'Habe keine Weisung erteilt': Wrabetz wehrt
sich gegen Verlegung des Sommergesprächs
- 'Kaufmännischer Direktor kann keine Weisung geben'
·Sommergespräch mit BZÖ nicht verschoben
Lindner legt sich quer, Westenthaler schäumt
·Wrabetz im Interview
über seine ORF-Pläne
Neuer Generaldirektor setzt Info-Schwerpunkt
·Gusenbauer: Wahl von Wrabetz "Chance"
Auch Grüne Glawischnig und FP-Strache jubeln
·KLICKEN: Das sagt die
Presse zur ORF-Wahl
Meisten Zeitungen orten
"Niederlage der ÖVP"
Im Streit um die Programmverlegung des ORF-"Sommergesprächs" mit BZÖ-Chef Peter Westenthaler weist der gewählte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz Informationen, wonach er eine Weisung erteilt habe, als "falsch" zurück. "Erstens kann ich als Kaufmännischer Direktor gar keine Weisung erteilen, und zweitens bin dich der Meinung, dass das eine Entscheidung ist, die ausschließlich der Informationsdirektor nach sachlichen Kriterien zu treffen hat", sagte Wrabetz am Sonntag im APA-Gespräch.
Der künftige ORF-Chef, der sein Amt offiziell mit 1. Jänner 2007 antritt, wiederholte aber, dass er es "grundsätzlich" für "vernünftig" halte, eine Programmierung von Fußball gegen Politik zu vermeiden. "Das schadet dem Gesamtmarktanteil, da sich die Zielgruppen zu stark überschneiden. Und wenn die österreichischen Vereine weiterkommen, könnte uns das in diesem Herbst noch ein paar Mal - etwa auch bei den TV-Duellen - blühen."
Die schriftliche Weisung der amtierenden ORF-Chefin Monika Lindner - die erste schriftliche Programm-Weisung Lindners in ihrer fünfjährigen Amtszeit und die erste seit der Novelle des ORF-Gesetzes von 2001 - widerspricht nach Meinung Wrabetz' allerdings der Empfehlung des Stiftungsrats von Donnerstagabend nach der ORF-Wahl. "Wesentliche Verfügungen" seien in den kommenden vier Monaten des Interregnums "im Einvernehmen" zwischen Lindner und Wrabetz zu treffen. Dabei geht es den Stiftungsräten um Struktur- und Personalfragen, aber auch Fragen, die das Ansehen und Erscheinungsbild des ORF betreffen.
Wrabetz: "Ich habe inzwischen ein Gespräch mit Lindner geführt. Sie ist bei ihrer Meinung geblieben, das 'Sommergespräch' nicht zu verlegen." Einvernehmen konnte in der Causa nicht hergestellt werden. "Lindner hat die Entscheidung allein getroffen." Um Unsicherheit im Haus zu vermeiden, könne er dieses Vorgehen nur zur Kenntnis nehmen, meinte der Kaufmännische Direktor. Er werde jedenfalls weitere Gespräch mit Lindner suchen.
"Es zeigt aber, dass hier noch Regelungsbedarf besteht." Wenn es noch vier Monate großen Dissens in wichtigen Entscheidungen gebe, stelle sich die Frage, wie die Festlegungen des Stiftungsrats zu interpretieren seien, so Wrabetz.
Eine "schiefe Optik" sieht der künftige ORF-Chef in dem Umstand, dass man mit der Vorverlegung des "Sommergesprächs" einem Wunsch des BZÖ und Westenthalers nachgekommen wäre, nicht. Auch vom "ersten Sündenfall" gleich am Tag nach der Wahl könne keine Rede sein. "Wenn man zu einem Thema eine grundsätzliche Position hat, muss man auch optische Fragen in Kauf nehmen." Er habe dem BZÖ kein Zuvorkommen in der Causa in Aussicht gestellt. Vielmehr sei die Programmänderung schon in den Tagen vor der ORF-Wahl am 17. August ORF-intern diskutiert und angedacht worden. "Jemand, der bei der ORF-Wahl einen Kandidaten unterstützt, darf danach keine Vorteile haben, er darf aber auch keine Nachteile haben", meinte Wrabetz grundsätzlich.
Etwaige vom politischen Gegner kolportierte Absprachen rund um die ORF-Wahl dementiert der SP-nahe Wahlsieger. "Es hat im Zusammenhang mit meiner Wahl rundfunkgesetzwidrige Drohungen von Gegnern, aber keine rundfunkgesetzwidrigen Absprachen von mir gegeben", so Wrabetz. Ob es dann nicht-gesetzwidrige Absprachen gegeben habe? "Ich habe mit vielen Stiftungsräten über meine Vorstellungen gesprochen, aber ich bin in meinen Entscheidungen frei und nur an das Gesetz gebunden."
(apa)
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