Sonntag, 20. August 2006

Das Kabinett des Dr. Wrabetz: Wer macht das Rennen um die begehrten ORF-Plätze?

  • Mitbewerber Lorenz soll Programmdirektor werden
  • Strukturänderungen in der Fernsehinformation

Am 21. September wählt der ORF-Stiftungsrat die ORF-Direktoren. Das Rennen um die begehrtesten Plätze im ORF-Management hat - einen Tag nach der Wahl von Alexander Wrabetz zum ORF-Generaldirektor - bereits voll eingesetzt. Wrabetz selbst nannte im Laufe seines Hearings die mögliche Team-Aufstellung.

Als Programmdirektor gab er seinen Mitbewerber Wolfgang Lorenz an, Informationsdirektor soll ORF-Sportchef Elmar Oberhauser werden, der Kärntner Programmchef Willy Haslitzer ist als Hörfunkdirektor vorgesehen. Als Technischer Direktor ist Peter Moosmann, als Onlinedirektor ORF-Marketingchef Thomas Prantner vorgesehen. Für den Posten des Kaufmännischen Direktors will Wrabetz eine Frau aus dem Banken-, Industrie- oder Medien-Bereich gewinnen.

Als erster aus dem "Schattendirektorium" meldete sich, noch bevor Wrabetz zur Pressekonferenz nach der Wahl schritt, Willy Haslitzer zu Wort. Zu seinen Aussichten, Hörfunkdirektor zu werden, wollte er zwar nicht Stellung nehmen, er werde sich aber "selbstverständlich" darum bewerben. Die Entscheidung liege beim Stiftungsrat.

Spekulationen setzten unterdessen am Freitag auch über die mögliche Aufstellung der Landesdirektoren ein. Brigitte Wolf (Wien), Karlheinz Papst (Burgenland), Willy Mitsche (Kärnten) und Wolfgang Burtscher (Vorarlberg) können demnach mit ihrer Wiederbestellung rechnen, war zu hören. In der Steiermark könnte Informationsdirektor Gerhard Draxler auf Edgar Sterbenz folgen, für Oberösterreich könnten wieder der amtierende Helmut Obermayr oder Hörfunkdirektor Kurt Rammerstorfer in die Ziehung kommen. Aussichtsreicher Kandidat für Salzburg ist der dortige ORF-Kulturchef Siegbert Stronegger.

Wenig Konkretes ist derzeit noch über Tirol zu hören. Dort amtiert Robert Barth als Landesdirektor. Das Tiroler Studio stand im Vorjahr im Blickpunkt des Interesses, als Medien berichteten, dass Chefredakteur Markus Sommersacher Beiträge über die TIWAG untersagt haben soll, was freilich von allen Beteiligten dementiert worden war. Auch die Besetzung des niederösterreichischen Landesdirektors - derzeit Norbert Gollinger - könnte noch spannend werden. Der mächtige Landeshauptmann Erwin Pröll wird wohl versuchen, sich bei der Bestellung entsprechend Gehör zu verschaffen.

Auch die Zukunft des Fernseh-Chefredakteurs wird durch die von Wrabetz angekündigten Strukturänderungen in der Fernsehinformation gespannt verfolgt. Klar scheint, dass es einen Chefredakteur mit derart umfassendem Kompetenzbereich wie dies bei Werner Mück der Fall war, unter Wrabetz nicht mehr geben wird. Möglich ist vielmehr ein Verantwortlicher für die aktuelle Information - Innenpolitik-Chef Hans Bürger, der so manchen Strauß mit Mück gefochten hatte, könnte künftig eine wichtigere Rolle spielen - sowie ein Verantwortlicher für die Magazine. Darunter soll es dann weitere Verantwortliche für die einzelnen Sendungen geben.

Einer, der für die "Zeit im Bild" in Frage kommen könnte, sei Hanno Settele, heißt es. Radio-Chefredakteur Karl Amon soll dem Hörfunk in seiner angestammten Funktion erhalten bleiben. Was das TV-Programm betrifft, dürfte Werner Taibon ORF-Programmierer bleiben, allerdings könnte diese Funktion wieder - wie zu Gerhard Zeilers Zeiten - in der Generaldirektion angesiedelt werden.

(apa/red)

20.8.2006 14:42