vorgänger Carlos Parreira wurde diese Zahl erst nach 26 Monaten erreicht. Im September stehen bereits Tests gegen den südamerikanischen Erzrivalen Argentinien in London sowie gegen Wales auf dem Programm. Im Oktober folgt dann "Jausengegner" Kuwait.
Im nächsten Jahr stehen neben acht Freundschaftsspielen noch die Copa America im Juni in Venezuela sowie die ersten vier Spiele in der Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika auf dem Programm. Die Marschroute von Dunga ist klar: "Bei mir ist die Mannschaft der Superstar, nicht einzelne Spieler." (APA/red)
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